Schönste Afrika
Schönste Afrika
Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
es brennt und brennt und brennt
mein makelvoller Körper
Dein Stolz mit wehendem Gewand wie
Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich
Bleib diese Nacht und auch die Anderen
Im Dunkel meines Herzens
werde ich weinen um dich
und früh die Milch von deinen Lippen trinken
Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
Es brennt und brennt und brennt
Mein unheilbares Herz in Tränentrauer
Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen
Wann werd ich ruhen noch dort schlafen
Die Schatten die dein Land bedeckt
In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden
Barfuss wie sie gekommen waren
Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
Es brennt und brennt und brennt
Ich höre deine Trommelschläge rufen
Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen
Von den Palmen die du einst gepflanzt
Fallen die Worte wie reife Nüsse
Es brennt jedes Zitat und schmerzt
Es ist dein eigener Kelch
Du schaffst dir selber deine Qualen
Süße Honigmilch
trinken und trinken und trinken
aus deinen schwarzen Kalebassen
die süße Honigmilch Afrikas
Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen
Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge
Schicke deine Kläffer zu den Kühen
trinken und trinken und trinken
aus deiner jungen schwarzen Milch
der süßen Quelle die mein Gedicht
Am Abend wenn du spielst das Spiel
werde ich schreien in die Nacht
bis der Panther lauscht
Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch
trinken und trinken und trinken
aus deinen schwarzen Kalebassen
den öligen Saft deiner Haut
den Saft deiner süßen Frucht
Die reif ist wie dein duftender Körper
der meine Augenlichter jeden Tag versüßt
Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein
Texte wachsen
Ich weiß nicht ob die Texte wachsen
Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren
werden, gerade aus der Pflanze wachsen
wie leer ist doch ein Blatt und aderlos
Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.
Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr
Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich
Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt
das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.
Es reicht nicht an das heilige Wort heran
vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.
Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar
höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen
Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.
Was der Toten Gedichte
und trete ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei
was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN
die lebenden haben doch ohnehin keine zeit
nur die toten sind noch an Gedichten interessiert
die toten nehmen sich noch zeit
aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen
und tragen ihre Schatten zur Kunst
und tret ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei
tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend
nur dort kommen die besten Gedichte zusammen
lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten
und aus den tiefen hören wir die stimmen
die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß
und tret ich doch in dieses land
das so rein so rein wie klares Wasser sei
was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden
CIELO himmelsblau
Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht
den ewig hohen den unendlich blauen
Es sind schon viele aufgefahren
und kamen nicht zurück
und auch die untergingen fielen tief.
Wer sucht schon selbst den Himmel aus
der ständig weint und brüllt
und wenn er schlägt mit seinem Zorn
Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?
Nur an den Straßen gibt es Halt
doch warten wir doch vergebens oft
Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.
Ich bin nicht unter diesem Himmel
Ich bin nicht unter diesem Blau
Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern
DVORAK Messe in D
Vom Kyrie Eleison bis Pacem
klagen wir betrübt das Göttliche
in die blühenden Töne
Weiterblättern zwischen Dornen
Schöpfen den Fluss
die harten Balken zu tränken
Wie schön die alte Orgel erblüht.
Im Segen des Gesangs steigen die Töne
Zwischen den Zeilen
Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom
Lasst noch einmal klingen MOLL
Wenn aber die Glocken läuten
in den Himmeln des Agnus Dei
Fallen Menschen auf die Knie.
Wie Engelschweben
Es ist kein Ton zuviel im Raum
Klagen wir betrübt das Göttliche
in die blühenden Töne.
Fraglos
Fraglos – Fraglos die
stummen Zeiten still
und wortlos
keine Antwort
Ungefragte Fraglos -
Stille, Atemräume
Fragloshauch im
Kältenebel sichtbar
Kein Ton atmet, Atemlos
ein und aus im Stimmenhauch
nur Gurgeln, Stammeln,
Stimmlos – Stimmlos
Fraglos
Kämest du wieder
Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages
die von Westen nach Osten fliegt
Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen
im frühen September eines schönen Tages
Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen
unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch
Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern
Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer
Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages
du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue
ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld
Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst
und nie mehr gehen von diesem Platz
Mein Herz stand über dir es war die Sonne
Keine Gedichte
Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
im Sprachzentrum
Nichts im Ewignichts
Gehörloses Wortspinnennetz
ohne Kopf
Dies sind keine Gedichte
gefüllter Zeilen im Trauermarsch
Schmetterlinge flattern
über den Gräbern
im Dauerschlaf
Jetzt sollst du träumen
und in Gedichte fliehen
Dies sind keine Gedichte
Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
auf diesem nackten Blatt Papier
unschuldig weiß
Dies sind keine Gedichte
die als Gedichte kommen
und wortlos gehen
und spurlos verschwinden
Narrativ kennt jeder
Narrativ
der Kulturkreis –
kennt jeder
das Allgemeine
das Erzählerische Wissen –
kennt jeder
aber
das wissenschaftliche
Wissen
das Wissenschaftliche,
beschäftigt die Mathematik
Zusammenhänge der Natur
theoretisch
sehr theoretisch
kennt jeder
Kindergarten 1953
Die kleinen Klapperschlangen spielten
hinter dem Strich der Reformation
Wir aber trugen Hirschleder
ohne wenn und aber
alles mit Jesulein und Ave Maria
gab’s Prügel auf dem Schulhof
hinter der Linie
bis aufs Blut
Viel Schlimmeres
Prügelstöcke nach verlorenem Krieg
das Schlimmste -:
Kakaogeld vergessen
alles Jesulein und Ave Maria
wenn sich die Klapperschlangen drehten
gab’s Nachsitzen
Kein Vergnügen
Selbst Spielen war Ernst
Aber heute noch sehe ich wie
die kleinen Klapperschlangen spielten
Leser
Wir, die Lesenden, kennen die Welt
die verkehrte Welt
nur aus unseren Büchern.
Wir, lesen doch mit beiden Augen
und leben doch in anderen Welten.
Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN
Wir, die Lesenden, kennen die Welt
nur von den Hörenden
erfahren sie
vergänglich und flüchtig
teilen wir uns alles mit
Was schon immer doppelt vorhanden
Wir, die Lesenden, kennen die Welt
Hier, nicht ohne den Unterschied
Wann und wo wir hinausgehen
von Innen nach Außen
entsteigt unser Gedicht
Dunkel dem Licht
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