Zensur
Zensur.
Ein Zeichen dafür, dass gerade Lyrik von besonderem Interesse scheint, zeigt die Tatsache, das man diskutiert, wie Lyrik zu rezipieren ist, wie Lyrik der breiten Öffentlichkeit näher gebracht werden kann. Wie man Antologien zu gestalten hat. All das läuft Letztenendlich auf eine Bevormundung heraus. Man stellt Kriterien auf, diese führen Letztenendlich zu einer modernen Zensur. Wie überhaupt die Dichtung heute einer öffentlichen Zensur unterliegt. Die bloße Beurteilung von Gedichten jeder Qualität ist eine reine Kritik ohne jeden Bezug zur Intention des Dichters. Teilen sich gerade einmal fünf Verlage das Geschäft mit dem Kanon deutscher Gedichte. Es teilen sich fünf Verlage die namhaften deutschen Dichter. Die anderen, etablierten Verlage, die sich gerne mit einem namhaften Dichter schmücken würden, untergraben weitverzweigt die deutsche Lyrikpreislandschaft, indem sie ihre Lektoren, Agenten in die Preisgremien, die Feuilletonetagen und Rezensionsebenen einschleusen und somit gewaltig, als eine geheime Zensurgemeinschaft, sich jeweils, ihren zu preisenden Dichter formen. Sollte einmal ein großer unabhängiger Preis verliehen werden, schreien diese Topverlage am lautesten, wenn es nicht einen ihrer Künstler trifft. Soweit die deutsche Dichtung im deutschen Verlagswesen, woran sich seit über zweihundert Jahren nichts verändert hat. Der Dichter lebt seit eh und je mit der Zensur. Wer versucht sich ihr zu unterwerfen läuft lebenslänglich, vergebens vor ihre verschlossene Türe.
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