LYRIK POESIE DICHTUNG

Paul Celan

Ein „schönes“ Gedicht

Anhand des Gedichtes Todtnauberg von Paul Celan
werde ich Versuchen mein Verständnis.
von Philosophie, Lyrik, Ästhetik und Ethik zu erklären.

Dies soll keine wissenschaftliche Bearbeitung des Textes werden, noch werde ich eine Interpretation des Textes liefern; ich bin hier an einer Meditation über den Text hinaus interessiert.

Es geht hier um die Wahrnehmung des Gedichtes mit der dieser verbundenen Ethik und der Ästhetik dieses Gedichtes.

Die Sprache eines Gedichtes ist auf die Wahrnehmung angewiesen.
Wird ein Gedicht nur als eine Abweichung der Sprachnorm verstanden so verfehlt das spezifische der Dichtung seine Absicht.
Im freien Spiel des Dichters gelingt eine menschliche Selbstüberschreitung.
Ein Spiel kann wie im Kinderspiel heucheln, es kann andererseits aber auch zu lernen führen.
Wahrnehmung und Vernunft verändern hierbei ihr Verhältnis bei der Suche nach einer Ethik.
Bereits aus ethischen Gründen verwarf Platon die Künstler, die Dichter.
Kant: Die Natur ist die Grenze, der Ort der Krise. Die Freiheit (Moral) ist das Schöne das Erhabene. Der Mensch aber ist frei dank seiner Vernunft Theorie-Urteilskraft-Praxis. Kant forderte auf selbst zu denken:“ habe den Mut dich des eigenen Verstandes zu bedienen“.
Wie sollte man dies besser beherzigen oder anwenden als bei einem Gedicht?

Ein Gedicht zu lesen ( ein Gedichtsurteil ) ist ein ästhetisches Urteil.
Die Bildung eines reinen Geschmacksurteils – ob ein Gedicht schön ist oder nicht; das Wohlgefallen ( Interesse ), das wir an einem Gedicht finden ist ohne alles Interesse.
Wenn ich ein Gedicht herstellte, von dem ich wüsste, das es niemand liest oder wüsste, es gäbe gar keine Menschen, die es lesen könnten, um hier zu sagen, das Gedicht sei schön, oder ich müsste meinen Geschmack beweisen; dies alles wäre nicht logisch.

Dies bedeutet ich habe zunächst kein Interesse ein schönes Gedicht zu schreiben, noch hat mein Erstleser ein Interesse ein Geschmacksurteil zu bestimmen.
Er steht dem Gedicht zunächst gleichgültig gegenüber.
Das Gefühl einer Lust oder Unlust am Gedicht rein subjektiv ästhetisch ohne logische Erkenntnis über Sinn und Form und Inhalt.
Es sieht schön aus, es scheint ein schönes Gedicht.

Nirgendwo spricht ein Mensch so konzentriert wie in der Dichtung.
Aller Ballast der allgemeinen Verständigungssprache ist entfernt.
Das Gedicht ist auf seine Zeichen ( Ampel ) reduziert. Die sofort erkannt oder auch erst durch Nachforschungen.
Hilfen sind hierzu das sprachliche klanghafte Zeichensystem, das über den Rhythmus, Bilder, Metaphern, Bedeutungen bis zu konstanten Mustern reicht.

Unterschiede finden wir im Gedicht, dessen Aussage wir gleich erkennen, wie den verrätselten, hermetischen Gedichten (Benn, Celan) die weitere Lektüren wie Lexiken, Pschyremble, Botanikbücher, etc. verlangen.

Wichtig ist bereits beim Dichten der Anfang: Karl Mickel: „Hier ist der erste Satz so wichtig wie die Startbahn für das Flugzeug: Es erhebt sich dort. Dann aber hat es den Boden verlassen ...“ Es startet in die verschiedenen Welten der Ideen.
Jeder individuelle Leser interpretiert das Gedicht in seiner Welt.

Einbildungskraft führt uns bei einem Gedicht weiter.
Die Einbildungskraft besitzt eine ethisch Verpflichtung gegenüber dem Anderen.
Produktive Einbildungskraft und sittliche Verantwortung sind keine Gegensätze.

Wir erkennen die Form, die schöne Form, nicht beim ersten Mal des Lesen oder hören und auch nicht die Struktur des Gedichtes.
Die Einbildungskraft hilft uns weiter bei Wiedererkennen ( Mimesis) sie stellt etwas her. Ein neues Gedicht
Wir kommen den Dingen näher, wenn wir näher und öfter und länger hinsehen
apprehendieren - Wie ist der Gedanke des Dichters dargestellt? Durch die Einbildungskraft und einem sehen von bildhaften Flecken erkennen wir ein Schema.
Dieses ist jedoch ebenso hart zu erarbeiten wie dem Dichter das Gedicht.

Beispiel: Ein Urlaubskatalog, alles schön und schöne Bilder und schöne Beschreibungen sehr wahr, aber wenn ich dieses sehr wahre nicht ganz genau lese, habe ich ein großes Problem.

Dass gleiche gilt, wenn ich Platon oder Kant nicht sehr genau lese, soweit dies überhaupt möglich ist.
Dieses Problem habe ich bei den Dichtern.
Es beginnt damit, wenn ich annehme, der Dichter meint mit diesem „ich“ sich selbst.

Der Dichter ist kreativ und schöpferisch, nicht nach vorgegebenen, sondern durch eigenen Genius schaffend.
Kant: „ das Genie, das der Kunst die Regel gibt“.

Die Form eines Gedichtes (als Begriff) vermag nicht der Einbildungskraft, der Sinnlichkeit zu entsprechen, wenn die Sprache nicht dem individuellen entflieht.

Ist ein Gedicht zunächst schön, hässlich oder verwirrend – das ist nur ohne Interesse.
Es verlangt der Reflexion
der Einbildungskraft
Ich muss zunächst lesen, sortieren – für Benn: Gedichte benötige ich einen Pschyremple für andere ein Botaniklexikon usw. und dann vielleicht, dann erkenne ich einige Bildflecken die ich zusammenführen kann zu etwas das mir Sinn zu geben erscheint.

Den Zusammenhang von Ethik und Ästhetik verbürgt die „freie“ Tätigkeit der Einbildungskraft.
Hierbei ist der ästhetische Blick auch auf Dinge der äußeren Welt zu richten.
Wechsel von Ich und Nicht-Ich, Subjekt und Objekt, Innere und Äußere Welt. Der Mensch, kraft seiner schöpferischen Einbildungskraft erzeugt eine Vielfalt, durch die er zum Genie wird.

Das Schöne an dem / einem Gedicht ist zunächst einmal die Abweichung.
Abweichung, die es von normaler Sprache abhebt – das hört sich gut an. – oder es erzeugt Verwirrung.
Hier muss sich intensiv mit dem Gedicht befasst werden.
Poetisches Sprechen ist unschuldig, frei pragmatisch.
Deshalb kann der Dichter schreiben, wie es seine Kreativität zulässt. Das normale Sprechen verlangt Ethik – ich meine es gibt keine Moral für das poetische Sprechen.
Das Gedicht ist nicht nur Literatur und Unterhaltung, es dient in erster Linie der Erkenntnis.
Das Gedicht unterliegt qualitativen Kriterien wie auch dem Geschmacksurteil.
Es bietet dem Konsumenten eine intersubjektive Erfahrung.

Wenn das Gedicht nur schön ist.
Die Worte bannen. Was ist noch verborgen, was ist noch ungeweckt in diesem Bann.
Auch dieses Unverständnis kann Leidenschaft wecken, wenn das Gedicht nur schön genug ist.
Der Anblick des Gedichtes ist ohne Interesse,
wenn ein Symbol oder ein Weg erkannt ist, beginnt das Arbeitsgedächtnis.
Wenn aber etwas sofort oder über die Interpretation neu erkannt ist beginnt das Feuerwerk im Gehirn.

Ästhetische Gesichtspunkte spielen für die Ethik keine Rolle

Die Lust teilt sich entweder den Sinnen oder den Reflexionsgeschmack.

Die ästhetischen Gesichtspunkte zu dem Gedicht
Todnauburg von Paul Celan:

Wir werden beim Lesen feststellen, das beim Eindringen in diesen Text wir in ein Labyrinth eindringen und uns verfangen.
Erkennen zunächst das es ein Gedicht ist, an seinem Verstext.

Die Frage lautet weiter handelt es sich hier um ein Gedicht oder um Lyrik?
Die Verskunst besteht aus Vers und Sprache.
Die Bildung eines Gedichtes ist zunächst unabhängig von Regeln.
Die Abgrenzung = "Definition" von Begriffen klärt durch ihre Abgrenzung von den anderen Begriffen.
Hierbei wird sich zeigen ob sich ein/dieses Gedicht gegen eine/die Definition/Abgrenzung, Klärung von Begriffen sträubt.
Dies stellt sich als äußerst schwierig, da sich das Gedicht nicht so ohne Weiteres
auf den einen Begriff bringen lässt.

Allein die erforderlichen Botanikkenntnisse, : ; erleichtern nicht den Einstieg in die Interpretation.

Es ist wie die Entschlüsselung einer Geheimsprache.
Wie bei der Entschlüsselung von Hieroglyphen steigt man tiefer in die Archäologie, in die Schichten des Gedichtes ein.
Wenn einem ein Gedicht gefällt, dann muss dieses einem Anderen deshalb nicht automatisch auch gefallen.
Geschmack ist subjektiv und oft eine Frage der jeweiligen Stimmung.
Wenn wir einen Wohlgefallen oder Missfallen an diesem Gedicht finden, ohne alles Interesse und dieses Gedicht so beurteilen, nennen wir dies Geschmack.

Für Kant gibt es wie er betont keine Geschmacksregel, die durch Begriffe bestimmen würde, was schön wäre.
Wenn uns das Gedicht ohne Begriff gefällt und erkannt wird, als Gedicht, so nennen wir es schön.


Literatur: Ethik der Ästhetik Akademie Verlag Christoph Wulf, Reclam Todtnauberg Celan, Interpretation Prof. Gellhaus

15.11.10 15:05

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