LYRIK POESIE DICHTUNG

Wahrheit

Wahrheit
Von Manfred H. Freude
Die Philosophie sucht nach (der) Wahrheit - und hat bis heute nur eine vage Menge, miteinander streitender, Wahrheiten gefunden. Jeder Mensch hat jede Menge Wahrheit und jeder verkörpert objektiv seine eigene Wahrheit. Zwischen Wahrheit und Wahrheit besteht eine tiefe Kluft die zunächst unüberwindbar scheint. Aber es scheint auch nichts zu geben, was das menschliche Gehirn nicht überwinden könnte. Die Wahrheit ist also lediglich das, was wir selber denken. Aber Achtung, nicht das was wir denken zu denken, sondern das was wir nicht wissen, das wir es wissen. Alles was wir reden und ausdrücken ist schon nicht mehr wahr, weder für uns, noch für den Anderen der das Gesagte erst einer Prüfung unterzieht. Wir können es allerdings für wahr halten, oder es für wahr ausgeben, oder noch soviel dazu erzählen, dass es anscheinend wahr sein könnte. Wir könnten ein Buch darüber schreiben und so gesehen sind alle Bücher irgendwie Romane. Der Schriftsteller hat die Handlung so oder so schon erlebt oder einmal gehört und sie scheint wahr zu sein; aber seine Geschichte ist natürlich völlig frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen. Selbst ein performativer Akt ist niemals wahr und eine Handlung, wie eine Eheschließung, ist nur aufgrund konventioneller, kultureller Vereinbarungen bindend wahr. Wir dürfen dann einfach nicht denken. Sobald wir denken, müssen wir erkennen, das eine Hochzeit nur Firlefanz ist, so wie wir das Tragen des Kopftuches oder verschiedene Beerdigungsriten nicht verstehen können. Alle Dinge die wir aussprechen, nehmen wir aber aus guten Gründen für Wahr. Boris Groys der das Buch über die Einführung in die Antiphilosophie schrieb wurde in Ost-Berlin geboren. Hier musste ihm doch wohl schon aufgefallen sein, dass für West-Berlin eine völlig andere Wahrheit galt. Was ist das überhaupt, ein Anti? Sitzen alle im gleichen Boot und sind dann Antiruderer oder was? Kommt Groys am Ende doch zu keinem Ergebnis, was die Antiphilosophie ist, so gibt es zwei Wahrheiten. Erstens, er schrieb ja nur eine Einführung in die Antiphilosophie oder zweitens im fiel auch bei seinen Recherchen keine weitere Lösung ein, es gibt eben eine Philosophie und eine Antiphilosophie. Wie beim Parmenides gibt es das eine das ist und das eine das nicht ist. Doch dessen Göttin behauptete schon, die Menschen sind blöde, weil sie MEINEN mit WISSEN verwechseln. Nun gibt es aber eine Lösung für Herr Groys. Das ist nicht die ungeschriebene Leere des Platon, über die man nicht schreiben könnte, und auch nicht Wittgensteins, worüber man nicht reden kann, davon müsste man schweigen. Es ist das, was in der Weiterentwicklung der Kantischen Vernunft, oder besser in deren Entwicklung, sowie in den Sprachtheorien Wittgensteins, Austins, Russel, zu kurz greift. Man besitzt die beiden Möglichkeiten, entweder man redet oder man schweigt. Man könnte in jeder Form Wahrheit herausholen. Die Philosophie ging dahin, das sie auf der anderen Seite das Schweigen als ein Reden interpretierte und das es eine nennen wir es Letztbegründung oder besser nur X, nicht gibt und darüber kann man auch nichts aussagen. Diese Konsequenzen kann man heute nicht mehr so halten! Lassen sie es mich so sagen: Wir sagen nie etwas ganz. Alles was wir sagen oder nicht sagen ist nichts. Die Wahrheit kennen wir letztlich wie o. a. selber nicht. Wir schreiben ein Buch, sagen wir über Antiphilosophie, wir wissen hierüber sehr viel und können sehr viel schreiben. Aber wir wissen eigentlich nichts und was viel interessanter ist, wir sagen und schreiben auch nichts, denn wir müssen uns diese Sätze selber interpretieren und der Leser (Was wir womöglich auch noch beabsichtigen) muss aufgrund unseres Buches seine eigenen Gedanken machen. Selber interpretieren und denken. Das heißt, wir können mit einem Wort, einem Satz, oder einem Buch eigentlich nichts anfangen. Es sagt uns Nichts, es ist wie eine Erfurter Raufasertapete. Erst wenn wir uns damit beschäftigen, unser Vorwissenherauskramen, weiter informieren können wir aus den Brubbeln auf der Raufasertapete einen Sinn entwickeln. In dieser Zeit aber entsteht eine zeitliche Differenz, von Sekunden bis zu Jahren. Diese nenne ich Schweigen (Schwaigen). Wir können selber nicht erkennen, was wir sagen, wir müssen es interpretieren. Boris Groys erklärt es dahingehend, dass es zweieiige Zwillinge sind, die Philosophie und die Antiphilosophie. In jedem Ding steckt auch das Antiding, wie auch in jedem Reden das Schweigen implizit enthalten ist. Es ist aber das, das beide vom gleichen Stamm sind, eine geniale Metapher. Das Reden ist nämlich das Schweigen! Sowie das Hören ebenso das lautlose Nichts ist! Und doch entsteht aus Beidem, aus Schweigen und aus Nichts, so etwas wie Denken und Welt, mit allem was der Fall ist, ein steter Nachschub im Warenhaus der Ideen. Wahrheit ist was der Fall ist, Wahrheit hat man nicht und sagt man nicht, Wahrheit muss man erst erkennen durch Prüfung. Es ist nach Austin nicht so, das unsere Sinne getäuscht wurden, wenn wir etwas falsch erkennen, als vielmehr haben unsere Sinne etwas falsch erkannt! Wir glauben wenn wir etwas wahrnehmen, das wir es Wahr nehmen, weil wir es erkennen. Wenn wir aber als ein Beispiel das hierhin passt, das Wort hermeneutisch so lesen, als hätten wir hermetisch gelesen. Wir haben uns also einfach verlesen. So gehen wir davon aus, dass dieses falsche Wort, richtig war. Wie können wir dann erkennen und sagen, das Richtige Wort sei wahr, wenn wir nicht einmal sicher sein können, dass wir uns nicht verlesen haben? Wir können also niemals sicher sein, ob wir das Richtige sagen. Wie können wir dann ernsthaft etwas sagen? Alles was wir sagen muss unser Verstand erst einmal prüfen, ob und wie, wir etwas Wahr nehmen. Das Wahre ist ständig im Streit zwischen Schweigen und Nichts. Der Augenzeuge hat etwas gesehen, aber das was er gesehen hat sind nur Sinnesdaten und er kann sprachlich nur aus diesen Sinnesdaten schöpfen. Alle Menschen sehnen sich nach einem wahren Wort. Aber, sie wissen im Grunde ihres Herzens, sie werden es nicht finden! Es gibt kein wahres Wort! Wir belügen uns immer, aber wir leben gut damit. Wir erkennen Wahrheiten über unsere Sprache hinaus. Wir bleiben alle immer Sklaven. Jeder Mensch auf der ganzen Welt braucht dieses Buch! Keiner kann sinnvollerweise sagen, das er es nicht braucht. Man müsste ihm sagen, er rede Unsinn. Warum? Das steht alles im Buch, aber wenn er es nicht gelesen hat, ist er auch nicht glücklicher, er weiß dann auch nicht, dass er Unsinn redet. Vor allen Dingen weiß er nicht was hier Schweigen und Unsinn bedeutet. Aber das hieße ja, das im Buch auch alles „Unsinn“ stände. Im Sinne des Buches ja, den Sinn den versuchte der Verfasser zu vermitteln und den wahren Sinn, den gibt der Leser seinem Sinn hinzu, das ist die Erkenntnis diese Buches. Wer aber sagt, das hätte er schon immer gewusst, der hat sich noch nicht seinen nächsten Satz betrachtet. Wer mein Buch: Schweigen und Nichts gelesen hat, kann zu jedem sagen: Ich habe dich nicht verstanden. (Sollte dieser aber antworten, in dem er ihn für dumm erklärt, müsste man allerdings erwidern, er habe nur Unsinn geredet.) Adam glaubt auf der Wiese ein Schaf zu sehen ist der Satz wahr oder nicht wahr. Eine Lösungstheorie des Problems heißt, es gibt keine sinnvollen wahren Sätze, es gibt nur einfach Sätze, es besteht keine Frage von Wahr und Falsch, eine Behauptung kann man nur Falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Die Aussage: dort auf der Wiese steht ein Schaf ist dieser Satz Wahr oder Falsch ist keine Frage; es ist kein sinnvoller Satz in Vertretung dieser Frage Das ist pro Nase und immer wie beim Schöpfer: das Lachen (das Lachen ist immer einzeln, nicht wie weinen, niesen, hören, sehen, sprechen usf. die immer noch ein Zusätzliches z.B. das Denken voraussetzen) ist das überall und immer, immer nur einzeln, hier und dort, nicht gleichzeitig beim Frager und beim Objekt. Eine Theorie lautet, es besteht keine Frage von Wahr und Falsch, die Feststellung ist nur ein leerer Satz, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Die Aussage z.B. dort steht ein Schaf, bedeutet nichts und fordert nicht zu einer Lösung heraus, es ist einfach nur ein Satz (Austin, Wittgenstein). Sollte man die Frage stellen: ist dieser Satz wahr oder falsch, setzt dies schon ein Nachdenken und im Grunde auch eine Antwort voraus. d.h. sage ich: die Antwort ist wahr, so stelle ich wiederum eine Behauptung auf, die gleichwohl sinnlos ist und keine Beantwortung erfordert, weder besteht ein Wahrheitsanspruch, noch ist dies ein sinnvoller wahrer Satz. Man kann diese Frage oder Aussage nur durch ( Popper ) falsifizieren, beantworten; d.h. ich kann nur feststellen das oder ob die Behauptung falsch ist. Niemals das sie richtig ist. Auch dann nicht wenn ich alle Möglichkeiten von Falsch ausgeschöpft habe. Beispiele: Die Aussage z.B. dort steht ein Schaf. Dies ist ein sinnleerer Satz. Ohne Sinn dahingehend, wenn ich frage, ist er wahr. Es ist nur ein Satz (Wittgenstein). Wenn ich wissen will ob er wahr ist muss ich die Frage stellen: ist er wahr, das wäre ein anderer sinnloser Satz der nur zu beantworten wäre wenn ich überprüfen würde ob der Satz falsch wäre, also prüfe ob es kein Schaf ist. Höre ich eine weitere Aussage: Auf der Autobahn A4 gab es einen Toten. Dieser Satz ist sinnlos, sie erkennen es dass er keinen interessiert. Er interessiert erst wenn ich weiß, Herr Adam war auf dieser Autobahn unterwegs. Nun kann ich immer noch nicht sagen dass der Satz wahr ist, ja ich könnte nicht mal sagen er wäre wahr wenn ich wüsste es wäre Herr Adam. Um die Frage korrekt zu beantworten suche ich den Fehler, d.h. ich rufe Herrn Adam an, weiß nun es ist nicht Herr Adam und keine weitere Frage ob der Satz wahr oder falsch ist. Ein weiteres Beispiel: Der mit den 5 € in der Tasche bekommt den Job: Er macht die Aussage und weiß er hat 5 €in der Tasche. Für sich braucht er nicht die Frage wahr zu stellen, er weiß ja, er hat. Genauer müsste er sich die Frage nach Falsch stellen, es könnte ja sein er hat ein Loch in der Tasche. Seine Frau kann ja ebenfalls nicht fragen wahr oder falsch, sie glaubt ja ein anderer hat die 5 € in der Tasche. Wahr Im Tod sind alle Menschen gleich und Mann und Frau im Leben So wird ein Kind und Tier und Wesen im mörderischen ruht der Mensch Und sind sie gleich wie Mann und Frau So wie im harten Kampf und Folter Zum Himmel riecht verbranntes Fleisch das Kreuz ist gleich für alle Opfer Und wessen Herz nicht hart geworden der hat noch keine zeit gelebt wer mit dem Grundschrei wird geboren der hat Gewalt bereits gespürt Im Tod sieht man des Tigers Auge bei dem das Leben wurde verschlafen für des Lebens letzten Wille steht die Frage ob alles wahr Vom WAHREN SINN DES LEBENS. Wenn die Zwerge Schatten werfen bei tiefer Sonne, treibt es die Riesen aus ihren Hütten, wieso kann ein Sorgloser nicht auch ein Schmuckstück finden in hohem Gras? Niedrigkeiten sind stets vom Höchsten. Wenn ein Apfel fällt drei Straßen weiter vom Baum, in einen gepflegten Vorgarten, baut eine einzelne Schwalbe ihr Nest nur den Sommer, den kann sie nicht bringen, Artig das Einzige zu beginnen. Wenn ein Spatz unter ausgereckten Armen, die hochgehobene Hand, nicht kann finden, wird sich die Taube nie in die Lüfte bewegen. Wenn alle Dächer voller Raben sitzen. Größer ist, die Hand zu beseitigen. Wenn in den Tollhäusern der Geschichten, die alten Märchen gesungen werden, die Reime und Fabeln der Philosophen, dann ist endlich die Zeit gekommen, wo alle angetrunken sind vom wahren Sinn des Lebens

| © Manfred H. Freude, 10.10.2009 Nr. 33

8.2.11 15:44

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