LYRIK POESIE DICHTUNG

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Wir freuen uns sie am Freitag,
den 30. Oktober 2009 um 19:30 Uhr
im Haus der Dommusik auf dem Katschhof neben dem Rathaus und neben dem Aachener Dom
zur Lyriklesung einladen zu dürfen.
Es lesen Aachener Lyriker des Literaturbüros Aachen Euregio Rhein-Maas
Wir hoffen auf rege Teilnahme.

Es grüßt Sie freundlich

Wir danken ihnen bereits im Voraus!
Manfred H. Freude
52062 Aachen
________________________________________
Betreff: Lesung Liebe Freunde der Lyrik

Gleichzeitig bittet der Ausrichter
Das Literaturbüro Aachen um ihren Besuch, der Eintritt ist kostenlos!


1) Stimmbänderbrücken
2) Sprachen
3) Lauter Stimmen

Lesung 30.10.2009, Aachen,
Haus der Dommusik, Katschhof,
Manfred H. Freude



Stimmbänderbrücken

Aus Herzen getriebene Gedanken
Gerissen - vom Dornenstrauch
Verlegt zur Quelle deiner Augen –
(Werfe statt der Steine mehr Blüten)

Kehret um als Kinder
Es fängt an zu regnen
Gedanken, besänftigt zum
Aufseufzen dieser Herzen
Folgen auf Wegen des Atems

Es ist noch Blut in ihnen
Wollen wir wachen
An der Brücke des Aryknorpels

Sprachen,
aber ihr Sprechen war kein Sprechen.
Ihre Reden waren keine Reden.
Sie schwiegen.
Und es waren keine Worte;
Weder in ihnen, noch aus ihnen.

Sie verstanden genau!
Was sie verstanden,
stand auf ihnen geschrieben.
War ihnen eingeprägt
Als schweigende Inschrift.

Niemandes Sprache,
Die Kainesprache.
Trugen sie ins Feld
Um Furche und Furche und
An den Grenzen kehrten sie den Vers
vaterländisch. Wendeten sie den Pflug,
hoben die Steine.

Denn es lagen Steine in den Furchen
Und Worte fielen aus der Erde
und vom Himmel.

Widerworte von Reihe zu Reihe,
Vaterländisch.
Lauter Stimmen

Im unsagbaren, unaussprechlichen Schweigen
Halte ich volle Worte
In den Höhlen und Kammern
Der Serengeti für alles Denkbare

Geöffnet an Besuchstagen für Kritiker
Fallende Geräusche zu entziffern

Noch kann ich nicht nach deinem
Mund reden
Spreche geradeaus
Und dort steht’s – DU –
Wenn das Wort dich trifft
So still und undeutlich; andersartig

Was schweigt in mir?

Es denkt noch, ehe ich gedacht
Will reden, bevor ich wage zu sprechen
Mit Harmonie aus einem Reich
Das den Ton formt im Hals, den Klang

Schweigen macht die Sprache stumm
Bis sich ein schöneres Wort findet
Schreibt der Mensch für sich allein.
Wer liest, dass muss ein Anderer sein.

Trägt diese Stimme noch weit
Fragt uns nach den Worten
So still und undeutlich andersartig

Was schweigt in mir?

Es denkt noch, ehe ich gedacht
Will reden bevor ich wage zu sprechen
Mit Harmonie aus einem Reich
Den Ton, geformt im Hals, den Klang
Schweigen macht die Sprache stumm
Bis sich ein schöneres Wort findet
Schreibt der Mensch für sich allein.
Wer liest, dass muss ein Anderer sein.



Manfred H. Freude | © Manfred H. Freude, 1.09.2009 Nr. Lesung 30.10.2009
Von Manfred H. Freude www.gedichte-freude.blog.de www.freude/myblog.de





Manfred H. Freude

LYRIK Autorenlesung
Manfred H. Freude vom 27.09.2006
Haus der Dommusik Aachen

Gedichte

Gedichte



EINE AUSWAHL aus dieser Lesung




Frag mich im August

Frag mich im August
Sommerende, im letzten Sonnenblick
Ich war nie fort
wie Schnee und Eis
meine Haut im Sommerwind

Groß ist der Himmel im Goldfischglas
immer neue Inseln ohne Land
Frag mich im August
Das Gute ist so winzig
nur was Schlecht ist das bleibt Groß.

Jede Pore stürmt
meine Haut im Sommerwind
Frag mich im August
ich war nie fort
war einsam war allein unter den Menschen

Noch spurt der Sommer
Alles bleibt Erinnern
Frag mich im August
Wartend, wie Wind und Wolken
meine Haut im Sommerwind

Spiel ich noch einmal mit den Schlangen
und singe den bodenlosen Ton mit Allen
Welche Nachricht bringt der Dornenvogel
an diesen Sommer? Nur Erinnern.
Frag mich im August





EISKALT

Eiskalt dieses Leben
unerkannt
bleiben Illusion und Glaube
Viele Schichten von Geschichten
zur Geschichte
Vom Ursprung zur Distanz

Beugen wir uns noch
an der Quelle trinkend
von Erinnerungen
Ursprünglich von tiefem Grund
Geburten folgend
ohne Eingriff ohne Götter
Neuen Bedeutungsschichten

Der schöne Krug noch
den wir zur Quelle trugen
gibt Kraft weiter zu leben

Es ist der Quell der unter vielen
unentdeckten Schichten
unzerstörbar weiterfließt
ungetrübt noch mit sich selber spielt





Im April ( Paulownia )

Wenn die Paulownia blüht
werde ich wieder älter sein
Mein Fluch ist meine Angst
Alles geht und alles bleibt
wie das >ich liebe dich<
wie die Treue zwischen Zorn und Zorn

Meine Augen hängen in den Zweigen
Wangen an den Blüten
Vor der Mondfrau werde ich behüten
Atmen in des Baumes Stöhnen
wie das >ich liebe dich<
wie diese Paulownia blüht

Mein Fluch ist meine Angst
Schuld zwischen den Schulterblättern
Unter mir das Latein der Angeber
An den Stamm gelehnt im Jubel
wie das >ich liebe dich<
wie das Tödliche unter den Worten

Nebel über den Wiesen über dem Meer
schöne Tage im Blühen der Paulownia
Bald werde ich älter sein dann
pfeifen sie wieder die Gassenhauer
wie das >ich liebe dich<
wie das Bleiben bis die letzte Blüte verblüht





Spiel nicht erhabenschön

Unbeugsam wie Gras
du, das Licht
senkrecht
unter deinen Füßen

vier Kerzen der Rede

kein Baum kein Auto kein Haus
das geht auch

Du spiele nicht mit den Sonnenkindern
Sei ernst im Blick bei der Sache
unbeugsam wie Moos
an Betonwällen
Unter Schnee und später
unter Blau

Spiel nicht
erhabenschön

Spiel nicht erhabenschön




Eisloch

Es ist kälter geworden am Eisloch
auch der Himmel hat die Farbe der Kälte
Die Eingeweide der ausgenommenen Fische
frieren in den vollen Eimern


Nur wer die Zeit mitgebracht hat
findet diesen Winter sein Glück im See


Im Blick auf das Loch wechseln die Schatten
es schlafen nicht die Fische, nicht die Menschen
Es ist kälter geworden am Eisloch
auch der Himmel hat die Farbe der Kälte


Die Weiden trauern am Rand des Sees
Dort steht ein Dichter im Schneegestöber
Er rezitiert den Faust über den See
Die Fische verziehen sich tiefer vor Schmerz


Wieviel Faust können Fische im eiskalten Wasser ertragen
Wieviel Kälte speichert ein gefrorener See
Einsamkeit auf der Eisfläche, voller Ekel vor der Welt
auch der Himmel hat die Farbe der Kälte


Kein Weg zusammen kein ich und kein du

Ein letztes mal schwinkende Tage
ein letztes mal und das ewige Du
ein letztes mal und dann tiefere Lage
Es - : im blütenbekränzten meerversunkenen Du

Ein letztes mal ein menschliches Räuscheln
es fragt um erhabene Ruh
und draußen bleibt ein ständiges Meucheln
letzte Blätter decken golden das DU

Was fragt noch Vergangen
was hält noch am Sein
es kam und ist gegangen
es war für euch und ist mein

Ein letztes Mal schwinkende Tage
Ein letzter Augenblick Ruh –
noch einmal die alte Klage
Kein Weg zusammen, kein ich und kein Du














Nachmittage im Anvers

Stille Nachmittage im Anvers;
Kleine Tische nicht tragend –
aller treuen Worte und das Trennende

Deutungen aus Göttern mit einem
- du kennst doch - antworten
gefallen aus fetten Spiegeln

Das Sehen durch bleiche Scheiben
verbindet mit fließender Welt

Schalenweise Geistreiches eingeschenkt
Wie es ist: etwas rausgeschlürft

Mit draußen lauter schwammigem Regen
Mit Dienlichkeiten verschmolzen und einem Lachen

Freitage, die kurz vor Wochenenden gingen
oder dem Weinen der Scheiben – ohne anzuklopfen









Neuanfang

Es ist als sei Etwas geschehen
Als träte ein Bild aus dem Rahmen
Eine Reflexion des Zweckmäßigen –
Schön zwischen Gefühl und Lust
Etwas hat sich hier verändert: Nun

Zeichen die sich lösen
Von den Blättern und Bildern
Es ist als sei Etwas geschehen
In unseren Köpfen verändert
Neue Begriffe die sich lösten

Abgebrochen vom Stamm
Als wäre noch nichts geschehen
Ganz still und leise verändert
Und unbemerkt fortgetragen:
Hier hat sich etwas verändert











Amtsweg

Noch geht er seinen Weg, wie jeden Tag
schlürft er zum Amt.
Ohne Geld trägt er doch schwer
Fast unsichtbar fühlt er sich beobachtet

Nackt flieht er vor allen Blicken
Ist es Hass oder Mitleid in den Augen?
Magensäfte füllen seinen Mund
Schmerz der wühlt Blut das kühlt

Nur manchmal schmerzt der Magen
der linke Arm zittert - . Er hält
vor den gefüllten Schaufenstern den Blick –
dann spuckt er Blut auf den Gehweg.














Katze
im Hochhaus, Plattenbau

Hinter dem Fensterkreuz
verpennt der Stubentiger die Sonne
kein Windhauch leckt hinter
Scheiben sein Fell


Auf der Fensterbank tanzt
er um die verstaubten Kakteen
leckt er seine Kralle und träumt
von rattenscharfen Mäusen


Nur selten schaut er hinaus, und
hinein ins Zimmer zum Tisch
mit dem leckeren Katzenmenu, Er
wartet auf das Blättchen Petersilie

sein Blick durch seine Pupille isst mit!









Die verletzte Katze

Stock und Dunkel aus der Ecke
rann das sämige Blut
Hinter dem Verstecke
war verborgen gut

Eine Katze die miaute
Schrie nach ihrem Kind
und sonst keine Laute
sonst nur leiser Wind

Und zu einer Fahndung
kam der Polizist
Da gibt’s keine Meinung!
Erst sehn was da ist!

Leuchten sie die Ecke!
plötzlich wird es hell
und aus dem Verstecke
lichtete ein Fell

Sehn sie was sich zeigte!
aus der Dunkelheit
die verletzte Katze
Nehmt sie, es wird Zeit!





A - Moll

Chorgesänge himmlisch
Viel Moll
Kosmisch, blumenfestlich
nach Fug und Unfug

Alles Liebe
Fis - Dur im Terzakkord
amusisch singen und sagen
mehrstimmig perfektioniert
voller Seele
Singen und einstimmen mit cooler Ästhetik

Unverwechselbar mehr Harmonien

Singen ohne Üben
finden die Töne schwer zusammen

auf wie viel Moll muss man gefasst sein?
Merken – an dem einen Moll,
das da Viele sind!









Athikte

Ich freue mich, das man weiß
das man begriffen hat
es geht nicht weiter, nichts
geht weiter, Schluss
es kann nicht weitergehen

Nun stehen wir am Rand
und schauen unsere Gesichter
Jahrtausende haben wir uns
nicht gesehen

und nun am Ende, am Rand
der Weltenscheibe
sehen wir uns und tanzen

oh meine Zuflucht
oh meine Bewegung
oh Wirbel
ich war in dir
draußen, außerhalb aller Dinge


Eryximachos, Phaidros, Sokrates, Athikte, Rilke, Valery







CIELO himmelsblau

Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht
Den ewig Hohen den unendlich Blauen
Es sind schon viele aufgefahren und kamen nicht zurück
und auch die untergingen fielen tief.

Wer sucht schon selbst den Himmel aus
der ständig weint und brüllt
und wenn er schlägt mit seinem Zorn
Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

Nur an den Straßen gibt es Halt
doch warten wir vergebens oft
Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang

Ich bin nicht unter diesem Himmel
Ich bin nicht unter diesem Blau
Ich bin ein Stern wie alle dort: hochfern








Ein Wolkenstreif am Himmel

Ein Wolkenstreif am Himmel
kein Lüftchen sonst
nur Blau und Gold – Südenseele
Augenschließen in der Mitte
Ketten rechts und links
ein Vogel fliegt – wohin?
ich folge der Spur

die Bilder lösen sich auf zu Streifen
Wolkenstreifen am Himmel
ohne Worte, ohne Schrift, ohne Musik
Das Geräusch eines fallenden Blattes
auf dem alles geschrieben ist

Ein Wolkenstreif am Himmel
kein Lüftchen sonst














Fernstrand

Insel des Angekommenseins
der Angekommenen
– wovon ?
vom Angekommenen –

Wegsein nur weg:
vom Dasein
von der Tragödie
entgegen dem Sonnenlicht
entgegen dem Fruchtwasser

Ich komme als Eroberer
und ging als Sklave
weiß und schwarz













Kämest du wieder

Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages
die von Westen nach Osten fliegt
Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen
im frühen September eines schönen Tages

Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen
unendlichen Tag so weiß wie heute
jetzt himmelhoch
Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern
Erzähle mir vom Gras vom Sand vom Meer

Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages
Du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue
ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld

Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst
und nie mehr gehen von diesem Platz
Mein Herz stand über Dir es war die Sonne










Lied des Meeres

Woher kommst du
uraltes Wehen über Meere
Salz und Sand
welches Wehen Meerblut

Seelen über den Meeren
uralter Inselbewohner
aus vielen Welten
angeschwemmt an Stränden

von allen Toden
aus den Lüften
erzählt aus fremden Häfen
das Lied des Meeres

dieses Sterns
der nun eine Insel
Sonnensystem
für Ankommende, herausströmende









Meer und Insel

Unsere Schritte berührten die Insel

traten auf diese Karte
nahmen vom Land Besitz
bis zu den Klippen
zu den Schaumkronen der Wellen
bis zu den Sternbildern die uns
erkannten an unseren Schatten

Unsere Schritte klangen über die Insel
zu den Bergen im Norden
wie ein Lied des Windes
der unsere Namen flüstert
in die Wipfel der Pinien
und den Samen küssten
darum lasse es Nacht sein Tag
Meer und Insel











So bin ich hier

So bin ich hier
Meer
so niemals versunken
unter den Stränden
unter den Inseln

so mein Leben
unter dir
deinem Sand
und deinen Wellen
gegen den Fels
brandend

Ich bin hier
so wie du Meer
versunken
unter mir
unter uns
– ich bin niemand
und du alles
was immer mir fehlt








Soviel Sand

Soviel Sand den ich mit mir trage
an meinen Füßen
in meinen Strümpfen, meinen Schuhen
den ganzen Strand trage ich fort
mit mir in meinem Haus

Wann bist du Meer ohne Sand
ohne Strand
von mir nach Hause getragen

gebe ich dir zurück
und schlage meine Decken
aus über dir
das du den Sand verteilst
soviel Sand
den ich mit mir trage














Süden meines Südens

Im Süden meines Südens
unter dem Südenlicht
bläst der Wind den Sand an die Strände
bis zum Abendrot

Leere Blätter fallen unter die Tische
ich hebe sie auf
und gebe ihnen Herz
du aber entkommst einen Flügelschlag

Mir wird heiß unter den Worten
die schmelzen wie das Eis im Becher
Nur das blau des Meeres und Himmels
kühlen denn verbrannten Tag













Täglich Bild

Täglich Bild am frühen Morgen
Alles was man wissen muss
Wichtigkeiten von Unwichtigkeiten
meine täglichen Skandale

Und alle Verlierer im Bild
eine Anzeige zu Wissen das
Deutschland unter Verstopfung leidet
während ich unter der Sonne
Flüssigkeiten zu mir nehmend
meine Winter vergesse

Spatzen in den Pinien und
die Schwalben kreisen schreiend
verschleudere ich meine Zeit
und die EU unser Geld

All dies könnte ich nicht wissen, ohne
täglich Bild am frühen Morgen










Hilf mir

peitschend ritzt das Meer meine Haut
Sterne schneiden ihr Bild in meine Haut
Flammen des Meeres brennen meine Haut

wie will ich meine Wunden kühlen
wie will ich meine Geißeln zügeln
wie will ich meine Schmerzen lindern

Meine Wunden trage ich in die Nacht
Meine Haut halte ich in den Abend
Meine Liebe schenke ich dem Meer

Wann steigt ein Gott der Liebe aus diesem Meer
Warum schmerzt das schwarzäugige Meer
Welche Welle kommt mich zu erschlagen













Mir zu dir

Jenseits des Rufens entsteht das Feld
das Feld in der See das wir pflügen
das wir pflügen noch ehe wir untergehen

unter der See von tiefem Grund
finde ich ein Zeichen von dir aus Sand
und wir tauschen den Grund mit den Sternen

Jenseits des Rufens entsteht dein Licht
dein Licht aus dem Glitzern des Wassers
dein Glitzern der See in der Abendsonne
unter dem Wasserspiegel deiner Seele

empfange ich die Funken unseres Himmels
und wir treffen uns in Gedanken zu mir und dir
Jenseits des Rufens entsteht das Feld
das Feld in der See das wir pflügen











Flügelschlag

Mit einem Flügelschlag war ich in den Lüften
jede Spur unter mir
werde ich vernichten
vom Baum der Aufklärung war mein Ausgang
Endlich trug ich den Mut
mit meinem Verstand fortgetragen
unerklärbar für die Wissenschaft

Mit einem Flügelschlag war ich in den Lüften
alle Bücher unter mir
draußen ist keine Gefahr –
wie man mir sagte
meine Natur lehrte mich
du kannst nicht fliegen
hattest niemals Flügel – also nie verloren

Mit einem Flügelschlag war ich in den Lüften
sicher flog ich über Gräben
dann flog ich hinaus aufs Meer
hoch hinauf in den Himmel
immer der Sonne entgegen
sucht man heute noch meine spur
sucht mich im Himmel bei den Göttern






Zu Gott zurück

Heute kehre ich zu Gott zurück
im Sommer
kehre zurück
zu meiner Natur
im Staunen

Tags bin ich Draußen
Abends schließen die Tore der Stadt

Gebote einhalten
mit einem Gedanken
mit einem Wort
mit einer Form

es ist das Vernünftige
es ist das Gebet
es kann sein, wir lernen Nichts, Neues

Außer Arbeiten und Leiden
Kehre ich zu Gott zurück











Innern der Muschel

Im Innern der Muschel ist die Perle
Wer allein ist; ist auch verschlossen
ohne Einsicht Alleine
Von keinem Anfang her geschrieben
er entsteht in der Dunkelheit

Im Innern der Muschel ist der Tod
gestorben im Innern verschlossen
ohne Einsicht alleine
von der Muschel gesprochen
zeigt ein Glanz im Innern

Im Innern der Muschel ist die Geburt
Haus der Streite
Haus der Götter
ohne Einsicht Alleine
nur wer kämpft erhellt den Glanz






Nakahara Nantenbo I

Chiku-ei Katsu o haratte chiri dozezu
Bambusschatten berührt die Stufen –
aber der Staub wird nicht bewegt


Ein Poem auf Schriftrollen mit Kalligraphischem Text
edelster Tusche auf feinstem Papier
des 83jährigenn Nanten
Ausgeatmet aus dem Zenrikushu
auf dieses Sein-Lassen
des Nichteinmischen alles menschlichen
und immerwährendem Hindeuten

Fliegen diese Wildgänse über den See
ohne den Ehrgeiz, ihre Spiegelbilder
unauslöschlich dem Wasserspiegel
einzuprägen.
Frische klingt aus seinen Worten und seinem Wanderstab
des Nantenbaums wiederholt
nur die alten Zenschriften
wie die Teile des zerbrochenen
Kruges die ich lese










Nakahara Nantenbo II

Tsuki tan-tei o ugatte mizu ui ato nashi

Die Kontur des Mondes schwebt auf dem Brunnen –
aber im Wasser bleibt keine Spur


Aus dem Zenrinkushu schreibt Nantenbo
vom Dahintreibenden und Spurlosen
Gründete er Zenschulen und folgte
Einsichten die er formulierte

Der Alte zeigte im Pinselstrich seine Frische und Kraft
Und auch das Feuer das in den Augen
der Wildgänse widerscheint, vermag diese nicht zu verbrennen

Wo ist sein Reim gefunden?
An welchem Tag, an welchem Brunnen?
Auch mich füllt der Wind
mit Freude









Sympathie

Keine Sympathie zwischen Menschen und Göttern
Kein Selbstbewusstsein kein Respekt
Wovon könnt ihr mich noch erlösen?
Zerfetzt von Gott in Gehirnen
Aber das Trauern der Menschen vom Blut
trinken und trinken und trinken
Käme ich, käme ich zuerst
und ihr würdet sagen: zu spät
käme ich geschwommen, käme ich
geschwommen im Blut das ich
unbewiesen in seinem Blut schwimme
kein Respekt; kein Selbstbewusstsein
keine Sympathie zwischen den Menschen und Göttern
abarbeiten und wie sie sich abarbeiten
Zerfetzt von Gott in Gehirnen
Käme ich geschwommen in Blut
Das ich unbewiesen in seinem Blut schwimme
verbleibt keine Sympathie






Tiefblaues Ledersofa

Tiefblau felsengleich steht das Ledersofa, Tiefblau
liegt es im Meer des Raums
tritt aus der Wand, trat und stand, Kaiserblau
schön und schön
hatte so viel ertragen, vertragen soviel
und still, schweigsam im Raum, Enzianblau
gleich und Ausgleich steht dort
im Raum das Ledersofa und schweigt
von der Haut der gefalteten und
getragen die Häute, die Nackten
getragen, den Schweiß, den Schweiß ertragen vertragen
und Haut und Stängel und Knospen
und von den Mündern den Vielen
oder allen Zungen, den Zungen
war stark und stand, war stark
trug alle Schwachen und Schatten der Schwachen
und lagen und träumten mit Räuschen
und tiefblau liegt es felsengleich, kaiserblau
Enzianblau gleich und Ausgleich geliebt
von allen Nichtgeliebten, gleich
Kaiserblau, schön und schön
hatte so viel ertragen so viel







Pause bei der Lesung



























Kind
M. H. Freude
Kind, Kind, das trat, das trat aus dem Leib seiner Mutter, das Geborene das Kind, das Geborgte, verborgen, geborene, Kind ging durch das Haus, ging, trat durch das Haus, trat in den Garten, den Kleinen, den Kleinen mit Kirschen, Äpfeln und Birnen, trat in den kleinen Garten und war klein das Kind, das kleine Kind, das geboren wurden. Und es gehörte zum Haus, wie seine Mutter und wie sein Vater, zu diesem Haus und in diesen Garten. Der Garten, der trug zu den Kirschen, zu den Kirschen den Äpfeln und Birnen, den Kirchen, Kaninchen im Schnee dazu Indianer und Cowboy im Schnee, im kreidebleichen Schneemund, das Kind trat in den neuen Garten und wurde geholt, wurde geholt aus dem Neuenzarten, dem Garten, zu spät. War zu spät und festgehalten, wurde gehalten im Garten dem Zarten dem Wurzelgarten.
Hinzu trat vor das Haus auf die Straße, trat zu den Laternen, war bei den Laternen die aufbrannten am Abend mit Gas, mit Gas, am Abend, am Abend und die Trambahnen, die Trambahnen ja die Straßenbahnen fuhren vorbei, fuhren vorbei und haben alles gesehen, alles gesehen, die Laternen, die aufbrannten, die aufbrannten vom Gas, und das Kind, das Kind und die andere Kinder gesehen, gesehen. Daneben die Tram, die jene Katze überfuhr die jene Katze tötete, tötete. Das Kind und die anderen Kinder die jene Katze verbrannten, verbrannten zum Schutz vor Leichengift und der Hausmeister der Schule und der Winter, der Winter, der fragte und fragte die Katze, die Katze, doch die Katze war nicht mehr, die Katze kam nicht mehr zur Schule, nicht mehr zum Winter. Zu dieser Schule in die das Kind trat, trat, hinein und wieder hinaus, hinein und immer wieder, immerzu, immerzu. Auf dessen Schulhof, diese Linie, diese Linie, die nicht überschritten, weil diese, ja diese, auf dieser Seite, auf einer Seite, die Linie die trennte, Kinder von Kindern das Kind und die eine Seite und Eine, die Einen, ja die Einen von Anderen von einigen Anderen die wieder getrennt waren und wieder sich trennten vom Einen und vom Anderen, ohne Wissen und ohne Verstand trennt und getrennt wie der Himmel darüber und der Hof darunter, der Hof der lag, der Hof der fiel vor der Schule und vor das Kind das fiel, auf dem Hof vor der Schule und es sah hinunter in den Himmel und es kannte und erkannte die anderen Kinder, den Winter und die Schule. Von der Schule zur Straße, der Straße mit dieser Linie, der Linie der Bahn die hin und her fuhr und der Linie des Glaubens derer die glaubten und derer die wussten, die erkannten, diese Linie die keiner sah und jeder wusste die Linie die jeder glaubte. Und das Kind betete, betete im Haus und betete zum Essen, betete zum Aufstehen, betete am Mittag betete am Abend zum Schlafengehen. Da stand das Kind, stand an der Wand, stand in der Ecke, stand, stand und stand, das Gesicht zur Wand. Es lernte, es lernte von der Schule und vom Leben, lernte von Ravensbrück und von den Hitlerjungen, lernte vom Steineklopfen und vom Beamtentum, lernte und lernte und vergaß, vergaß und verdrängte, so vieles Lernen von Himmel und Garten, von Glauben und Schule und dem Ziel zum Priester, zum Kreuz, zum Jesuiten, zum Priester, da stand das Kind, das Kind. Und hart schlug der Winter, der Winter der Schule, hart traf der Winter der Winter der Schule. Und das Kind, was tat das Kind? Es lernte, es lernte durch der Schule und vom Leben, lernte durch Ravensbrück und von den Hitlerjungen, lernte vom Steineklopfen und vom Beamtentum, lernte und lernte und vergaß, vergaß und verdrängte, so vieles lernen von Himmel und Garten, von Glauben und Schule und dem Ziel zum Priester, zum Kreuz, zum Jesuiten, zum Priester, da stand das Kind, das Kind. Das Kind ging hinein ins Haus und hörte draußen die anderen Kinder und es trat hinaus zu den anderen Kindern und so ging es Tag um Tag, Monat um Monat und Jahr um Jahr und es erkannte die Lage. Es erkannte den Stand des Hauses, des Hauses im Süden, im Süden von Süden. Wo von Süden die Paunelle durch den Süden bog in die Stadt, zur Stadt und es sah in die Stadt,, durch die Stadt, es trat an die Brücke, die über der Stadt einen Bogen machte, über der Stadt und über den Gleisen, deren Züge darunter herfuhren in alle Richtungen, in alle Richtungen, die Richtungen der Propheten, der Propheten des Kindes die Richtungen aller Welten Kind sind wir, Kinder sind wir zwischen Himmel und Liebe, Kind auf einem Behälter für Streusand, unten, oben, oben, unten im Paradies am Vorhof von der Brücke bis zum Weiher, vorbei an Bahndamm, an Trasse und Zügen, Feuerzügen und brennenden Ginsterbäumen und Goldregenbäumen und Kohlenrutschen und Kirmes auf den Tennisplätzen, Kirmes immerzu, immerzu Kinderkirmes auf den Plätzen. und Tag und Nacht und Kohle schwarz von Kohlenrutschen, Bahndammrutschen immerzu, immerzu, Messerspiele nach Kanada und erst Kind, erst Bub, erst Knabe, frei zur Liebe, Knabenliebe um Gottes Willen, schauten in den Himmel, zufrieden waren gesund bis dieses eine Mal bei diesen Epidemien, Epidemische Kinderlähmung und Polio als Kind, Kind. Zuhause Witze auf den Tischen, Kriegsgeschichten beider Weltkriege. Schöne Geschichten, keine Trauer trotz der verlorenen Beine und Mittagspausen unter dem Dach auf Brandbomben, alles vorbei, alles friedlich, alles vorbei, alles noch nicht vorbei und noch nicht vorbei Kind, und das spielen von Liebe und erster Erotik und Kennenlernen in Hundehütten und zwischen Brennnesseln, auch sie war Kind, wie das Kind und das Kind wie Kinder geschaffen frei und nackt und erkannten sich, gegenüber und ich und du für einen Pfennig, das Trinken von vergorenem Holunderwein, zu stark für Kinder wie das ausnehmen einer halbverwesten Schildkröte unerreichbar, unerreichbar für das Kind das ihr folgte, ihr folgte schneller, doch konnte das Kind sie niemals erreiche wie den Ort, den Ort, der Straße, des Südens, der Paunelle die es niemals sah, denn sie war tiefer noch, tiefer als das Kind und das Viertel den es nicht verließ und nie verließ, Niemals, niemals verließ, blieb, blieb
Bis es stieg aus dem Leib, trat aus dem Leib der Mutter da griff, griff den Nabel, griff die Schere und schnitt, schnitt den Nabel, trennte, trennte das Kind von der Mutter, ging aus dem Haus, trat aus dem Haus, dort stand es draußen, draußen vor dem Haus, auf der Straße. Im Süden.



© 2006 MANFRED H. FREUDE









Kaffee Satz

Ich bestelle Espresso
warte ein halbes Leben

Hinter mir geht die Sonne auf
- am Abend ein Teelicht,

im Kaffeesatz erkenne ich
mein verlorenes Leben.

Ich zahle und sterbe
als hätte ich ihn mitbestellt



























Gedichte
Manfred H. Freude

LYRIK Autorenlesung
Manfred H. Freude vom 27.09.2006
Haus der Dommusik Aachen

Gedichte

Gedichte






Manfred H. Freude

LYRIK Autorenlesung
Manfred H. Freude vom 27.09.2006
Haus der Dommusik Aachen
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Gedichte

Die Welt ist eine Scheibe!

Je stärker es dahinter dunkelt
spiegelst du dich, erkennst
du deine Seele – im Gedicht



Mein Gedicht ist eine Scheibe

Mein Gedicht ( als Welt )
ist eine Scheibe ( aus Glas )
Ich bedeute ( durch ) die Scheibe
Man erkennt, glaubt, sieht ( Theorie, Wissen ) durch diese Scheibe.

Mein Gedicht ( die Welt ) ist -
- „das sich in dieser Scheibe Spiegelnde „
( Doxa, Meinung )

Das Deutbare ist nicht Eindeutig, nicht Begrifflich.

Lese meine Gedichte: Reflektiere, bilde die Ausnahme, empfinde, betone.



Manfred H. Freude

LYRIK Autorenlesung
Manfred H. Freude vom 27.09.2006
Haus der Dommusik Aachen
Gedichte


Gedichte

EDITION FREUDE




G E D I C H T E
GEDICHTE aus einer Hand

Manfred Hubert Freude Aachen
Erste Gedichte 1968. Neuere Gedichte ab 2002; ab 2003 erste Internetveröffentlichungen Gedichte, Gegenwartslyrik, Lyrische Texte, Heiku, Zitate, Storys, Essays, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik
Debüt 2005 Lyrikband: Keine Genichte – Alles Gedichte


Schreibt über WORTE, über Gedanken, über Zeit und Zeiten, über Tod, Abschied und Einsamkeit und den WEG – SINN - Liebe – Kunst – Vergänglichkeit – Chorgesang – Politik – Hoffnung – Leben

Homepage: www.myblog.de/freude



Manfred H. Freude

LYRIK Autorenlesung
Manfred H. Freude am 27.09.2006
Haus der Dommusik Aachen
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Manfred H. Freude


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