Carte Blanche
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Carte Blanche
Irgendjemand jener verrückten Sonntage und kein Liegenbleiben. Hinein in die Kultur. Im Osten Fronleichnam. War ich zu früh, zu früh? Überrannte mich ambrosische Orgelmusik. Hob ich mein Haupt zum Gebet. Trat ich hinein, hinein zu dem Gebet. Welche Töne. Dieses Weiß, hoch von ich weiß. Hoch erhoben, Erhaben schaut auf mich herab. Ich unten, Weiß oben. Wusste niemand. Keiner ich war zu früh. Ich trat hinein, trat ein. Innen, ich war innen. Im Innern der Kirche, der Heiligen Fronleichnam. Ich schaute hoch. Oben, hoch, ich weiß, weiß. Carte Blanche zeigte man mir. Noch war das Gebet davor, vorher, es kam mir vor dieser Kommunion. Das Austeilen der Hostien, das trinken von Blut, meinem Blut. Es endete und es Begann als es Begann. Eintritt, es redete einer, einer von jenen. Jener der bestimmt war, bestimmt war zu reden von Kunst, von der Kunst, über die Kunst. Von Kunst und von Künstlern. Sprach er ins Mikrophon, man hörte es, hörte es genau. Er Sprach, der Raum füllte sich, füllte sich und verdrängte die Bilder und die Objekte. Bedeckten sie die Wände hörten und hörten und sahen und sahen nicht, hörten und hörten nicht, was der da sprach. Sprach von Kunst über Kunst weit, weit, fern von Kunst und die Kunst die Bilder und Objekte sind alle gerade oder gebogen, gebogen oder gerade, sprach vom Gebogenen und vom Geraden oder gerade und schön, schön das sie gekommen, gekommen alle, alle gekommen sind, sie die Menschen und mit ihnen die Kunst. Und er sprach wie ein Rocquefort. Weiß und faul anzusehen, abscheulich, verdorben, verschimmelt, unansehnlich, unappetitlich, ungenießbar, anzusehen nicht anzufassen und doch köstlich, lecker, schmackhaft, verführerisch, angenehm, nicht genug der guten Worte, der Schönen, der Ästhetischen. Die Kunst ist was sie isst, nicht was sie denkt, was alle denken, die hier und die nicht hier, nie dort und nicht dort. Kamen sie doch zu sehen, kamen sie zu sehen und gesehen zu werden. Zu treffen, zu treffen und getroffen zu werden, alle die gesehen werden, werden wollen und sich, sich, die gesehen werden wollen, gesehen sich gesehen. Sich und dahinter etwas von Kunst, das so aussieht wie Kunst und doch Kunst. etwas das wenig war, wenig und genug und doch nicht genug um früher aufzustehen aber nicht genug um gesehen zu werden, wie guten Tag. Ein guter Tag und dem Ergebnis für Künstler dabei zu sein und zu notieren, in Biografien dabei zu sein und unter vielen, viel zu vielen um Kunst zu sehen, dabei, nur dabei. Woher man auch kommt, wohin man auch geht. Man war dabei, ein Event, es ist ein Event, wie all diese Evente, Events, Event, ein Lichtlein brennt, es ist Event. Die Kunst, ach ja die Kunst. Wo ist die Kunst? Wo war die Kunst. Die Kunst war gegangen, ausgetreten, austreten. Die Kunst ist Tot. Die Kunst hat Not. Es gibt noch Sekt und Saft, die Kunst, die Kunst die ist geschafft. Man stößt noch an: Stößchen, Stößchen, man grüßt sich nur. Das ist die Kunst, das ist Kultur, und als ich diese Zeilen schrieb da geht es hin – Kulturbetrieb. Oben das Erhabene, unter das Schöne, schöne Worte, schöne Menschen, schöne Bilder. Das Gegenteil von Dichtung. Genuss und Schimmel gleichzeitig. Kunst und Nichtkunst. Warum noch Dichten frag ich in dürftiger Zeit. Es ist doch das Schöne das Lebt. Wer aber denkt er hätte dies verstanden und findet auch nur ein Wort, beweist, das er nichts begriffen hat.
Aachen, 2006-10-29 11:30
© 2006 MANFRED H. FREUDE
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