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FREUDE

(ISBN: 978-3-86858-188-1<)
wurde bei Shaker Media Gedichte Top1000 test

Parmenides und Schweigen und Nichts

//Schweigen und Nichts / Parmenides


Wenn Eins nicht ist, dann ist Nichts.
…alles auf alle Weise ist und nicht ist und
scheint sowohl als nicht scheint.
166a Platon Parmenides

Wenn also eine Rede (nehmen wir es einmal an) Nicht Ist; das heißt, es wird nichts ausgesagt, so ist NICHTS. Eine Rede die nicht ist. Ohne aber, diese eine Rede, sich etwas vorzustellen, was gemeint sein könnte, ist schwer. Es bedarf eines Nachdenkens. Ein Denken von dieser einen Rede evoziert, erwartet keine neue Rede. Es zerfällt in Schweigen. Mit Abstand zu dieser Rede, scheint der Inhalt Eins zu sein, zusammenfassend bezeichnet und ähnlich zu sein, mit dem Abstand des Redners zum Thema. Beim Näher - kommen des Denkens, zum Inhalt der Rede, wird die Rede zu Verschiedenem, verschiedenartig. Der Schein von Verschiedenem und bei weiterer Reflexion, der Rede immer unähnlicher. Wenn ein Mathematiker über eine Zahl spricht, ohne Erklärung woher und wie die Zahl entsteht, sei es zwei oder drei; wenn es aber nicht mal seine Grundursache, nämlich eins an sich hat, so fehlt der Aussage das Wesentliche. Die Zeit und die Geschichte muss aufgehoben werden. Die Zeit ist der wichtige Abstand, den wir der Rede zumessen müssen. Der Urzeitmensch, der das Tier an die Wände der Höhle malte, gewann den benötigten Abstand. Er zeigte, wie die Tiere draußen waren, ohne nach draußen zu müssen. Der heutige Film oder das Fernsehen schaffen noch größere Nähen oder Fernen. Die Dinge können uns näher erscheinen, aber auch ferner erscheinen. Das Bild eines hungernden Kindes in Afrika mag uns sehr fern sein, das Bild einer stillenden Mutter in Afrika kann uns sehr nah sein. Der Fluss verändert sich, wir verändern uns aber gleichzeitig auch. Es ist also nicht die Rede, die direkt bei uns ankommt, wie es auch nicht der gleiche Fluss ist der bei uns erscheint, während wir uns ebenfalls verändern. Die Dinge scheinen uns also nur zu scheinen. Das Eins-Nichtseiende ist, und ist nicht, wechselt und wechselt nicht. So scheint es. Welt entsteht nicht mit der Rede, sondern die Welt entsteht außerhalb der Verständigung. Welt entsteht nicht mit dem Tier draußen. Sie entsteht zwischen dem Abbild und der Außenwelt. Die Differenz ist das absolute Nichts. Es steht zwischen dem Sein und dem Nicht-Sein. Es ist die Welt des Werdens, ist der Schein des Seins, einem „könnte-sein“. Der Schein ist nicht das Sein zum Erscheinen, es ist die Differenz zu relativieren, er deutet auf das Sein. Nicht die Namensgebung in der Beschreibung. Erst war das Unbenannte und dann erhielt es seinen Namen, sondern in dieser Namensgebung sondert das Sein in Vereinzelung. Die Welt in der Rede ist nicht die Welt einer Schöpfung aus dem Nichts, sondern die Aufgliederung und Ordnung erfolgt durch erst Benennung. Ein Akt des Unterscheidens, einem Ordnen durch Vermischung
Das Licht, als Sein, vermischt sich mit lichtloser Nacht. Durch die Namen erfolgt die Mischung.

Göttin des Parmenides


Alles was ich sehe
kann ich nicht sprechen
Schweigen über dieses
was wir alles für wirklich halten

Haltet mich für Befangen –
Muss alles Nachfragen:
meiner Göttin die mich leitet
die ich von Parmenides
übernahm

Was Wichtigeres
In der Sprache ist der Grenzstein zu dem sich die Sprache bewegt oder der Weg den sie bis dahin zurücklegt?
Viele Wege lehrt Parmenides,
so, das Viele und das Werden
steht auf der Seite des Nichts
Dieses Nichts aber ist immer noch Etwas.
Dass, was wir aus dem Lehrgedicht erkennen, findet keinen Ort.
Wir sollten ihn zu denken versuchen.
Wenn wir aber weiterdenken, werden wir sehen, das Parmenides, zwischen seiendem und Sein eine Differenz zwischen beiden verschweigt. Die Differenz
Ist Nichts, ist das Schweigen.


Parmenides

Wohin soll der Weg führen, wenn nicht Vertikal? Von oben nach unten oder von unten nach oben? Kann es auf einer Kugel oder dem Nichts einen horizontalen, geraden Weg geben? Der Weg kommt aus dem Nichts und führt in das Nichts. Aus dem All-Gemeinen und führt ins All-Gemeine. Der Weg kommt aus der Nacht und führt in das Dunkel der Unterwelt. Singe dem Gram, der länger anhält als der Zorn. Im Schein bleibt die Erkenntnis des Nie - Erreichbaren. Ohne eine Hoffnung auf irgendein Licht steigt der Mensch zu sich selbst hinab. Die Sprache des Gastes auf Erden gerät zum Verstummen auf dem Pfad. Der Weg führt von Oben nach Unten. Je tiefer die Sprache geht, je mehr gerät sie zum Verstummen. Das Vergessen ist ein zu-sich-kommen. Der Sprechende als Schöpfer (Gott) würfelt. Der Sprechende erklärt den Wurf. Die Worte als ein Zufall. Der Zufall wird erneut zur Hand genommen. In die Hand, ein jeder Gedanke, bei dem der Atem gefriert. Er gräbt (Elisengarten) bis zum Punkt des Möglichen gedachten. Die Angst beim Weitergraben etwas zu entdecken, das sich nicht mit dem bereits erkannten vereinbaren lässt, dem Flüssigen, dem Gemischten Lässt die Grabenden mit ihrer Arbeit Stoppen. Ich und Du, sind versöhnt. Das Gold im Innern wird flüssig. Hiermit kann jeder Baum und jeder Stein vergoldet werden. Der Weg nach unten führt in die Vergangenheit, in die Erinnerung, ins Schweigen und Vergessen. Bevor das Gold flüssig wird, bleibt ein Rest der Worte implizit bestehen. In sich gehen heißt in die Tiefe gehen, heißt wieder auftauchen am oberen Punkt der Leiter, die wir umstoßen. Die Dichtung muss zwischen Schein und Schein unterscheiden. Was uns nah scheint, scheint uns vertraut. Gold hat Gegenwart, vergoldet ist Scheingold. Tief in der Kälte des Dunkels schreit das Gold nach Erlösung. Hält Erinnerungen wach. Es gibt keine Versöhnung, noch eine Zuversicht. Weder der grabende noch das Grabende werden das Leblose in das Reich der Kunst bringen. Der Weg durch das unheimliche Tor führt nur zu sich selber zurück. Der Weg in eine andere, gleiche Welt einer Matrix. Mag es vielleicht diesen Weg des Parmenides durch dieses Tor geben. „im Akt des Weglassens überlebt das Weggelassene als Vermiedenes wie in der atonalen Harmonik die Konsonanz.“ (Adorno). Abstieg-Rückstieg-Heimstieg. Was Wichtiges, ist in der Sprache, der Grenze zu der sich die Sprache bewegt oder der Weg, den sie bis dahin zurücklegte.
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21.4.10 13:14

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