LYRIK POESIE DICHTUNG

Meine Community ...

Literatenwitz
Unterhalten sich zwei Gedichte. Sagt das eine: Du hast da was zwischen den Zeilen.

javascript:void(0)





















Neuer Gedichtband: Keine Genichte alles Gedichte Gedichte


Manfred H. Freude
Portrait | Werke

Keine Genichte Alles Gedichte
ISBN: 3-939144-41-X
1. Auflage Auflage 2005_12
bei Engelsdorfer Verlag

Preis: 9,40 EUR
Kaufen | LESEPROBE


Beschreibung:

Manfred H. Freude

KEINE GENICHTE
ALLES GEDICHTE






LYRIK - GEDICHTE



1 € Spende an die
Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft
„ Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
seitdem die Welt verrohte.... “


Werke von
Manfred H. Freude

Denkheft und Schriftmal - Merkwerk Gedichte
ISBN: 3-939404-67-5
1. Auflage Auflage 2006_04 bei Engelsdorfer Verlag
Preis: 9,80 EUR

Keine Genichte Alles Gedichte
ISBN: 3-939144-41-X
1. Auflage Auflage 2005_12 bei Engelsdorfer Verlag
Preis: 9,40 EUR


Treibsand und Lianen - Gedenken und Bedenken Gedichte
ISBN: 3-939404-64-0
1. Auflage Auflage 2006_04 bei Engelsdorfer Verlag
Preis: 13,00 EUR


Mallorkinische
Reise Gedichte Verlag: mb Verlag & Druck, Wallbach (CH) 2006-05
ISBN: 3-86611-189-4
MB Verlag (CH) 14,95 EUR








Gegenwartslyrik
LYRIK - GEDICHTE

Erfunden – Erinnert - Erwischt
Manfred H. Freude

Dies sind keine Gedichte
die als Gedichte kommen
und wortlos gehen
und spurlos verschwinden



KEINE GENICHTE
ALLES GEDICHTE

LYRIK - GEDICHTE

Keine Gedichte

Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
im Sprachzentrum
Nichts im Ewignichts
Gehörloses Wortspinnennetz
ohne Kopf

Dies sind keine Gedichte
gefüllter Zeilen im Trauermarsch
Schmetterlinge flattern
über den Gräbern
im Dauerschlaf
Jetzt sollst du träumen
und in Gedichte fliehen

Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
auf diesem nackten Blatt Papier
unschuldig weiß

Dies sind keine Gedichte
die als Gedichte kommen
und wortlos gehen
und spurlos verschwinden




Manfred H. Freude

KEINE GENICHTE
ALLES GEDICHTE


Gedicht an Niemand

Die Muse schweigt
die tritt vor das Gedicht
und deckt mit ihrem Schleier
und tanzt im Rausch
entflieht dem Keim
und steht am Abgrund vor der Wurzel



Manfred H. Freude
Edition FREUDE
Ich glaube an was mich zum dichten treibt im Fluss der Worte und Reime...

Manfred H. Freude

Wie könnte ich je etwas sagen, wenn ich nicht davon dichten kann; sonst würde ich ja nur davon reden.
Nur das gesprochene und das geschriebene Wort ist schlechter als das gedichtete Wort, aber das gedachte, das unausgesprochene Wort ist das stärkste!

Meine Gedichte sind reich an Anspielungen auf Mythos, Kultur und Dichtung der Jahrtausende. Sie spiegeln eine aus den Fugen geratene Welt. Unter die Haut und auf der Haut und in die Haut gehen die Worte. Hautgefühle; Aufhellen, Nachdunkeln, Eincremen der Dichterhaut.

Ich glaube an das was mich zum Dichten treibt, im Fluss der Worte und Reime... der Themen und Ideen. Es entsteht aus Vers und Rhythmus, aus Kadenz und Strophe das Gedicht. Jongliere mit Worten wie ein Straßenillusionist, der die Worte zum Himmel wirft und jongliert wie mit Seifenblasen, die zerplatzen und gleichzeitig neue gebären.
Wie der Jongleur muss ich beim Dichten müde werden, damit meine Hände allein sein können.

Sehen, hören, singen, lesen, spielen heißt für mich: ein gutes Bild (und gute Information) sehen, eine gute Musik hören, ein gutes Gedicht oder gute Zeitung lesen. Inspiration beim Schreiben/Erzählen: das Loslassen und das Festhalten. Wer nicht hören will, muss sehen / lesen.

Ich sehe mich selber als: Zeitkritiker, Postromantiker, mit Sehnsucht nach Frieden. Die Worte für ein gutes Gedicht suche ich täglich neu; in täglich neuen Versuchen und Übungen finde ich Worte, deren wahren Gehalt nur die Zeit bestätigen, bewähren kann!

Ich glaube an das was mich zum Dichten treibt.

Wenn man Gedichte liebt, so muss man als Dichterfreund nur anders interpretieren als klassisch psychoanalytisch.

Mit Philosophiestudium erwerbe ich das Wissen vom Nichtwissen und mit dem Lyrikstudium erschließt sich meine kulturelle Kompetenz ihr Selbstverständnis und die Grundlagen zu Gedichten.

Wie aber werden wir je davon erfahren, wenn nicht über das lyrische Iich des Gedichtes?

Meine Gedichte sind reich an Anspielungen auf Mythos, Kultur und Dichtung der Jahrtausende. Sie spiegeln eine aus den Fugen geratene Welt.
Unter die Haut und auf der Haut und in die Haut hinein gehen die Worte.
Hautgefühle; Aufhellen, Nachdunkeln, Eincremen der Dichterhaut, der verletzten, der geschundenen, der gekränkten, der misshandelten Haut.

Aus der Vogelperspektive betrachtet gleicht die Sprache meines Gehirns einem Labyrinth.
Folgt man dem Ariadnefaden wie dem Wasser (von seiner Quelle über Auen mäandernd, durch Wasserfälle zum Meer aufsteigend, zu den Wolken, herunterregnend auf die Berge und absinkend in deren innerste Schichten). Nur der Leser, der es zum Meer schafft, taucht ein. Es sind heute nicht mehr die leichten, sanften Dichterflüsse mit ihren breiten Ufern. Wir bewegen uns heute in extremstem Wildwasser, ohne jede Sicherheiten. Wir sind Extremsportler. Kein Floß, keine Ufer. Nur wildestes Wasser und Strudel, ja gefährliche Strudel und keine Ufer. Nur zerklüftete enge Felsschluchten. Kommen wir jemals an in ruhigen Gewässern? Wen wollen wir mit einer netten Kahnfahrt noch erreichen? Wie bei einem Computerspiel, das man bis zum höchsten Level spielt und schafft, das ist das Ziel.
Und die Gedichte sind das Wasser ( nicht die Quelle ist der Ursprung und nicht der Fluss der Lauf von den Worten ) nein die Gedichte sind der ständige Kreislauf des Wassers. Sie sind im Ursprung noch vor der Quelle tief im Grund der Berge und verdunsten zu den Wolken im Meer und regnen wieder ab über den Bergen. Ewiger Kreislauf.
Der Dichter und sein Gedicht aber sind wie ein Baum, der tief mit seinen Wurzeln das Wasser aufsaugt.

Die Dichter fügen ihre Wortsammlungen zusammen zu endlosen Romanen.
Sie wollen mehr gelesen sein.
Ein schönes Goethe-Wort. Wollen wir geistig weiterfliegen oder wollen wir nur die Zeit totschlagen?
Die ewige Langeweile. Fliehen vor der Realität.
Aber ist das, was der Dichter schreibt nicht Realität? Geht der Leser nicht davon aus, das der Dichter die Wahrheit schreibt?
Verbreitet der Leser nicht das Wort: „Es steht geschrieben.“
Was steht nicht alles geschrieben: Thesen und Gegenthesen.
Und all die schönen Einbände. Wer braucht da noch schöne Worte?

Und der Poet, der Große, mit seinen langen Balladen und seinen ewiglangen Elegien alles für die Bücherwand. Wunderschöne Exemplare in Golddruck.
Und das kurze Gedicht, diese schönen Worte? Ja es gibt sie aber sie sind so schnell gelesen und so schnell vergessen, sie fliehen und fliegen.

„Es sind keine Waffen denn diese Sprache“. So möchte ich das Verständnis für meine Gedichte ausgedrückt wissen. Diese Sprache jedoch wurzelt in der Erfahrung, in der Moral, in den Grundlagen meiner Selbstrefflektion. Wie könnte ich je etwas sagen, wenn ich nicht davon dichten kann; sonst würde ich ja nur davon reden.
Nur das gesprochene und das geschriebene Wort ist schlechter als das gedichtete Wort. Aber das gedachte, das unausgesprochene Wort bleibt das stärkste!
Wie aber werden wir je davon erfahren wenn nicht über das lyrische Ich der Dichter?

Meine Lyrik ist kein Glück
sondern sublimer Ekel.

(Meine Lyrik = suprematismus (= das Höchste) Freud; Houllebecq: ist kein Glück; = sublimer Ekel (erhabener Ekel) Nietzsche)
Die Prosa wirft wie die Aristokratie in Frankreich am Anfang der Revolution (Nietzsche) „mit sublimem Ekel ihre Privilegien weg“ gibt Schritt für Schritt ihre herrschaftlichen Befugnisse ab.

Was bleibt und was wird ist Erhaben sublim suprem das Höchste, besser, leichter, südlicher, sonnenhafter (Nietzsche). Prosa ist von der Natur, eine Macht, die über uns keine Gewalt hat, und so dynamisch erhaben ist, im Kantischen Sinn.

Personen als Geschlechtsorgane. Ich sage ja: meine Lyrik ist das Höchste, ist Suprematismus „die Umwandlung des unbefriedigten Geschlechttriebs in geistiger Leistung im echten Freudschen Sinne.

Diese Gedichte fliehen und fliegen!

Und das Gedicht, diese schönen Worte?
Ja es gibt sie aber sie sind so schnell gelesen
und so schnell vergessen, sie fliehen und fliegen.



1) Die leeren Blätter
2) Anleitung: wie ich dichte
3) Augenblick
4) Das frische Jahr
5) Ende der Harmonien
6) Schwarze Augen
7) Spiegelbild - Trennung
8) Tango
9) Tödlicher Frieden
10) Zeiten
11) Aus Schmerz
12) Mythos von Sisyphos
13) Schrei den Tod vom Leib
14) Weinen der leidenden Sonne
15) Blutende Leiden Passion
16) Fern Seh Welt
17) Gemeinsamer Wortwechsel
18) Literarischer Ort - Dichtergasse
19) Nachgeburt
20) Riesenroter Mond der aufstieg
21) Schöne Kriegsbilder
22) Morgue
23) Still ein Blatt
24) Ein Wort
25) Adieu
26) Am Gitter
27) Einsamer Nie
28) Für die Menschen sprechen
29) Gewalt
30) Plastikblumen
31) Stehe nicht
32) Wirklichkeitsgleichnis
33) Alte Stunden
34) Frag mich im August
35) Himmelsworte
36) Hybride
37) Hör noch
38) Mediterranes
39) Schönste Afrika 40) Süße Honigmilch
41) Texte wachsen
42) Was der toten Gedichte
43) Cielo himmelsblau
44) Dvorak Messe in D
45) Fraglos
46) Kämest du wieder
47) Keine Gedichte
48) Narrativ; kennt jeder
49) Kindergarten
50) Leser
51) Liebe du weißt
52) Meiner Schreibe
53) Scheinheilig vergangen
54) Schöpferstunde
55) Unvergleichlich
56) Würgen
57) Aachen, am Hof
58) Du liest mein Gedicht
59) Eiskalt
60) Ich tauche auf aus Niemandsschichten
61) Nahe dem Ufer liegt die Droste
62) Nichts
63) Nur im harten Sturmwind
64) Warum du?




Die leeren Blätter

Die leeren Blätter,
werden wir sie jemals beschreiben?

Die leeren Leinwände,
werde wir sie füllen?

Werden wir die Felsen sprengen,
um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

Den letzten Baum?
Werden wir ihn umholzen?
Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

Wenn wir endlich dem Wahnsinn verfallen sind.
Wenn wir unser Genie überwunden,
sind alle Blätter beschrieben,
alle Leinwände bemalt,
alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer geschnitzt.

Dann werden wir nur noch unsere Werke signieren.

Und unsere Zeichen in die Welt senden: gezeichnet
und unsere Unterschrift hinzufügen,

auf leere Blätter,
auf leere Leinwände,
wie Verliebte in Bäume ritzen und
wie unsere Steinzeitvorfahren auf Felsen spucken.

Nur unsere Unterschrift.
Das wird alles sein was uns ausmacht.









Anleitung: wie ich dichte.

ich such den Punkt an meiner Stirn
und denk dahinter wäre Gehirn
dann meditier ich, schließ die Lider
und find mich bei den Füßen wieder
fängt die Erde an zu beben
entsteht um mir neues Leben
plötzlich wird mir eisig kalt
ein Pflänzlein
dringt durch den Asphalt
ich stehe da von allen Sinnen
und das Dichten kann beginnen
Eins, Zwei, Drei, ein kleiner Keim
dieses war der erste Reim
ob ich stehe oder sitz
warte auf den Geistesblitz
so als würde es gleich kommen
wird es wieder weggenommen
versuch es doch mal aus dem Bauch
glaube manchmal das geht auch
plötzlich hab ich es erfasst
und freue mich dass alles passt
mir kommt nur etwas in den Sinn
und alles weitere fließt dahin
ich stehe da als Geistes Wesen
und bin bereit es vorzulesen.






Augenblick


Die Kunst bewahre ich im Auge
das ich ausreiße
für die Musik der Realität
und Wirklichkeit.

Die Schatten der leeren Flächen
signiere ich.
den Augenblick
im Namen der Kunst.

Wenn keiner kommt
und alles abgehängt
öffne ich die Tore
der Tempel, für alle Staunenden.










DAS FRISCHE JAHR

so nah kommt schon die Zeit
so nah zum greifen bald
das vertraute Jahr ist fast schon kalt

die Hand die ausgedehnt
die Hand trägt schwarze Stätten
das Glied ist krumm von Gicht und weist

den Fuß der kaum gesetzt voran
den letzten Schritt der jetzt noch fehlt
berühren das Alte abzuschließen

der Schwung hat den Scheitel schon gereckt
der kleine Schopf bereit und auch das Maul
noch los zu schreien ehe das frische Jahr eröffnet

nur ein paar Augenblicke noch
nur ab und an ein lauter Knall
die Luft ist zum Erbrechen Klar

dem gewohnten Jahr fehlt jedes Haar
dem vertrauten Jahr fehlt jeder Zahn
und tief geneigt drängt es zum Schluss

die Zeit sie brennt nun stillzustehen
die Zeit drängt immer fortzuschreiten
das frische Jahr es wartet nicht

das neue Jahr es steht schon klar
das frische Jahr klatscht einfach ab
Cool Alter,, und frohes frisches Jahr “.






ENDE der Harmonien

Bild der Stille
schreibt dunkel
den Ton
auf fallende Herbstblätter
die schreien in Trommelfelle
bevor sie das Moos ergreifen.

Und der Wald erzittert.
Ohne Grund fliehen Tiere wild,
gestört in Städte,
in vergitterte Räume der Menagerien
in Museen der Angst.

Ohne Tänzer und ohne Strom
erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.
Beenden die erloschenen Projektoren
die Vorführung.




Schwarze Augen

Schwarz und abgrundtief
entdeckt von rätselhaften Lichtern
siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

See der leer vom dunklen Harz genommen
noch tiefer du je in dich gestaunt
ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

Erblickt wird nicht das Herzweh
noch das Blut des wilden Pferdes
nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

Licht aus Süden kannst du durchschauen
in tanzenden Augen voll Flamenco
und Tarantella.
Wo Blicke verwunden sticht
dein Blick den Tod.




Spiegelbild

Sehe
im Fenster
ein verkehrtes Bild
und beobachte
durch Glas und Unbild
getrennt vom
Davor, bestimmt
Nichts anderes
als Ich;
fühle,
Stille
dazwischen.






Trennung

erblicke
im Fenster
ein Spiegelbild
und sehe
durch Glas
und Spiegelbild
getrennt vom
davor
tatsächlich nichts
anderes
als ich berühre


Tango


Tango tanz ich mit mir selber.
Der Geiger stimmt den ersten Ton.
Die Dame wartet auf den Einsatz
der Boden wurde frisch gebohnert
und vom Plafond kracht blank der Lüster.

So tanz ich; als wär´s der Letzte.
Ein kurzer Augenblick;
Sie führt, ich stech.
Gib mir noch ein paar Sekunden
es eine Ewigkeit zu kosten.

Der Tango ist schon lang getanzt
ich steh auf und geh zum Fenster.
Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!
Und lass das Licht allein dem Saal.




TÖDLICHER FRIEDEN

tödlicher Frieden der tauben Panzer
die rollen und rollen
nicht wissend wohin noch woher

und in den Straßen
und auf den Plätzen
spielen die Kinder der Landser
mit Holzpferden und Steinkreuzen

Die Armen und die Doofen sind geblieben
die Anderen zog es zum Meer
wo man den Horizont noch sieht
den Horizont der einem so fehlt

Ihr Lacher lacht noch lächerlicher
glaubt weil ihr im Blut gebadet
ganz getaucht in schwarzem Blut
ihr wäret unverwundbar wunderbar

Hört ihr nicht die Wellen rufen singend
seht ihr nicht die Wälder brennen fressend
warum schweiget ihr noch
die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten



Zeiten

Der Morgen war
wo der Frühling
sang am Mittag
lebte es
den Sommer - Tanz
kein Abend
weiß schon
was Herbst vermag
die Nacht ist still,
allein im Winter – erinnert –
der Schlaf:
erträumt den Tod,
voraus.





AUS SCHMERZ

schwarze Tulpen auf weißem Grund
schreien aus dem rahmenlosen Bild
aus Schmerz der gebärenden Welt
Schattenlos werfen sie graue Blätter
auf das leichenweiße Tuch
über dem Abgrund
des Tischrandes hinaus

mich ekelt
die Schlange frisst sich
aus Schmerz





Mythos von Sisyphos
- der wahre philosophische Akt –


Leichte Todsünde im Schatten
des Lebens das wert ist
zu leben oder nicht

den rock´n roll zu hassen
der Lust des Wahns
einmal das Fruchtwasser zu durchschwimmen

und an das ENDE zu kommen






Schrei den Tod vom Leib
Der Schrei der tiefer
sitzt noch als die Brust
so tief im Genitalbereich
mit einer Hand

die Andere fortgestreckt
die Hilfe greifend
wo Hilfe die nicht da
weil es allein im Schmerz

den Kopf zum Nacken
eingeknickt und hoch
so vor der Brust zum Hals
die Adern schwellen

Gesicht verzerrt
die hübschen Augen fest geschlossen
die Haare wild und wirr
die Nase mittendrin

der Schmerz sitzt fest
und will und muss
heraus und mit ihm
alles Gedärm


und Herz und Leber
Lunge Nieren Magen
nicht vergessen alles
was dazu und drin

wo nur der Klagejammer
kann nicht kommen
lautloser Aufschrei
aus Weitgerissenem Maul

das weit genug
die ganze Erde auszuspeien
auf ein einziges Mal
obgleich es geht doch nicht

denn nichts geschieht
und keine Hilfe naht
armer Mensch in seiner Not
ach wäre er doch

o Herr vergib Maria hilf
wie weh ist uns
schrei nicht und bleib
die Hände zu Kreuz

gewinkelt noch
vor seinem Busen offenleer
so schreit es hier
den Tod vom Leib





WEINEN DER LEIDENDEN SONNE


Weinen der leidenden Sonne
halten wir nicht mehr auf
es streifen ihre Tränen
noch immer unsere inneren Schichten

Weint sich bedeutungsvolle Löcher
in ihr ausgefülltes goldenes Gesicht
es gibt keine Worte für Dichter
zu trösten und ihr Leiden zu hindern

Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel
Sandwüsten inmitten sengender Hitze
laden die Sonne auf die Postkarten
unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

Weinen der altersschwachen Sonne
halten wir nicht mehr auf
wie tief geht noch unsere Trauer
wenn wir uns nicht mehr offen zeigen




BLUTENDE LEIDEN PASSION

In Ansicht des Blutes
rücken wir enger zusammen
öffnen die Wasserhähne
spülen das Blut in die Abflüsse

Die offenen Wunden können wir nicht stillen
die Zeichen der Stigmata nicht verbinden
aus den Augen fließt das Blut
die Hände und Füße schmerzen

Kriege brennen sich in unser Fleisch
bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen
von hohen Bergen überblicken wir alles
und erhalten die neuen Gebote

In Ansicht des Blutes
rücken wir enger zusammen
wir nehmen jedes Opfer an
auch das Blut aller Bäume

Die geköpften Hähne
die zerrissenen Tauben
die geknickten Zweige
bluten für den Frieden

ohne das blutende Leiden
fehlen uns die Symbole
die uns als Menschen
Zusammen führen im Blut!




FERN SEH WELT

Hänge am Fenster zur Welt
die mir berichtet
Rund um die Uhr
mit Werbeunterbrechung
so fern zu sehen
höre vom Neuesten
aus aller Welt
immer dabei Krieg
das Neueste vom Tage
Aktuell am Zeitgeschehen
Sieger und Verlierer
auf der Fensterbank
betrachte die Nachbarn
Kommen und gehen
über alle Sender
was können wir noch sehen
was kann man uns noch zeigen
NEUES folgt nach
dem Testbild
mit Musik
das Wetter



GEMEINSAMER WORTWECHSEL


Siehst Du: die ganzen Jahre
in denen wir versuchten
gemeinsam Schritt zu halten
mit den übrigen Menschen
Haben wir kein Wort gewechselt
Kein Wort: jedenfalls kein solches Wort
was nicht führte zu einem weiteren
Schritt, der uns weiterführte
weiter in Gedanken und
in den Pfaden die vor uns
eingetreten von den Menschentieren
die uns vorangingen und
die noch Wussten –
die noch die Regeln kannten
vom Wissen das schon lange verbrannt
in Alexandria in Peking
unwiederbringlich verloren
so verloren wie wir
wenn wir nicht bald den Schritt finden
der uns weiterführt
Nur ein Schritt
der uns weiterführt
warte noch, mache nicht den
nächsten Schritt:
in den Abgrund


Literarischer Ort
DICHTERGASSE

Im Inneren des Ortes
fern aller leeren Worte
stehen die Wände dichter.

Kann ein Wort entkommen?
Ein Vers, ein ganzer Satz: -
hinaustreten auf den Platz?

Aus allen Eingängen
betreten die Bilder die Ebene,
ziehen mit Rhythmus und Klang.

Die Stätte dieses heiligen Ortes
weiht der Dichtung eine Gasse.
Kein Wort bleibt Alleine!



NACHGEBURT
(Hommage an Franz V.)

Gehasste Liebe Den Nachgeburten
Verbrannt und weggeworfen in den Müll
den Tieren dort im Zoo zum Fraße hingeworfen
und um so sehr vermisst es fehlt
ein Teil von mir das ich’s vermiss
vom Leben nur ein Teil vom Tod
und doch so jäh entrissen wie ich
dem Mutterleib mit einer Spachtel ausgekratzt

wohin bist du gegangen in der Frühe
Bruder oder soll ich sagen Schwester
hätt man zumindest dich mir eingepackt und beigegeben
und legte dann in Windeln fein
zu Hause dich in einen Reliquienschrein
so wie die Kirche es tat ein Leben lang
so schön auf einer schönen Bank
und auch ein Teil der Nabelschnur dabei
sollt nicht als Schlange weiterleben
um mir zu zeigen manchen Weg
An mancher Gabel angekommen wusste nicht wohin

Ihr sollt mich führen habt mir gefehlt
und bleibt mir lebenslang so groß
gehasste Liebe den Nachgeburten
verbrannt und weggeworfen in den Müll
und dann zum Himmel aufgestiegen
oder geradewegs in die Höll wohin ich folg

Ach, hätt ich euch doch hier bei mir
in mancher schweren Stunde Hilf
so könnte ich die falschen Wege mir ersparen
und hätt noch Zeit zum Beten
zum Lernen und zum Klagen von dies und das

Aber muss es nehmen wie es ist
den anderen will’s auch nit besser gehen
das Leben treibt sie so dahin
und können auch den Halt nicht finden

Es hilft wohl hier sehr wenig
wenn ich zeige wie ich leide
so bittre Qualen mich hier in Gedanken treiben
und all der weil den Lustigen spiele
der stets vergnügt dem nichts zu viel
wenn andere ebenso lustig und vergnügt
Anderen in die Tasche greifen
und haben dazu auch noch ihren Spaß
und sie sind auch doch nur ein Stück von denen
tragen sie denn nicht wie ich
gehasste Liebe den Nachgeburten
verbrannt und weggeworfen in den Müll

Auch ich hab einst gefeiert TRALALA
getanzt gesungen auf den Tischen
als ich die Nacht zum Tag gemacht
hab nicht gefragt ob du mir fehlst
vielleicht warst du auch nah dabei
hast selbst in manchem Bett gelegen
und konntest mir selber sagen
was gut und richtig sei

Doch wie war es damals aus dem Mutterleib
als wir so jäh getrennt
Es hat halt nicht sollen sein
und trotzdem grüß ich dich im nachhinein
so mach es gut man sieht sich sicher wieder
so dann wenn das Fleisch zum Fleische kommt






Riesenroter Mond der aufstieg

Riesenroter Mond der aufstieg
brennend mit leidenschaftlichen Küssen
begrüßt rotes Kalkweißgesicht pausbäckig
Kinderträume fliehen in glühende Himmel
Lila Kühe auf goldenen Wolken
Berge so flach wie Gedanken
und Meer so steil wie Wünsche

Sonne Mond und Sterne wahren Geheimnisse
im Nachtdunklen des Alls
so verliebt in träumende Galaxien
wie können wir die neuen Straßen finden
so zwischen den Gestirnen
bei welchem Stern kann man noch landen
mit Flöten auf den Lippen

Der Weg ist vorgezeichnet programmiert
die Erde reicht uns lang nicht mehr
wir greifen mit der Hand nach Sternen
und auch im Kopf schwirrt`s hin und her
und liegen doch auf unserer Wiese
die Blume steckt noch keck im Mund
wir bleiben wo wir sind





SCHÖNE KRIEGSBILDER
sind die blicke der menschen vergeblich gestorben
wenn sie trafen mit kameras stafeleien und bleistiften
kommentatoren des elends
war es das wert das sie stinken schreien starben
von hass fieber liebe und tod
vor unseren bildern die wir als erste bewahrten

bilder von amateuren des abenteuerurlaubs
bilder der skelette aus afrika
bilder der sexopfer aus asien
seht schaut die ansehnlichsten gewaltigsten bilder
bei häppchen und perlwein zu vernissagen

malen wir den sterbenden christus mit aller grausamkeit
auf die leinenwände der t-shirts
es ist nicht vergeblich gestorben worden
wie die skelette und die sexopfer
nicht vergeblich gestorben sind-: un-menschlich

in unseren augen-: die viel ertragen
morgen tanzen wir auf den schlachtfeldern
und die neuen tempel bauen wir auf den gräbern

wenn unsere augen am elend erstarren
erstarrt auch das unmenschliche
das schöne



Morgue

-Leichenschauhaus-


So kalt wenn draußen brennt das Licht
so drinnen tief das Leben bricht
die Kühlung lässt das starre Fleisch
nur noch notiert
sind allesamt gleich

so frostig geschlossen liegt im Lot
so still und ruhig weiht der Tod
den Frieden der nun eingetroffen
er geht vorbei
er lässt das Hoffen

so ist die Nacht wie Tag so hell
so wird der Wind von Nebel feucht
die Stille die den Atem löscht
sie greift die Hand
sie stärkt den Arm

so fühlt der Anfang noch das Ende
so weiß der Schluss wie es begann
das frühe Licht wirft weite Schatten
es ist vollbracht
lasst es geschehen




Still ein Blatt

Der Morgen beginnt
wacht auf Vögel singt:
mein Bruder Wels
schläft tief.
Wie ich die Sonne rief
fiel still ein Blatt
im Wind
sei stets gegrüßt,
mein Kind.



Ein Wort


Es schlug ein Meister
ein Wort in den Leib
Seine Injektion
treibt er fein
in die Ader des Blattes ein
nicht ohne Sinn kein Schrei

Es schlug ein Gärtner
ein Wort in das Feld
wie schnell es spross
das satte grün
Zum Winter wuchs ein weißer Baum
bis alles Gras darüber war



ADIEU


DEINE Hand, die eben ich noch hielt
die zogst du fort, für immer
gingst den letzten Weg alleine

Verzeih mir, vieles wollte ich noch sagen
vergessen ist das letzte böse Wort
doch das blieb stehen in der Welt
und ist noch nicht zurückgenommen

Dein letztes Wort: mach´s gut
das du mir gabst als letzten Gruß
gab ich zurück dir, als du schliefst

Ich weiß, nun bist du fort von hier
doch weiter trag ich dich in mir
und nimm dich mit durchs Leben
Am Gitter

Kunstmenschen wie wir
Beim Spielende
Glattrasiert und Schön
Fluchen den harten Tag
Verbittert am Gitter
Kennend die gleiche Wahrheit
Während wir alles Richtig machen
Wählen wir die Worte
Vor dem Altar



Einsamer Nie

Wie einsam und verlassen
so einsam hängt die volle Brust
und immer einsam stirbt die Lust
einmal lieben oder hassen

Einsam liegt der kalte Leich
doch so einsam ist die Reise
und im Kühlhaus ist es leise
noch so jung und Fell so weich

Versenkt im Hause wohnt ein Genie
sucht die Unzugängliche zu finden
Einsamer will die Einsame
in Irgendwer ständig in der Ecke




Für die Menschen sprechen

Für die Menschen sprechen -
die Stimmen der Sprachlosen
der Stummen
die wortlosen Schweiger
wie die mundlosen Gesichter

für die Menschen sprechen –
die bodenlos am Abgrund stehenden
der Verlierer
die nicht über Wasser gehenden
stehen bis zum Hals im Fluss

für die Menschen sprechen –
als Sprecher der verfolgten
der Entleibten
aus Käfigen der Schädelgebeine
denen das Wort wortlos entzogen



Gewalt

Du und ich, wir beide
haben gelernt vom Reden und Schreiben
mit unserer Sprache zu zeichnen

Wir beide wissen von den Ansprüchen
wenn wir den Mund öffnen
können nicht: nicht antworten

wenn wir mit den Worten verwunden
mit unseren Zungen züchtigen
mit der infektiösen Rolle der Sprache

Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
Wenn wir den Mund auftun
und uns der Schrei des Opfers verfolgt

Rechtfertigen mit unserem Schreiben
und begeben uns in Komplizenschaft
Wir trennen uns von den Barbaren











Plastikblumen

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
Das Auge schreibt die Textanalyse
ordnet die Teile des Erbrochenen
auf der Suche nach Sprache
zu gemachten Formen

Der Torso ist keine Natur
der Garten ist keine Kunst
Arkantus, Bärenklau und Lotus sind Formen
ein Bild heißt unzählige Worte

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
Das Auge hat notiert; das Auge hat fotografiert
und ohne die Nuancen -
am Ende ist der Mensch
der Mensch ist; mit seiner Kunst am Ende

so schaffen wir die Schöpfung neu
so schaffen wir die Kunst, der Schöpfung
und ohne Schöpfer schöpfen
uns selbst am Schopf aus dieser Schöpfung

Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
was welkt, was erbricht
schön und erhaben, erhaben und schön
so stehen wir hier: und staunen




Stehe nicht

Ich steh am Abend
und höre nicht
Ich steh in der Nacht
und sehe nicht
Ich steh am Tag
und glaube nicht
Ich stehe im Traum
und weiß

Lege mich hin und schlafe.
In des Augen Blick



Wirklichkeitsgleichnis

Bewusstlos trat ich in den großen Raum und nehme Platz
Falle in die bequemen Sitze zum Träumen
Den Traum den ich durch einen Spalt betrat
Hab ich mit Neugier und mit Münze bezahlt

Schon erscheinen an den Wänden die flackernden Bilder
Steige ich sofort ein in die bewegten Bilder
Das Auge gebiert die Bilder sofort
Geblendet von der Schönheit der Realität

Nicht täuschend lassen erkenne ich den Raum
Es bleiben an den Wänden die wahren Bilder
Begreife ich die Realität meines Sitzplatzes
Und lasse Bilder an mir vorüberziehen

Mit allem Wissen meiner Wirklichkeiten
Verlasse ich nun den geschlossenen Raum
Und ist eins mit den objektiven Bildern
Die mich hinaustragen in meine Eigene Welt

Der Natur gegenüber bleibt der Gedanke dunkel
Täuschen wir uns nicht, spätestens wenn wir erkennen
Wenn wir nur den eigenen Leib erkennen
Und für immer schweigen könnten







Alte Stunden

Irgendwann
Wenn wir die alten Stunden und
das hermetische Poem
durchbrochen haben
zu entfliehenden Träumen der Realitäten
finden wir keine Titel für unsere Bilder
Wenn unsere Antitexte gebären
neue Begriffskräfte
Unsere Einbildungen sichtbar zu machen
Beginnen die neuen Zeiträume
Die Alten Reime gehen vorbei
Im Geschlossenen Verborgenbleiben
auch die junge Metapher von Morgen
Irgendwann ertrinkt der Hochgefluchte Tag im Nichts
- ich liebe jeden Tag der mir verflucht-
und wenn ich schrieb wie schön doch alles
ich glaub ich müsste mich erbrechen



Frag mich im August

Frag mich im August
Sommerende, im letzten Sonnenblick.
Ich war nie fort
wie Schnee und Eis
meine Haut im Sommerwind

Groß ist der Himmel im Goldfischglas
immer neue Inseln ohne Land
Frag mich im August
Das Gute ist so winzig
nur was Schlecht ist das bleibt groß.

Jede Pore stürmt
meine Haut im Sommerwind
Frag mich im August
ich war nie fort
und war einsam und allein unter den Menschen

Noch spurt der Sommer
Alles bleibt Erinnern
Frag mich im August
Wartend, wie Wind und Wolken
meine Haut im Sommerwind

Spiel ich noch einmal mit den Schlangen
und singe den bodenlosen Ton mit allen
Welche Nachricht bringt der Dornenvogel
an diesen Sommer, Nur Erinnern.
Frag mich im August





Himmelsworte

Gemalte Fensterscheiben scheinen
wie Himmelsworte bei Sonnenlicht
Spiegeln Töne auf Betbänken

Zeilenweise abzulesen
im goldenen Kirchenschiff
im Monstranzenschein

Gemalte Worte eingeschlossen
in gesegneten Tabernakeln
Betgedichte hermetische

Wehe, wehe
eins entkommt dem Kirchenraum
zur Kirchentür hinaus

Wie viele Kerzen müssten wir verbrennen
um ein entflohenes
zu bekehren






Hybride

Die weiße Orchidee ist eine Blume
ein Stern im Wasserglas
und Feuer brennen in den Tonnen

Hinter den regennassen Fenstern
tropfen die Schwarzweißbilder zerstört
und Glut brodelt in den Kratern

Die Liebe drängt zwischen den Phrasen
wie Blüten zwischen dem Fels
wie Schafe zwischen den Fronten

Die weiße Orchidee ist eine Blume
ein Stern im Wasserglas
der weint, wo längst keine Träne mehr



Hör noch

Nicht abzuschalten hören eure Ohren
Noch immer – Immerzu Noch
Ohren die alle Töne finden im Schneckenreich
Auch wenn die Worte
stumm und leer und still

So müssen alle Ohren weiterhören
Wenn sich die Augen schon
zum Schlaf gelegt
Wenn Flurnachbarn noch Feste feiern
Auch wer nicht will der hört noch mit

Kalt schlägt der Ton den Hammer Amboss
Auch wer nicht hören will der muss erlöschen
Wenn wir im Parlatorium noch Worte zählen
Hermetisch schließt das Totengedicht



Mediterranes

Verwässert sind die alten Quellen
Zu viele sind den alten Text durchfahren
und tranken von dem inneren Quell
der das Geflecht von neuem speist

Verdunkelt ist der alte Sternenhimmel
der stets die Ausfahrt und die Ankunft hat geleitet
den wir betrachtet schlafend am Olivenbaum
den Ort an dem die Fahrten wir geträumt

Es ist nicht leicht auf hoher See der Spur der Schiffe folgend
die gleiche Spur die sich in Räumen eingeschrieben
die neu durchmessen belichtet und erfahren
mit unseren Augenlichtern in die Wasser eingeritzt




Schönste Afrika

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
es brennt und brennt und brennt
mein makelvoller Körper
Dein Stolz mit wehendem Gewand wie
Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich
Bleib diese Nacht und auch die Anderen
Im Dunkel meines Herzens
werde ich weinen um dich
und früh die Milch von deinen Lippen trinken

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
Es brennt und brennt und brennt
Mein unheilbares Herz in Tränentrauer
Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen
Wann werd ich ruhen noch dort schlafen
Die Schatten die dein Land bedeckt
In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden
Barfuss wie sie gekommen waren

Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
Es brennt und brennt und brennt
Ich höre deine Trommelschläge rufen
Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen
Von den Palmen die du einst gepflanzt
Fallen die Worte wie reife Nüsse
Es brennt jedes Zitat und schmerzt
Es ist dein eigener Kelch
Du schaffst dir selber deine Qualen




Süße Honigmilch

trinken und trinken und trinken
aus deinen schwarzen Kalebassen
die süße Honigmilch Afrikas
Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen
Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge
Schicke deine Kläffer zu den Kühen

trinken und trinken und trinken
aus deiner jungen schwarzen Milch
der süßen Quelle die mein Gedicht
Am Abend wenn du spielst das Spiel
werde ich schreien in die Nacht
bis der Panther lauscht
Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch

trinken und trinken und trinken
aus deinen schwarzen Kalebassen
den öligen Saft deiner Haut
den Saft deiner süßen Frucht
Die reif ist wie dein duftender Körper
der meine Augenlichter jeden Tag versüßt
Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein




Texte wachsen

Ich weiß nicht ob die Texte wachsen
Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren
werden, gerade aus der Pflanze wachsen
wie leer ist doch ein Blatt und aderlos

Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.
Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr
Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich
Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt
das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.

Es reicht nicht an das heilige Wort heran
vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.
Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar
höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen
Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.


Was der Toten Gedichte

und trete ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei
was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN

die lebenden haben doch ohnehin keine zeit
nur die toten sind noch an Gedichten interessiert
die toten nehmen sich noch zeit
aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen
und tragen ihre Schatten zur Kunst

und tret ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei

tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend
nur dort kommen die besten Gedichte zusammen
lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten
und aus den tiefen hören wir die stimmen
die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß

und tret ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei
was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden





CIELO himmelsblau


Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht
den ewig hohen den unendlich blauen
Es sind schon viele aufgefahren
und kamen nicht zurück
und auch die untergingen fielen tief.

Wer sucht schon selbst den Himmel aus
der ständig weint und brüllt
und wenn er schlägt mit seinem Zorn
Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?


Nur an den Straßen gibt es Halt
doch warten wir doch vergebens oft
Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

Ich bin nicht unter diesem Himmel
Ich bin nicht unter diesem Blau
Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern




DVORAK Messe in D

Vom Kyrie Eleison bis Pacem
klagen wir betrübt das Göttliche
in die blühenden Töne

Weiterblättern zwischen Dornen
Schöpfen den Fluss
die harten Balken zu tränken
Wie schön die alte Orgel erblüht.

Im Segen des Gesangs steigen die Töne
Zwischen den Zeilen
Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom
Lasst noch einmal klingen MOLL

Wenn aber die Glocken läuten
in den Himmeln des Agnus Dei
Fallen Menschen auf die Knie.
Wie Engelschweben

Es ist kein Ton zuviel im Raum
Klagen wir betrübt das Göttliche
in die blühenden Töne.

Fraglos


Fraglos – Fraglos die
stummen Zeiten still
und wortlos
keine Antwort

Ungefragte Fraglos -
Stille, Atemräume
Fragloshauch im
Kältenebel sichtbar
Kein Ton atmet, Atemlos
ein und aus im Stimmenhauch
nur Gurgeln, Stammeln,
Stimmlos – Stimmlos
Fraglos



Kämest du wieder


Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages
die von Westen nach Osten fliegt
Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen
im frühen September eines schönen Tages


Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen
unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch
Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern
Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer


Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages
du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue
ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld


Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst
und nie mehr gehen von diesem Platz
Mein Herz stand über dir es war die Sonne

Keine Gedichte

Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
im Sprachzentrum
Nichts im Ewignichts
Gehörloses Wortspinnennetz
ohne Kopf

Dies sind keine Gedichte
gefüllter Zeilen im Trauermarsch
Schmetterlinge flattern
über den Gräbern
im Dauerschlaf
Jetzt sollst du träumen
und in Gedichte fliehen

Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
auf diesem nackten Blatt Papier
unschuldig weiß

Dies sind keine Gedichte
die als Gedichte kommen
und wortlos gehen
und spurlos verschwinden



Narrativ kennt jeder

Narrativ
der Kulturkreis –
kennt jeder
das Allgemeine
das Erzählerische Wissen –
kennt jeder
aber
das wissenschaftliche
Wissen
das Wissenschaftliche,
beschäftigt die Mathematik
Zusammenhänge der Natur
theoretisch
sehr theoretisch
kennt jeder









Kindergarten 1953

Die kleinen Klapperschlangen spielten
hinter dem Strich der Reformation
Wir aber trugen Hirschleder
ohne wenn und aber

alles mit Jesulein und Ave Maria
gab’s Prügel auf dem Schulhof
hinter der Linie
bis aufs Blut

Viel Schlimmeres
Prügelstöcke nach verlorenem Krieg

das Schlimmste -:
Kakaogeld vergessen
alles Jesulein und Ave Maria
wenn sich die Klapperschlangen drehten
gab’s Nachsitzen
Kein Vergnügen
Selbst Spielen war Ernst

Aber heute noch sehe ich wie
die kleinen Klapperschlangen spielten


Leser

Wir, die Lesenden, kennen die Welt
die verkehrte Welt
nur aus unseren Büchern.
Wir, lesen doch mit beiden Augen
und leben doch in anderen Welten.
Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN

Wir, die Lesenden, kennen die Welt
nur von den Hörenden
erfahren sie
vergänglich und flüchtig
teilen wir uns alles mit
Was schon immer doppelt vorhanden

Wir, die Lesenden, kennen die Welt
Hier, nicht ohne den Unterschied
Wann und wo wir hinausgehen
von Innen nach Außen
entsteigt unser Gedicht
Dunkel dem Licht




Liebe, du weißt....

mein Herz fiel, noch ehe es geöffnet
brennt nun auf kaltem Marmor
der in der Röte wunder Rosen
mein Herz tötet, noch ehe es spricht.

mein Herz zerfloss ehe es geschöpft,
fließt nun hinauf in die Schöße
der sich ewig Liebenden
Mein Herz ertrinkt, ehe es geatmet


Wo sind die Töne die erklangen
in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag
als wir uns liebten,

Wo sind die Schreie die erklangen
in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag
als unsere Liebe entbrannte. Du weißt.





Meiner Schreibe

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf
Du, schreibst in diesen Gedanken dir
Dein Wort unter unserem Himmel.
Komm, komm, hilf mir den Text verschieben

Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf
Dir gefällt nicht dieser Text der dich beschreibt
Du glaubst mir das er unbedeutend
und sich entfaltet so wie du am Abend

Ach, wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben
Wort für Wort und Wort
wird meine Zunge deine Reden schreiben

Ach wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben
Wort für Wort und Wort
und meine gebrochenen Augen von dir lesen.




Scheinheilig vergangen

Ich fühle die Worte nicht
es ist kein Gefühl für Sätze
weiche und narbte Worte
stoßen sich ab

Wie Wasser von herzem Stein
Wie Wasser von Blau, Genau

Ich fühle die Worte nicht
im immer Stromauf - Lachsgleich

die Worte zu Götterhöhe,
Trinke auf halbem Wege
aus dem bitteren Brunnen - scheinheilig

Ich fühle die Worte nicht
es ist kein Gefühl für Sätze
bei den Quellen vergangen




Schöpfungsstunde


Nun kommt die Stunde
in der die Worte aufgestiegen
heraufgeworfen
waren da,
wo vorher nichts
von ihnen war

Doch,
als der Dämmerzustand
endete
Da war ich leer und hungernd,
taumelnd













Unvergleichlich
- mit Roger Willemsen und
Benjamin von Stuckrad-Barre -

Alles unvergleichlich wie man nachsagt
aber was soll´s?
Alles unvergleichlich
Nicht mit diesem Roger Willemsen
und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre
Kein Vergleich
alles unter den Schein Werfern
Glücklos, trostlos, langweilig
Wir haben uns nie geliebt
Niemals
aber unser Publikum lacht
über alles über jeden über all
wie über den Clown der sich bald
den Hals bricht.
alles unvergleichlich wie man nachsagt,
aber was soll´s?
Alles über Allem wird schwer und
Alles wird schwer über uns
Nicht mit diesem Roger Willemsen
und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre
vergleichbar
vielleicht zwischen den Zeilen
vielleicht zwischen den Worten
vielleicht auf der Mitte des Weges
alles was Menschenmöglich
von den Ursprüngen der Geschichten
bis zu deren Sterbebetten
Alles Unvergleichlich
Unvergleichlich


Würgen

Alles empirisch,
Schicht um Schicht
Millionen
fruchtbare und furchtbare Jahre
Mit dem Abgrund fängt`s an:
Tiefschlafschichten
Versunken – Hocharbeiten ins REM
Wende der Zeiten

Friedensfürsten bis zur Grasnabe
Von Unten.
Unerreichbar unterm Himmelsblau

Heilsam; den Schwarzwald sehen?
Schinderhütte
Knüppelpfade zu Einsiedeleien
Anspruch und Ungesprochen
ungelöste feuchte
Herzen




Aachen, Am Hof

EISZEIT, kalte Brüste
schwülheißer Hintern
überall Pflaster

Chic auf Alt
Von Römerbad bis Domkeller
Nur kein Verkehr
Fühlt ihr es auch wie wir

Ihr Klingeltöne

Ihr zerstörten Freizeitler
Ihr Schleckermäuler schokoladenhäutige
ihr Liebhaber des edlen Gerstensaftes





Du liest mein Gedicht

Du liest
du liest mein Gedicht
du liest noch einmal mein Gedicht
du schweigst, liest noch einmal
dein Auge tränt über deine Wangen
das Gedicht ist leicht folglich so schwer
und dir bekannt wie dir der Text
es bleibt still während du
jeden Buchstaben neu betrachtest
kein Wort zu wenig kein Wort zu viel
Mein Herz wird schwer ich gehe
und heute fast ein Jahr vergangen
Du liest
du liest mein Gedicht
du liest mein Gedicht noch immer
Ich aber seufze!






EISKALT

Eiskalt dieses Leben
unerkannt
bleiben Illusion und Glaube
Viele Schichten von Geschichten
zur Geschichte
Vom Ursprung zur Distanz

Beugen wir uns noch
an der Quelle trinkend
von Erinnerungen
Ursprünglich von tiefem Grund
Geburten folgend
ohne Eingriff, ohne Götter
Neuen Bedeutungsschichten

Der schöne Krug
den wir zur Quelle trugen
nur gibt Kraft weiter zu leben

Es ist der Quell der unter vielen
unentdeckten Schichten
unzerstörbar weiterfließt
ungetrübt noch mit sich selber spielt



Ijskoud

Ijskoud dit leven
onherkennt
blijven ilusion en geloof
Veele laage van geschiedenisse
toe geschidenis
Van oorsprong toe afstand

Buigen wij ons nog
an de bron drinkend
van herinneringe
Oorspronglik van diepe grond
Geboorten volgend
zonder ingreep, zonder godde
Niewe betekenenlaage

De mooie kruik
deze wij toe de bron gedragen
maar geeft kracht verder te leven

Et is de bron die onder veele
onontdekkte laage
onvernielt verderstromd
ongetroebelt nog met zich zelf spelt





Холодно.

Ледянaя эта жизнь
Неопознанная,
Лишь иллюзии и вера остаются.
Много сменилось историй
От рождение к настоящему.

Но мы все еще склоняемся
Чтобы пить из родника
Воспоминаний,
Первоначально из глубокой причины
Рождения следуя,
без вмешательства, без богов,
Новым сменам придавая значения.

Прекрасный кувшин
Мы несли к роднику.
Только силу дай, чтобы жить продолжать.

Этот источник под многими
Еще неоткрытыми слоями
Продолжает течь,
Играя еще безмятежно с самим собой.





Holodno.


Ledjanaja jeta zhizn'
Neopoznannaja,
Lish' illjuzii i vera ostajutsja.
Mnogo smenilos' istorij
Ot rozhdenie k nastojashhemu.

No my vse eshhe sklonjaemsja
CHtoby pit' iz rodnika
Vospominanij,
Pervonachal'no iz glubokoj prichiny
Rozhdenija sleduja,
bez vmeshatel'stva, bez bogov,
Novym smenam pridavaja znachenija.

Prekrasnyj kuvshin
My nesli k rodniku.
Tol'ko silu daj, chtoby zhit' prodolzhat'.

JEtot istochnik pod mnogimi
Eshhe neotkrytymi slojami
Prodolzhaet tech',
Igraja eshhe bezmjatezhno s samim soboj.




Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten
Ich tauche auf aus Herz und Kopf
alles was mir noch fehlt
drei, zwei, eins – mein´s

Was ich mir nicht kaufen kann
dies bisschen Verstand
was ich mir nicht kaufen kann
dies bisschen Liebe
was ich mir nicht kaufen kann
das zwischen dir und mir
das was wir „mitmenschlich“ nennen

In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine
wurde auch kein Krieg gespielt
alles bürgerlich, alles spießig

Ich tauche auf aus den Niemandsschichten
Ich tauche auf aus Herz und Kopf
all diese Krankheiten auf der Haut
mit Worten zuschmieren wie mit Salben
diese syphillistischen Krankheiten
des Genius poetica zwischen uns
immer neu infizierend

Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer
unter dem Mikroskop – Monaden –
Schichten um Schichten alles Geschichten
Verstand, Liebe und Mitmenschlichkeit
alles Leichenschauhaus, alles pathologisch
Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase
Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase
aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei
aber
alles so Dicht, Gipfel und Wolken
nicht Pfarrer Oberlin und Dichter Lenz im Steinthale
in wahnsinnigen drei Wochen, o Ideale

Aus verachteter Natur
werden Menschen zu Holzpuppen.
Ist dieser Himmel schöner als die Welt?
Zum Leben das Leben, mit Fleisch und Blut.

Soviel zwischen Tal und Himmel.
Graue Wolken mal unten mal oben.

Escape ins All, schmerzhaft den Kopf im Moos
aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei
Innen geplagt und zerrissen in Depressionen
kein Außen. Leere Mitte, nichts anderes.

Bewusstlos vor all den Träumen erscheinen
denkbare Bilder; nicht mir, nicht dir
Ein phalerae für das Heer der aqulifai
aber alles so dicht, mal unten, mal oben

Leere, vollkommene Leere - in der Mitte.
Rechts und links saugen die Ränder ins Zentrum
doch dies ist wieder eine andere Geschichte
keine Nänie für Frühgeburten
Aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei.

Noch richtet sich die Welt nach meinen Worten
Alles hat doppelte Bedeutung und Kontinuität
Nichts war und nichts wird sein
Verkünden ewig wiederkehrend die Wellen

NICHTS


Unschlagbar harte Worte in Urgestein
Ihr steht am Fuß der Schichten
nach dem Schritt am Bodengrund
kein Echo – kein Wort
Schichten und am Anfang Himmel
Allein, Einsam und Allein
mit dem Selbst
mit dem Handgriff den Faden finden
bleibt: NICHTS
zwischen Muschelkalksandschichten
längst verschwundener Meere
wie wir verschwunden
Unschlagbar harte Worte in Urgestein
kein Münchhausen zieht es selbst
bis die See kommt und aufschwemmt
bleibt: NICHTS
Tonlos in den Schichten in Urgestein
hören, Noch den Knall
der Entstehung dieser Welt






Nur im harten Sturmwind
stehe ich fest

Nur im harten Sturmwind
stehe ich fest
Nur im harten Anflug der Worte an der Klippe
mit meinen Flügeln
befestigt mit Bienenwachs
Wachsworte in eurem Mund
Schmelzen wie Schaum
Schäumen wie Schmelz
Mund voller Wachsworte
Von dieser Klippe
Sonnenaufgang, Sonnenuntergang
aushalten verblendet
über der Mitte von Wasserhimmelblau
Nur im harten Sturmwind stehe ich fest
Nur im harten Anflug der Worte
an der Klippe
Zerstört und ruiniert
mit der Suche nach dem Poeten




Warum du

Warum du
sprichst noch diese Wälder auf die See an
alle Götter sind verschwunden so wie du

Allein du
Gestern noch, ging einer übers Meer
Verbannt ist von Augustus nach Thomae
so ins Antiparadies der Gegenwart Berlin
die Sprache

Wirklich, diese haben alle ja so Recht
aber sie meinen es nicht echt
diese Frage sei mir erlaubt

Keiner, keiner, Nein nicht einer
nichteinmal wir selbst am allerwenigsten
Wenn wir das Alles vorher gewusst hätten




G E D I C H T E
GEDICHTE aus einer Hand

Manfred Hubert Freude geb. am 02.04.1948 in Aachen
Kunst-, (Ästhetik-), Philosophie-, (Lyrik-), Sprachen- + Literaturstudium an der RWTH Aachen. Sänger in Chören. Erste Gedichte 1968. Neue Gedichte ab 2002; ab 2003 erste Internetveröffentlichung. Gedichte, Gegenwartslyrik, Lyrische Texte, Heiku, Zitate, Aachener Mundart, Storys, Kurzgeschichten, im Besonderen Escapistenlyrik, - Interesse gilt im Kern Gedichten.

Stationen u. a. : Kaufmann, Handwerker, Dichter, Rhetorik, Computer- Sprach- und Chorgesang. Kunst-, Musik-, Philosophie- und Lyrik. Angestellt und Gasthörerstudium an der RWTH Aachen, Philosophie, Kunst, Sprachen + Literatur (Schwerpunkte Ästhetik und Lyrik)

Arbeitsgebiete: Gedichte, Gegenwartslyrik, Lyrische Texte, Heiku, Limericks, Zitate, Aachener Mundart, Storys, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik

Schreibe über WORTE, über Gedanken, über Zeit und Zeiten, über Tod, Abschied und Einsamkeit und den WEG, – SINN - Liebe – Kunst – Vergänglichkeit – Chorgesang – Politik – Hoffnung – Leben

weit über 1.000 Gedichte; u. a. 63 Gedichte „Mallorkinische Reise“ weitere Themen und Autoreninfo


Homepage: www.myblog.de/freude
Auf der Homepage der Else-Lasker-Schüler Gesellschaft www.ELS.de unter / Archiv/Wortwerkstatt Gedichte: Kapitulation, Literamorgue, Land unter, Eiskalt, Warum du, Spiel nicht erhabenschön
Übersetzungen von englisch, spanisch, lateinisch und niederländisch in Deutsch.
Gedicht Eiskalt übersetzt NL bei www.Gedicht.nu Ijskoud außerdem in russisch/kyrillisch.

Bei Interesse an Gedichten und selber diskutieren: über www.kbx7.de selber kostenlos anmelden teilnehmen an der Diskussionsliste: GEDICHTE@kbx7.de

Veröffentlichungen (Auswahl): LuuP e.V. im Park Goethestraße 2003 und 2005, VDK Chor + Konzert Heft 3/2004 Nr. 116 - Chormusik,; CD für Schüler und Schulen Horicons 2020 CD Locando-Siemens Projekt: Gedicht: „Zukunft“ Auflage 10 Tausend; Literamus 27 – Älterwerden 3-88746-749-6; Buchanthologie: Ein Zeichen von Dir, - Liebeslyrik; Liebesgedichte 204 Seiten, Juni 2005 ISBN Nr. 3-938607-25-4 Die Vielfalt unterschiedlicher Liebesgedichte, die der Band enthält: Nachtlicht eines schönen Abends, In Liebe So war die Liebe wie der Tag, Venus, Herz, fasziniert. Beziehungshumor, Leidenschaft, Erotik und stille, nachdenkliche Zeilen sind zu entdecken; Bundesgartenschau 2005; CD "Frühlingsgefühle- ein Sommernachtstraum" der Gruppe 4w. Text "Frühlingstrauminstinkte" von Sprecher Peter Puppe interpretiert auf Hörbuchanthologie CD; Die Junge Akademie Berlin: Gedicht welche Sprache spricht Europa bei Wanderausstellung Berlin; Sommerfelder Buchverlag Anthologie: Leben in der Großstadt; Okt.2005 Gedichtband „Beziehungsweise“ MBVerlag; 2005 Bibliothek deutschsprachiger Gedichte, Ausgewählte Werke VIII Gedicht;

Lesungen: Autorenkreis, Aachener Barockfabrik,; Cafe Couleur,; Lousberglesung im Rahmen der Aachener Literaturtage 2005 der Stadt Aachen ,;

Eskapistenlyrik

das hermetische Gedicht öffnet sich. Escapistenlyrik,
eine Lyrik des Entfliehens durch Traum und Rausch.
Es ist beschrieben, was für das Verständnis der Escapistenlyrik wichtig ist. Escape (englisch) - entfliehen
Folgen wir der Verlockung, dem Anreiz einer Fährte,
einer Piste, einer Spur.
Geben wir uns der Verlockung einer Spur zu folgen.
Brechen wir aus, entfliehen wir der Realität.
Machen wir uns heimlich davon (durchbrennen).
Entkommen, entrinnen wir mit einem Geistesblitz, dem Köder der uns in die Realität locken will, mittels eines Seitensprungs.
Werfen wir den Hut (Escape – cappa) und verlassen den Turm und kehren zurück zur Außenwelt.
Die Escapistenlyrik entflieht dem hermetischen Gedicht. (das vollbringt die Dichtung mit ihrer rhetorischen Verdichtung, ihrem Interesse nach Hermetik und der Deviation vom Realen dem Ausstieg aus dem abgeschlossenen dem Unwirklichen; das Reale aus einem sicheren Ort zu betrachten.

Das eskapistische Gedicht ist deshalb gerechtfertigt, weil es für die Zeit eines Gedankens von der Realität des Lesens ablenkt.

Das hermetische ist nämlich nicht
der sichere Ort für das Gedicht.

Hermetik goes escapism, das hermetische Gedicht öffnet sich zur Escapistenlyrik. Fugenlyrik (Latein: fuga das fliehen, die Flucht)

Ergeben wir uns dem Folgenden.
Wir entfliehen um zu bleiben. Wir entfliehen. Weg von der Lichtung ins Dickicht, um praktisch unsichtbar die Lichtung zu betrachten.
Die Dichtung entflieht aus der Realität (dem Glaskasten), entrinnt dem Unwirklichen (der Welt) entrinnt die Realität (die Spießer) zu betrachten.

Der Ausstieg aus dem hermetischen, dem unverständlichen, dem Verschwiegenen.

Escapistenlyrik, Fluchtlyrik, Fliehendengedichte
Eskapisten, Fliehende, Escape, Fliehen

Wir müssen dem Leib, dem Körper entfliehen, unserem Leib wie dem Mutterleib, der hermetischen Fluchtblase.

Lesen wir ein gutes Buch und irgendwann geschieht es, das wir uns nicht mehr im Raum befinden in dem wir uns befinden. Wir sind entflohen. Wir haben uns von einer Stelle des Textes vom lesen in den Text begeben.
Eine Escapade.
Wir haben nicht den Raum des Lesens verlassen, sind vielmehr in die Sätze, die Worte eingetaucht.
Eingetaucht in die Leere, in die Mitte. Die verlorene Mitte.
Bis in den Ursprung. Wovon Ursprung? Von der Quelle? Es gibt keine Quelle. Alles ist unendlicher Regress. Wir kreisen um die Mitte der Quelle. Wir füllen diese Mitte. Mitte schwarzer Leere.
Rechts und links vom Rand saugt uns die Mitte eines schwarzen Lochs ins Zentrum.

Wir beschreiben ein Dichter-Ritual, eine Fluchtdichtung
in das Innere der Seele. Steigen aus der Quelle. Fließen mit dem Fluss der Flüsse ins Meer. Steigen auf zu den Wolken. Regnen uns ab in den Bergen und dringen zu den Unterirdischen Seen. Aufzusteigen zu unserer Quelle. Alles ist unendlicher Regress.
Wir kreisen um die Mitte der Quelle.
Wir rufen die Totengeister, die Dichtergeister.
Die Dichter als Schamanen und wir vollziehen eine Guffa,
eine Guffa ist eine Reise ins Innere der Seele.

Wie schreibt Dichtervater Goethe in einem Gedichtsonett über das Sonett:
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
und haben sich, eh man es denkt, gefunden;
Der Widerhall ist auch mir verschwunden
und beide scheinen gleich mich anzuziehen

das Gesprochene, Ausgesprochene und das Gedachte, bedacht ausgesprochene Wort, das Dichterwort.. scheinen zu fliehen.
Vielleicht beziehen wir uns auch als Dichter auf etwas was Helmut Lamprecht der Dichter in der Deutschstunde fragt: „Was will der Dichter damit sagen .........warum denn die Dichter nicht gleich das sagten, was sie gar nicht sagen wollten.“
Genau das ist der Punkt. Wenn der Dichter nur das Leben beschreibt, können wir es ja selber leben.

Der Dichter beschreibt das Leben und wir merken nicht die Eskapade. Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen.
Das bedeutet: Das Gedicht flieht indem es gelesen wird, indem wir Erkenntnis gekostet haben, ist das Paradies verloren.

Lyrik oder Poetik führen auf je ihre Weise heraus aus der Enge gewohnter Umgebung.
Der Leser verlässt den Angestammten Ort und begibt sich auf eine Reise. Eine Geistreise.

Die Worte entfliehen und werden immer wieder an anderen Orten von anderen Lesern und Schreibern aufgegriffen. Ohne das je einer das Wort für sich beanspruchen kann. Er hätte es etwa für sich selber eingeschlossen.

Latein: fuga das Fliehen, die Flucht
Die Gedanken bleiben im Schädel hermetisch verschlossen im Gehirn; bis sie entfliehen.

Oft entfliehen wir bereits bei der Beobachtung der Natur durch das Perspektiv, das Mikroskop oder das Teleskop. Durch die Veränderung unserer Seh-Schärfe, durch scharfes – sehen. Durch das Betrachten des Himmels, der Galaxien. Fernster Galaxien durch die Hubbel-Teleskope. Wir begeben uns in andere Wahrnehmungsräume.

Für die neue Ästhetik für den Antitext, zu den Bildern entsteht Antitext – technische Bilder – benötigen wir Einbildungskraft und Begriffskraft. Diese sind Voraussetzung für die Eskapade in der Escapistenlyrik. Das Eskapistengedicht will aufklären – Berühren.
Bildet sich der Text begreiflicherweise als Gebäude so eröffnet er gleichzeitig immer weitere Räume.
Der Text und die Bilder entstehen erst beim Lesen.

Der Auseinandersetzung mit Kunst und Dichtung:
Kunst erkennen heißt Selbstreflexion.
Goethe: Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
und haben sich, eh man es denkt, gefunden
Die Menge des Konsums in Kunst wie Literatur und Dichtung, befreit nicht vom Geschmack allgemein.
Das Originale ist das Originelle, das Echte.
Das Schaffen ist die Übersetzung von Innen ins Äußerliche. Kunst ahmt Kunst nach, variiert.

Wir unterscheiden aber ein Denken und Sprechen, das wir wissenschaftlich bezeichnen. Denken und Reden schließen aber die Gleichzeitigkeit zweier Bedeutungen aus. Diese Gleichzeitigkeit wäre das Zeichen der Unwissenschaftlichkeit eines Ausdrucks und verstieße gegen die Logik. Wir benötigen aber den Zugang zur Welt, den wir unter anderem auch über die Dichtung und die Metapher erreichen und dies im Besonderen über die Eskapade.
Den Zugang zur Welt über 1. den Begriff und 2. das Wort.
Entfliehen kann das Wort, (Escape,) frei von allen Urteilen, Vorurteilen oder Wissenschaft.
Der Eskapismus ist bereit, dem hermetischen zu entfliehen, die Escapistenlyrik entflieht dem hermetischen Gedicht. Das hermetische ist nämlich nicht der sichere Ort für das Gedicht.

Nur in der Sprachlosigkeit: dem anderen das Wort, die Sprache entziehen, ist die Gewalt. Und sprechen wir vom Gedicht, so sprechen wir von Gewalt. Nicht jedem guten Gedicht kann man so ohne weiteres zuhören, ohne irgendeinen Schaden zu leiden.
Und was bedeutet dies für das Gedicht?
Man musste feststellen, das hermetisch eingeschlossene Monster Mensch, sich als erschreckend normal herausstellte.
Wie dicht muss ein Gedicht werden, das es aus Platzmangel fliehen oder sterben muss?
Und als entflohenes Gedicht zur Escapistenlyrik.

Escapistenlyrik: escapism – entfliehen, Flucht vor der Persönlichkeit. Die Escapistenlyrik entflieht dem hermetischen Gedicht durch Traum und Rausch.
Apoll und Dionysos lassen grüßen.







































G E D I C H T E
GEDICHTE aus einer Hand

MANFRED H. FREUDE

Manfred Hubert Freude geb. am 02.04.1948 in Aachen
Kunst-, (Ästhetik-), Philosophie-, (Lyrik-), Sprachen- + Literatur an der RWTH Aachen. Sänger in Chören. Erste Gedichte 1968. Neue Gedichte ab 2002; ab 2003 erste Internetveröffentlichung. Gedichte, (auch in Mundart Aachener Platt) Gegenwartslyrik, Lyrische Texte, Heiku, Zitate, Aachener Mundart, Storys, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik