LYRIK POESIE DICHTUNG

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Alter: 59
aus: 5200 Aachen
 
Universität: RWTH in Aachen

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Bücher: Benn, Celan , Hölderlin, Bachmann, Heym, Neruda , Thomas,



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Paul Celan

Ein „schönes“ Gedicht

Anhand des Gedichtes Todtnauberg von Paul Celan
werde ich Versuchen mein Verständnis.
von Philosophie, Lyrik, Ästhetik und Ethik zu erklären.

Dies soll keine wissenschaftliche Bearbeitung des Textes werden, noch werde ich eine Interpretation des Textes liefern; ich bin hier an einer Meditation über den Text hinaus interessiert.

Es geht hier um die Wahrnehmung des Gedichtes mit der dieser verbundenen Ethik und der Ästhetik dieses Gedichtes.

Die Sprache eines Gedichtes ist auf die Wahrnehmung angewiesen.
Wird ein Gedicht nur als eine Abweichung der Sprachnorm verstanden so verfehlt das spezifische der Dichtung seine Absicht.
Im freien Spiel des Dichters gelingt eine menschliche Selbstüberschreitung.
Ein Spiel kann wie im Kinderspiel heucheln, es kann andererseits aber auch zu lernen führen.
Wahrnehmung und Vernunft verändern hierbei ihr Verhältnis bei der Suche nach einer Ethik.
Bereits aus ethischen Gründen verwarf Platon die Künstler, die Dichter.
Kant: Die Natur ist die Grenze, der Ort der Krise. Die Freiheit (Moral) ist das Schöne das Erhabene. Der Mensch aber ist frei dank seiner Vernunft Theorie-Urteilskraft-Praxis. Kant forderte auf selbst zu denken:“ habe den Mut dich des eigenen Verstandes zu bedienen“.
Wie sollte man dies besser beherzigen oder anwenden als bei einem Gedicht?

Ein Gedicht zu lesen ( ein Gedichtsurteil ) ist ein ästhetisches Urteil.
Die Bildung eines reinen Geschmacksurteils – ob ein Gedicht schön ist oder nicht; das Wohlgefallen ( Interesse ), das wir an einem Gedicht finden ist ohne alles Interesse.
Wenn ich ein Gedicht herstellte, von dem ich wüsste, das es niemand liest oder wüsste, es gäbe gar keine Menschen, die es lesen könnten, um hier zu sagen, das Gedicht sei schön, oder ich müsste meinen Geschmack beweisen; dies alles wäre nicht logisch.

Dies bedeutet ich habe zunächst kein Interesse ein schönes Gedicht zu schreiben, noch hat mein Erstleser ein Interesse ein Geschmacksurteil zu bestimmen.
Er steht dem Gedicht zunächst gleichgültig gegenüber.
Das Gefühl einer Lust oder Unlust am Gedicht rein subjektiv ästhetisch ohne logische Erkenntnis über Sinn und Form und Inhalt.
Es sieht schön aus, es scheint ein schönes Gedicht.

Nirgendwo spricht ein Mensch so konzentriert wie in der Dichtung.
Aller Ballast der allgemeinen Verständigungssprache ist entfernt.
Das Gedicht ist auf seine Zeichen ( Ampel ) reduziert. Die sofort erkannt oder auch erst durch Nachforschungen.
Hilfen sind hierzu das sprachliche klanghafte Zeichensystem, das über den Rhythmus, Bilder, Metaphern, Bedeutungen bis zu konstanten Mustern reicht.

Unterschiede finden wir im Gedicht, dessen Aussage wir gleich erkennen, wie den verrätselten, hermetischen Gedichten (Benn, Celan) die weitere Lektüren wie Lexiken, Pschyremble, Botanikbücher, etc. verlangen.

Wichtig ist bereits beim Dichten der Anfang: Karl Mickel: „Hier ist der erste Satz so wichtig wie die Startbahn für das Flugzeug: Es erhebt sich dort. Dann aber hat es den Boden verlassen ...“ Es startet in die verschiedenen Welten der Ideen.
Jeder individuelle Leser interpretiert das Gedicht in seiner Welt.

Einbildungskraft führt uns bei einem Gedicht weiter.
Die Einbildungskraft besitzt eine ethisch Verpflichtung gegenüber dem Anderen.
Produktive Einbildungskraft und sittliche Verantwortung sind keine Gegensätze.

Wir erkennen die Form, die schöne Form, nicht beim ersten Mal des Lesen oder hören und auch nicht die Struktur des Gedichtes.
Die Einbildungskraft hilft uns weiter bei Wiedererkennen ( Mimesis) sie stellt etwas her. Ein neues Gedicht
Wir kommen den Dingen näher, wenn wir näher und öfter und länger hinsehen
apprehendieren - Wie ist der Gedanke des Dichters dargestellt? Durch die Einbildungskraft und einem sehen von bildhaften Flecken erkennen wir ein Schema.
Dieses ist jedoch ebenso hart zu erarbeiten wie dem Dichter das Gedicht.

Beispiel: Ein Urlaubskatalog, alles schön und schöne Bilder und schöne Beschreibungen sehr wahr, aber wenn ich dieses sehr wahre nicht ganz genau lese, habe ich ein großes Problem.

Dass gleiche gilt, wenn ich Platon oder Kant nicht sehr genau lese, soweit dies überhaupt möglich ist.
Dieses Problem habe ich bei den Dichtern.
Es beginnt damit, wenn ich annehme, der Dichter meint mit diesem „ich“ sich selbst.

Der Dichter ist kreativ und schöpferisch, nicht nach vorgegebenen, sondern durch eigenen Genius schaffend.
Kant: „ das Genie, das der Kunst die Regel gibt“.

Die Form eines Gedichtes (als Begriff) vermag nicht der Einbildungskraft, der Sinnlichkeit zu entsprechen, wenn die Sprache nicht dem individuellen entflieht.

Ist ein Gedicht zunächst schön, hässlich oder verwirrend – das ist nur ohne Interesse.
Es verlangt der Reflexion
der Einbildungskraft
Ich muss zunächst lesen, sortieren – für Benn: Gedichte benötige ich einen Pschyremple für andere ein Botaniklexikon usw. und dann vielleicht, dann erkenne ich einige Bildflecken die ich zusammenführen kann zu etwas das mir Sinn zu geben erscheint.

Den Zusammenhang von Ethik und Ästhetik verbürgt die „freie“ Tätigkeit der Einbildungskraft.
Hierbei ist der ästhetische Blick auch auf Dinge der äußeren Welt zu richten.
Wechsel von Ich und Nicht-Ich, Subjekt und Objekt, Innere und Äußere Welt. Der Mensch, kraft seiner schöpferischen Einbildungskraft erzeugt eine Vielfalt, durch die er zum Genie wird.

Das Schöne an dem / einem Gedicht ist zunächst einmal die Abweichung.
Abweichung, die es von normaler Sprache abhebt – das hört sich gut an. – oder es erzeugt Verwirrung.
Hier muss sich intensiv mit dem Gedicht befasst werden.
Poetisches Sprechen ist unschuldig, frei pragmatisch.
Deshalb kann der Dichter schreiben, wie es seine Kreativität zulässt. Das normale Sprechen verlangt Ethik – ich meine es gibt keine Moral für das poetische Sprechen.
Das Gedicht ist nicht nur Literatur und Unterhaltung, es dient in erster Linie der Erkenntnis.
Das Gedicht unterliegt qualitativen Kriterien wie auch dem Geschmacksurteil.
Es bietet dem Konsumenten eine intersubjektive Erfahrung.

Wenn das Gedicht nur schön ist.
Die Worte bannen. Was ist noch verborgen, was ist noch ungeweckt in diesem Bann.
Auch dieses Unverständnis kann Leidenschaft wecken, wenn das Gedicht nur schön genug ist.
Der Anblick des Gedichtes ist ohne Interesse,
wenn ein Symbol oder ein Weg erkannt ist, beginnt das Arbeitsgedächtnis.
Wenn aber etwas sofort oder über die Interpretation neu erkannt ist beginnt das Feuerwerk im Gehirn.

Ästhetische Gesichtspunkte spielen für die Ethik keine Rolle

Die Lust teilt sich entweder den Sinnen oder den Reflexionsgeschmack.

Die ästhetischen Gesichtspunkte zu dem Gedicht
Todnauburg von Paul Celan:

Wir werden beim Lesen feststellen, das beim Eindringen in diesen Text wir in ein Labyrinth eindringen und uns verfangen.
Erkennen zunächst das es ein Gedicht ist, an seinem Verstext.

Die Frage lautet weiter handelt es sich hier um ein Gedicht oder um Lyrik?
Die Verskunst besteht aus Vers und Sprache.
Die Bildung eines Gedichtes ist zunächst unabhängig von Regeln.
Die Abgrenzung = "Definition" von Begriffen klärt durch ihre Abgrenzung von den anderen Begriffen.
Hierbei wird sich zeigen ob sich ein/dieses Gedicht gegen eine/die Definition/Abgrenzung, Klärung von Begriffen sträubt.
Dies stellt sich als äußerst schwierig, da sich das Gedicht nicht so ohne Weiteres
auf den einen Begriff bringen lässt.

Allein die erforderlichen Botanikkenntnisse, : ; erleichtern nicht den Einstieg in die Interpretation.

Es ist wie die Entschlüsselung einer Geheimsprache.
Wie bei der Entschlüsselung von Hieroglyphen steigt man tiefer in die Archäologie, in die Schichten des Gedichtes ein.
Wenn einem ein Gedicht gefällt, dann muss dieses einem Anderen deshalb nicht automatisch auch gefallen.
Geschmack ist subjektiv und oft eine Frage der jeweiligen Stimmung.
Wenn wir einen Wohlgefallen oder Missfallen an diesem Gedicht finden, ohne alles Interesse und dieses Gedicht so beurteilen, nennen wir dies Geschmack.

Für Kant gibt es wie er betont keine Geschmacksregel, die durch Begriffe bestimmen würde, was schön wäre.
Wenn uns das Gedicht ohne Begriff gefällt und erkannt wird, als Gedicht, so nennen wir es schön.


Literatur: Ethik der Ästhetik Akademie Verlag Christoph Wulf, Reclam Todtnauberg Celan, Interpretation Prof. Gellhaus

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Gesichter

Beurteilung von Menschen und Gesichtern
Bei deren Interpretation bei der Einordnung von Gefallen und Nichtgefallen ist der Mensch geleitet von Idealen und Regeln von denen er nicht abweichen kann. Diese Beurteilung und Interpretation von Menschen, Gesichtern und Körpern gilt auch für die Interpretation von Gedichten. Diese Interpretation folgt einer Regel und diese Regel ist allgemein. Das heißt sie ist über dem Durchschnitt nicht abweichend. Der Einzelne Interpret weicht allerdings von dieser Regel ab in dem er einzelne Dinge in seine Interpretation herein interpretiert. Dies darf er insbesondere nicht bei Gedichten. Eine genaue Interpretation darf und muss sich rein am geschriebenen Text orientieren. Der Interpret darf keinen Gedanken in den vorliegenden Text hinein interpretieren der nicht aus dem Text hervorgeht.

Das Gedicht als ästhetisches Gesicht!
Das Ideal eines Gesichtes, eines Körpers ist mathematisch berechenbar. Die Wahl eines durchschnittlichen ästhetischen Geschmacks wählt genau dieses Ideal. Andererseits ist es gerade das ein Individuum bei der Wahl seines Lebenspartners sich völlig entgegengesetzt seiner Natur, diesem Ideal gegenüber, verhält. Diese Idealauswahl begegnet jedem auch bei jedem Gedicht dem wir gegenüberstehen. Der Kritiker als Literaturwissenschaftler, Sprachwissenschaftler führt uns zu diesem Idealgedicht. Ist dieses Idealgedicht nun nur ästhetisch schön? Oder philosophisch, literaturpädagogisch, sprachwissenschaftlich durchgearbeitet? Das wirklich besondere Gedicht muss andere Kriterien aufweisen. Es lechzt nach dem einzelnen Individuum. Es will geliebt werden. Um seiner Selbst willen. Das gute Gedicht nicht nur wegen seinem Aussehen. Wegen seiner Vollkommenheit. Vielmehr wegen seiner inneren Werte. Es wird geliebt wegen seiner individuellen Werte die es von anderen Gedichten abheben. Die Frage lautet also, ist die Interpretation eines Gedichtes ein ästhetisches Urteil und das würde ja wohl bedeuten das hier nur interessenloses Wohlgefallen im Spiel wäre. Natürlich muss man bei jeder wissenschaftlichen Herangehensweise bei einem Gedicht zunächst von einer interessenlosen Herangehensweise ausgehen die dem Wesen eines Gedichtes widerspricht. Das Gedicht entzieht sich dieser Herangehensweise. Es ist kein Bauwerk an dem Man den exakten Schnitt nachweisen kann. Ein Gedicht ist ein Lebewesen es lebt im sich und wirkt aus sich heraus. Der Literaturkritiker und auch der Literaturpädagoge wenden jeweils sein Wissen und seine Technik an. Er kommt nicht einmal in die Nähe eines Gedichtes. Mit dem Anwenden dieser Methoden distanziert er sich vom Gedicht. Jeder Freund und Liebhaber des Gedichtes kann zum Gedicht vordringen. Ob nun die Einen das Mythologische ansprechen oder andere das Unbekannte, Göttliche zu Hilfe rufen. Es bleibt doch immer das Unbeweisbare. Wenn wir wirklich weiterkommen wollen, so können wir nur mit der Gegenwart beginnen die natürlich alles Historische bereits beinhaltet. Wenn wir ein neues Testament haben, wozu brauchen wir noch ein altes Testament.

Träume sind die Erfüllung von Wünschen
Diese Bestätigung seiner Theorie erkannte Siegmund Freud bereits vor 1900. Er bedachte nicht, dass sein Traum die Erfüllung seines Wunsches noch eine Bestätigung seiner Theorie war. Freuds Theorie tronte hier über das Unbewusste. Das Unbewusste ist aber nichts anderes als das mythologische Sprechen in der Dichtung wie das Sprechen der Götter im Himmel. Wie das Sprechen der Menschen auf Erden.

P.S. auch für Schweigen und Nichts …

Das Schweigen ist das methaphysisch-himmliche Geheimnis von Traum und Rausch.



Zu dem Gemälde die Schule von Athen
Sind nur noch Symbole längst verstorbener, vergangener Symbole für bestimmte Wissenschaften. Stehen, sitzen, liegen. Symbolisch für jeweils eine Wissenschaft auf die aufgebaut wurde, aufgebaut wie dieser Tempel; überdimensional erhoben, erhebend, nach Außen weisend. Nur das Wissen ist dargestellt. Keine Menschen! Die Wissenschaft triumphiert in einem Gemälde. Es kommt kein Wissen nur von oben, kein Wissen geht zum Himmel.


Das Schweigen als die Differenz
Die absolute Differenz zwischen sein und Nichts. Diese Zwischenwelt ist eine Welt des Werdens. Sie verhält sich wie ein könnte sein. Wie der Schein vom Sein im Sinne des Parmenides. Der Schein deutet auf das Sein wie der Blitz die Wolken mit der erde verbindet. Wie das Aufsteigende oder Absteigende Feuchte, Dunst oder Regen die Wolken mit der Erde verbinden. Denn die Quelle sollte nicht als Ursprung gedacht werden wie das Meer, in dem alles zusammen fließt auch nicht als das alleinige Ende gedacht wird. Es scheint nur so, es könnte sein; worüber wir sprechen ist nur unwesentlich. Es bedeutet nichts. Wenn ich das Schweigen als Schweigen bezeichne, dann gibt nicht bereits der Name die Bedeutung. Im Namen senden das Schweigen in seiner Vereinzelung in seine Fassetten sowie der Blitz nicht nur nicht nur der Name oder die bloße Erscheinung des Lichts vor der großen Finsternis ist. Durch die Bezeichnung erhalten wir die komplette Mischung. Mit Kauf von 500 g Tee eben eine komplette Mischung. Das Schweigen tritt nicht aus der Stille. Wenn es ja Stille wäre, wäre es ja Nichts. Es ist aber nicht mal ein Reden. Es ist die Erscheinung dazwischen. Man hat etwas gesehen, etwas erkannt, eine Erscheinung. Ein Engel, ein Blitz, das Aufleuchten eines Feuerwerks. Apparition. Zwischen der ätherischen Flamme, dem strahlenden Licht und der lichtlosen Nacht. Und nun tritt ein Schweigen auf das diese Dinge vermischt. Es hängt ein Spinnennetz vor dem lichtlosen Raum. Die darin verfangenen Teile werden geordnet. Der Akt des Unterscheidens beginnt. Das Wissen um das Ganze also die Rede oder die Stille ist nur Doxa. Ist nur Schein, ist nur bloße Meinung. Die Rede selber wird immer nur mit Schein erkannt. Das Schweigen aber ist ein Vermitteltsein. Etwas Geistiges von dem wir nicht reden können. Es ist absolut notwendig dass alles kommt und vergeht. Das auch das gesprochene Wort und der gesprochene Satz kommt und durch hören und rezipieren des Rezipienten vergeht. Der Rezipient als Augenzeuge der doch das gesprochene Wort wieder verfälscht. Dieser Vorgang geschieht im unendlichen Regress. Die Rede hören durch den Augenzeugen ist stets begrenzt. D.h. die Worte und die Sätze entstehen und vergehen. Der Raum dazwischen hier gesehen durch das Schweigen ist ständig. Die Frage nach der letztbedingenden Instanz: warum ist seiendes nicht vielmehr nichts. Nur zu sagen das die Aussage das Schweigen redet nicht gedacht werden kann als ein widerspruch zur Denkbarkeit ist zu kurz gedacht. Warum sprechen wir denn wie wir sprechen? Einzig und alleine aus dem Grund unserer Angst. Der Schein unserer Worte ist der Widerschein unserer Sprache. Unsere Rede entwickelt eine Scheinwelt. Zwischen dem Sein der Rede unserem zuhören unseren Gefühlen unseren Empfindungen entwickeln wir im Schweigen unseren Geist (nous) des Seins. In seinem Roman der Mann ohne Eigenschaften spricht Robert Musil über den General Stumm davon, das in Diskussionen als ein „ zweckloses Durcheinanderreden scheinen „ hierbei treffen wir beim scheinen auf ein könnte sein. Diese vielfachen Meinungen, selbst die Meinungen von Augenzeugen erwecken nur den Anschein, auf eine Wahrheit. Wie es für Nietzsche kein Objekt ohne Subjekt geben konnte, so gibt es auch für keine Rede, keine Sprache ohne ein Schweigen.
Schweigen, Parmenides die absolute Differenz.
Das Schweigen in einer anderen Bedeutung zu denken nämlich, das Schweigen als ein beredetes Schweigen als ein Reden zu erklären ist hier nicht richtig. Ebenfalls die Rede über das Schweigen auf die Gestik des äußern von Gefühlen zu beziehen ist hier auch nicht richtig. Es geht darum, dass die Rede nicht ohne Schweigen zu führen ist. Und es geht darum, dass jede Rede und jedes Schweigen eine Welt des Werdens ist. Es geht um die Welt des Werdens, einem könnte sein. Die Differenz zwischen Schweigen und Reden zu relativieren. Die Differenz deutet auf die Welt des Werdens. Die Rede entsteht nicht alleine aus dem Schweigen. Sie gliedert sich auf durch die Benennung von Worten und Sätzen, durch das helle Licht des Erkennens und dem fragenden Dunkel des Nichtwissens. Durch diese Vermischung entsteht der Akt eines Ordnens. So ist doch klar, das diese Gründung meine Definition von Schweigen nicht ganz funktioniert sowie diese Begründungen von: alles fließt, oder alles steht still und die Begründungen: alles kommt aus dem Wasser oder alles kommt aus dem Feuer letztendlich nicht funktionierten. Auf der anderen Seite helfen aber diese Thesen bei der Bedeutung von Sprache, wie und warum Sprache funktioniert. Sprache funktioniert nämlich nicht als ein Reden und ein verstehen. Wenn einer redet kann der andere zunächst nicht verstehen, er kann aber auch nichts verstehen wollen. Das Problem aber ist das der Mensch davon ausgeht, er könne so reden oder schreiben, das immer etwas zu verstehen wäre. Er drückt sich aus, sagt seine Meinung. Diese Meinung ist aber immer nur Meinung, Doxa, Schein. Es scheint so als ob etwas so wäre. Als ob etwas könnte sein, stellt etwas dar für dasselbe und nicht dasselbe. Der Fehler liegt darin die Rede nicht für bloße Meinung zu halten sondern für wahr und wirklich wir könnten sagen im Sinne von Parmenides, das das was einer in einer Rede meint, in einem Sprechen sagt, nur von Göttern erkannt werden könnte, nicht von Menschen. Das Denken über das Ausgesprochene das vom Rezepienten ausgeht, steht in Differenz in der absoluten Differenz zum Ausgesagten. Hierbei handelt es sich um einen Relativismus: man kann alles behaupten, alles ist wahr oder auch nicht.

1 Kommentar 14.11.10 19:56, kommentieren

Sarrazin Rhetorik

Sarrazin Rhetorik.
Die Kraft des Weltbilds:
Bedient.
Ängste der Bildungsbürger.
Logik der Demagogie, imitiert.
Muster aller Bestseller.
Gütesiegel jeder populistischen Debatte.
"Endlich sagt's mal einer."

Hat man oft gehört und gelesen!
Keineswegs an einem jener Stammtische,
Die man immer heraufbeschwört,
Wenn eine Debatte diskreditiert.
Sondern im Parkett vor einem Konzert.

Der Nerv, der spiegelt sich keineswegs.
In den Abgründen des kollektiven Unterbewusstseins.
Schön stimmige Thesen treffen. Nerv.
Ängste des Bildungsbürgertums.

Nicht der Erste, der Ängste anspricht.
"Deutschland schafft sich ab"
Zwischen Rhetorik und Denken.
Ein Meister analytischen Denkens.
Ein meisterhafter Analytiker.
Einer sucht Wesen und Ursachen,
Der andere sucht nach Kontexten und Ergebnis.

Momentane Schwachpunkte:
Ethnisierung eines Klassenproblems;
Eugenische Betrachtung eines Bildungsproblems;
Und Behandlung des Integrationsproblems.

Inhaltlichen Schwierigkeiten:
Außen vor lassen,
Die Widerwillen auslösen,
Mit dem man begegnet.
Erfolg der Thesen:
Ein rhetorisches Muster,
Das man in anderer Länder häufig,
Hierzulande noch selten findet.

Was konstruiert, was ist ein Weltbild,
Das von Demagogie getragen wird.
Das ist keine Domäne der Rechten.
Was solch eine Logik schafft,
Ist Souveränität,
Denn es zwingt,
In diese Logik zu sticheln.
Wer souverän ist,
Kann sich Humor leisten.

Da mögen Defizite sein,
Doch Souveränität und Humor,
Gegen Moral und differenzierte Argumentation,
Ins Feld geführt, ist rhetorisch Vorteilhaft.
Die moralische Seite der Debatte,
Führt als Gegenargumente, nur Ausschluss und Rauswurf ins Feld.
Grundlage derartiger Unfreiheiten ist Entweder eine enzyklopädisch-Eklektische Ideensammlung oder die Eigene Erfahrung.

Aus den eigenen Erfahrungen
Frontlinien der Integrationsproblematik: "Das Ende der Geduld – Konsequenz!“ Wer Schlussfolgerungen mit
Geballter Empirie untermauert,
Gilt als unanfechtbar.
Eine diffuse Angst,
Die eine Antwort findet.
Gütesiegel für jede Debatte:
"Endlich sagt's mal einer."
Hat man oft gehört und gelesen.
Bücher und Filme liefert das Modell der Angelsächsischen Ideenkultur.
Populäre Bücher der Wissenschaft und Die Gedankenspiele.
Die Bücher wirken nach einer Methodik, Aus dem Kino.

Sie zielen auf ein Aha-Erlebnis.
Im Film sind "Twists" und Pointen Standards, die der Handlung
Wendung geben.
Ideenbüchern sind unerwartete,
Sofort nachvollziehbaren Gedanken,
Die beim Lesen einen Sog entwickeln. Ideen schaffen einen Kontext für Zusammenhänge. So erklärt "Untergang"
Gefahren für unsere Zivilisation.
"Feuer fangen" Zivilisationsgeschichten Über Evolution der Ernährung.
"Tippping Point" Massenpsychologie der Konsumgesellschaft über Popphänomene.
Mit diesem Prinzip ("Freakonomics"), in denen aus zwei unzusammenhängenden Phänomenen ein Schluss gezogen wird, Der komplexe Zusammenhänge Vereinfacht.

So eine Prostituierte mit einem Kaufhausnikolaus oder
Ein Selbstmordbomber mit einer Lebensversicherung.
Es sind Vereinfachungen.
Methodik als Dreisatz:
"Unter Dreisatz versteht man, dass man aus zwei Tatsachen, die man nicht Hinterfragt, logische
Schlussfolgerung zieht:
Intelligenz ist erblich.

Weniger Intelligente vermehren sich Schneller als der Durchschnitt.
Das bedeutet, dass Intelligenz sinkt."
Verborgene Ängste.
Es gehört zu Aufgaben, solche Ängste Aufzuspüren und sie zu definieren.
Doch wer Ergebnisse betrachtet.
Erhält Statistiken;
Antihistorisch argumentiert, Gewissheiten über Zukunft, verliert Ursachen und Zusammenhänge.

Die Aufregung in Deutschland.
Mit Veränderungen und Problemen,
Die sich schneller vollziehen,
Als Politik und Gesellschaft es Wahrhaben.
Die Polemik wird verschwinden.
Die Probleme werden es nicht.







© Manfred H. Freude
Aachen, 2010-09-13

************ Autoreninfo ************
Manfred H. Freude geb. Aachen
Escapistenlyrik, Liebe, Tod, Das Leben, Erfahrungen, Aktuelles, Trauer & Verzweiflung, Wut, Sehnsucht, Klartext, Kritisches, Gedanken, Allgemein, Nachdenkliches, Gefühle
© 2010 MANFRED H. FREUDE

1 Kommentar 13.9.10 18:26, kommentieren

Die leeren Blätter

Gedicht: Die leeren Blätter; erschienen 2009 in
FREUDE
Das dichterische Werk 2002 - 2006 Freude beim Lesen,
Gebundene Ausgabe, 17 x 24 cm, 714 Gramm Shaker-Media-Verlag
ISBN 978-3-86858-188-1, 476 Seiten,
Manfred H. Freude Aachen, 4. Juli 2003

Die leeren Blätter,
Werden wir sie jemals beschreiben?

Die leeren Leinwände,
Werden wir sie füllen?

Werden wir die Felsen sprengen,
Um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

Den letzten Baum?
Werden wir ihn umholzen?
Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

Wenn wir endlich
Dem Wahnsinn verfallen sind.
Wenn wir unser Genie überwunden,
Sind alle Blätter beschrieben,
Alle Leinwände bemalt,
Alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer Geschnitzt.

Dann werden wir nur noch unsere Werke Signieren.

Und unsere Zeichen in die Welt senden: Gezeichnet
Und unsere Unterschrift hinzufügen,

Auf leere Blätter,
Auf leere Leinwände,
Wie Verliebte in Bäume ritzen und
Wie unsere Steinzeitvorfahren auf Felsen Spuckten.

Nur unsere Unterschrift.
Das wird alles sein, was uns ausmacht.

© 2003 Manfred H. FREUDE

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Ophelia

Ophelia
In der Tradition der Wasserleichenpoesie
Ophelia und die Wasserleichen:
und die Rimbaudrezeption im deutschen Expressionismus

Shakespeares Hamlet- Ophelia
Ophelia is a fictional character in the play Hamlet by William Shakespeare. She is a young noblewoman of Denmark, the daughter of Polonius, sister of Laertes, and potential wife of Prince Hamlet.
Rimbaud Rimbauds Gedicht "Ophélie", genauer gesagt Karl Klammers Übertragung löste bei den deutschen Expressionisten eine wahre "Schwemme" sogenannter "Wasserleichenpoesie" aus:
Georg Heym Gedicht "Die Tote im Wasser"
als Beispiel expressionistischer Wasserleichenpoesie
Die bedeutendsten Werke aus diesem Kontext sind von Georg Heym "Die Tote im Wasser" (1910) , "Ophelia" (1910) und "Tod der Liebenden im Meer" (in zwei Fassungen) Georg Heyms "Die Tote im Wasser" ist das früheste und gleichzeitig ein charakteristisches Beispiel der expressionistischen "Wasserleichenpoesie".
Gottfried Benn "Schöne Jugend" (1912) aus dem Morgue-Zyklus, von Paul Zech "Wasserleiche", von Armin T. Wegener "Die Ertrunkenen" (1917), bei Georg Trakl findet man Anlehnungen an das Motiv in "Wind, weiße Stimme" und in "Westliche Dämmerung" (1911).
Bertolt Brecht kann sicherlich nicht mehr zu den Expressionisten gerechnet werden. Aber, weil bei keinem Autor die "Wasserleiche" so zahlreiche Bearbeitungen erfahren hat: "Ballade vom Liebestod", "Gesang aus dem Aquarium", "Dunkel im Weidengrund" und die "Legende der Dirne Evlyn Roe",
Sein Gedicht "Vom ertrunkenen Mädchen" (1920) hat das Bild um neue Blickwinkel bereichert, den Motivkreis damit auch abrundet.
Manfred H. Freude „Ophelias Brust“ (30.05.2010) ein Gedicht nach einer wahren Tat: Im Comersee bei Laglio, wo der US-Schauspieler George Clooney lebt, ist eine tote Frau entdeckt worden. Sie wurde Opfer eines Verbrechens. Auch sein Gedicht „Ophelia“ von 23.09.2006 über eine Welpenhündin.
Walter Jens und „Die rote Rosa" Berühmte Wasserleichen (weiblich) Rosa Luxemburg, Landwehrkanal Ophelia am Landwehrkanal Als aber das Wasser Monate später, es -war Frühling geworden, den Leichnam, ihn ausspeiend, preisgab, erkannten die Freunde sie nicht, denn ihre Augen waren zu Höhlen geworden, ihre Wangen glichen riesigen Dellen, der Mund wuchs in die Nase hinein, drei Zähne standen wie Spieße hervor, und sie war schwarz und nackt. . .
Paul Celan In dem Band Atemwende von 1967 steht das folgende Gedicht: COAGULA// Auch deine / Wunde, Rosa.

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Vergessen

Denken und Vergessen

Die Dichter um 1800 als Erzieher lehrten uns nicht nur das Wissen und denken, sondern das des Vergessenkönnen. Für Goethe hatten die Romantiker noch ein zu kurzes Gedächtnis und selbst suizidgefährdet glaubte er, wer das Erinnern nicht fälscht, kann nicht überleben, wer handeln will muss vergessen können. Sein Faust war geradezu eine Orgie des Vergessens. Eine besondere Fähigkeit unseres Denkens ist eben nicht zu denken. Eine Zwangshemmung des Denkens. Nicht zu denken, dass wir denken. Das Denkbare ist bereits geschehen und gleichzeitig verstanden. Es ist nicht unbedingt sofort durch einfaches Nachdenken abrufbar. Die Formulierung lautet: dass wir beim Sprechen Vernünftiges voraussetzen. Demgegenüber steht die Frage nach den Absichten der Kommunikation. Es gilt den herauszufinden (Versuch) was der andere gemeint hat. Dies scheint scheinbar ein Widerspruch. Man kann nicht gleichzeitig etwas vernünftig sagen aber andererseits auch nur daraufhin urteilen, was gemeint wurde. Dies ist aber beim Sprechen alltäglich. Scheint nur als ein Widerspruch. Es entsteht nicht der kleinste Ansatz, dass man nicht sprechen kann. Wer schweigt, staunt. So kann es doch passieren, das in zwei völlig unterschiedlichen Zeiten, an völlig verschiedenen Orten, zwei Dichter, ohne voneinander zu kennen, oder voneinander zu wissen, ein völlig identisches Gedicht dichten. So steht doch der Widerspruch der Behauptung, dass beide das gleiche Gedicht geschrieben hätten. Worin besteht nun der Unterschied zwischen beiden Gedichten? Das Gedicht scheint nur ein Gleiches. Wenn wir ein Gedicht haben, so haben wir vor uns Wörter. Eine Ansammlung von Worten. Diese Worte sind eine Reihe von Artefakten. Sie sind Fakten und als künstlich hergestellte Fakten, sind sie somit Artefakte. Mit dem Sprechen klettert man eine Leiter hinauf (sic). Das Problem dabei ist, wenn einer bereits sehr hoch auf der Leiter ist, und muss nun entweder von oben sprechen, was verständlich Probleme macht, oder er steigt herunter, was eine Verständigung erschwert. Es gibt Sprache diesseits der Rede oder jenseits, anders ist Sprache nicht, also Nonsens. Das der Hörende „etwas anderes denkt als der Redende“ ist in einer wissenschaftliche Anforderung ausgeschlossen. Meine Theorie Schwaigen sagt aber, das der Hörende etwas anderes denkt, als er hört und der Redende redet, als müsste er das was er denkt, übersetzen. Der Redende denkt etwas anderes, als er redet. (Wenn der Redende während der Rede aus dem Fenster sieht, redet er weiter, obwohl er etwas anderes denkt) der Hörende denkt etwas anderes, als er hört. So klar und deutlich wie nur möglich ausdrücken. Diese Klarheit lässt eine größere Verständigung zum Redenden zu. Anderseits lässt dies weniger Spielraum für den Hörenden zu. Es ist so als würde das Essen vorher gequetscht. Es lässt sich leichter schlucken, aber man erkennt weniger, was vorgesetzt wurde, man schmeckt kaum noch Unterschiede und man hat nichts mehr zu kauen. Im Übrigen wäre eine wissenschaftliche Klarheit in der Quantenphysik wie auch in der Gettokanack möglich.
Aristoteles ' Diktum heißt, dass nicht jeder Gegenstand ein gleiches Maß an theoretischer Präzision eröffnet. Der Philosophie der Sprache muss die Idee gegenübergestellt werden, dass bei der Verfolgung philosophischer Fragen, wir mit der Sprache beginnen und unseren Weg eröffnen. Meine Überzeugung ist, dass diese Haltung verantwortlich ist für die unfruchtbare Natur vieler zeitgenössischer analytischer Philosophie. Wenn wir mit Sprache beginnen und versuchen, ihren Weg nach außen zu arbeiten (uns zu äußern), werden wir nie außerhalb der Sprache treten. Was wir uns nicht denken könnten (Einhorn), das können wir uns real denken. Was wir uns real und klar denken können (Pferd), können wir uns nicht anders denken. Wir können uns also Marsmenschen in jeder Form vorstellen, wir können uns aber ein Dreieck oder einen Kreis nicht anders vorstellen.
Zukunft ohne Gedächtnis. Wozu noch Gedanken frag ich, wozu? Sprechen von Malen des Denkens. Erinnern? Woran frag ich, wozu? Immer dieses Nachdenken gegen alles Vergessen und Verinnern. Zukunft ohne Gedächtnis. Behalten wir aus unserer Kindheit. Die Türme stehen in Glut, die Kirche ist umgekehrt. Wozu noch Gedenken frag ich, wozu?

1 Kommentar 19.8.10 13:49, kommentieren

Eiskalt

Холодно.

Ледянaя эта жизнь
Неопознанная,
Лишь иллюзии и вера остаются.
Много сменилось историй
От рождение к настоящему.

Но мы все еще склоняемся
Чтобы пить из родника
Воспоминаний,
Первоначально из глубокой причины
Рождения следуя,
без вмешательства, без богов,
Новым сменам придавая значения.

Прекрасный кувшин
Мы несли к роднику.
Только силу дай, чтобы жить продолжать.

Этот источник под многими
Еще неоткрытыми слоями
Продолжает течь,
Играя еще безмятежно с самим собой.


Holodno.

Ledjanaja jeta zhizn'
Neopoznannaja,
Lish' illjuzii i vera ostajutsja.
Mnogo smenilos' istorij
Ot rozhdenie k nastojashhemu.

No my vse eshhe sklonjaemsja
CHtoby pit' iz rodnika
Vospominanij,
Pervonachal'no iz glubokoj prichiny
Rozhdenija sleduja,
bez vmeshatel'stva, bez bogov,
Novym smenam pridavaja znachenija.

Prekrasnyj kuvshin
My nesli k rodniku.
Tol'ko silu daj, chtoby zhit' prodolzhat'.

JEtot istochnik pod mnogimi
Eshhe neotkrytymi slojami
Prodolzhaet tech',
Igraja eshhe bezmjatezhno s samim soboj.

Von Manfred H. Freude, Aachen

1 Kommentar 9.8.10 17:27, kommentieren

Über allen Wipfeln ist Ruh

Über allen Gipfeln ist keine Ruhe
/ kein Gleiches

Aachen, 2006-09-03
© 2006 MANFRED H. FREUDE
www.myblog.de/freude
von Manfred H. Freude

Der Dichter schreibt sein Gedicht noch einmal. Er erinnert.
Erinnert einer Begegnung von „Einmal“.
Ein Gleiches, notiert im Dunkelwerden des 6. Sept. 1780.
Am Krickelhahn in der Berghütte am 7. Sept. 1783 geschrieben.
Gedruckt in der Cotta Ausgabe 1815.
Neu erblickt am 27. Aug. 1831
und am 4. Sept. 1831 in einem Schreiben an Frau von Stein erwähnt. An eine Bretterwand notiert mit Bleistift.
War das nicht schon die zweite Begegnung mit dem Gedicht? War dasselbe Gedicht nicht bereits vornotiert? Ins Reine, ins Unreine und nun als Denkmal, als Nachdenkmal, an diese Bretterwand notiert. Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Wer war schon dieser Goethe, außer für uns Deutschen, ohne den wir nicht mehr Denken, geschweige denn Leben können.

Eingedenk des Erlebnisses der Bergbesteigung. Er, er der Gipfelstürmer. Der alles hinter sich lässt was niedrig und tief ist. Auch seine Liebe; eine seiner Lieben. Diese Festung. Weit entfernt ist diese Liebe und hier oben da sind nur die Vöglein. Wir wissen was sie tun, die Vögelein. Sie bauen ein Nest, hüpfen von Ast zu Ast und singen prächtig. Aber nun. Sie singen nicht mehr. Sie schweigen im Walde. Und Du? Wer ist dieses du, welches zunächst einmal warten soll. Ist es der Dichter? Der Leser? Vielleicht die Frau von Stein, die Festung? Warte nur. Warten, während die Vöglein schweigen.
Vor dem Ausbruch eines Erdbebens, eines Vulkans schweigen die Vöglein genauso. Und die Geliebte? Falls es ein Liebesgedicht ist. Sie wartet und singt. Während die Vöglein im Walde schweigen. Auch sie findet bald die Liebesruhe. Es ist nur allzu verständlich, wenn der Dichter bei Erneutem lesen nach über 50 Jahren einen anderen Schluss zieht. Den Text auf sich bezieht, wie jeder andere Leser. Das macht ein Gedicht aus. Es immerwieder anders zu lesen. Es ist die Aufgabe des Gedichtes äquivok zu wirken. Bei jeder neuen Lesung, jeder neuen Deutung, Interpretation entsteht ein neues Bild.
Und nun tritt der alte Dichter an sein Denkmal und fragt und erinnert. Wie weit erinnert er? Kann er so viele Jahre zurückerinnern? Ist seine Erinnerung nicht verwischt, verschwommen? Verschattet nach allen Jahren. Wie alle derer, die schon lange den Weg gegangen sind, die nicht der vergangenen Welt erinnern, sondern sich eine Neue, eine eigene Welt schufen. Der Mensch, er der Dichter, er Goethe, vom Gipfel als Gipfel ( als Mensch ) der Schöpfung, er reflektiert. Doch was reflektiert er? Die Schöpfung, die Welt? Er reflektiert seine Welt, sein Ich und geht diesem nach.
Über allen Gipfeln ist Ruh. Er war dieser Gipfel. Er ist der Gipfel. Kein Hauch, kein Atem ist im hohen Geist zu spüren. Kein Leid, kein Schmerz. Es ist nichts zu spüren. Alles ist Ruhe, Verstummen, Verschweigen.
Es liegt etwas dazwischen. Zwischen Dasein und Zukunft. Zwischen Vogelgezwitscher vorher und nachher. Vielleicht ist es nur der Schlaf der Vögel, die Abends ihr Singen beenden und Frühmorgens neu beginnen. Es ist Dunkel, Nacht. Bald legst auch du dich zur Ruhe. Bis der neue Tag anbricht schläft einer höher, über allen Gipfeln und ehe der Hahn kräht ist er über dir, ohne das du auch nur einen Hauch spürst, ist jeder Laut erdrosselt.

Was soll hierbei der Titel des Gedichtes: Wanderers Nachtlied? Er singt, der Wanderer, wenn alle Vögel schweigen. Er singt vor Angst im Walde. Wie jeder der Angst hat durch einen Wald zu gehen und der dabei ist, sich Mut zu machen, ein Liedchen pfeift. Der Wanderer kommt von hier nach dort und erzählt seine Geschichte, von der Stille im Wald, von Gipfeln und Wipfeln. Seine Geschichte, sein Lied klingt an jedem Ort anders.
Aber es ist sein Nachtlied. Gerne sah er sich als Wanderer der Herr von Goethe. Aber das Genie musste Leiden. „Ich hab an keinem Orte Ruh“ antwortet er. Deshalb begab er sich hoch hinaus. Über allem die Ruh zu finden. Zwischen Geburt und Tod stand er hoch oben auf dem Gipfel. Über allen Gipfeln ist Ruh. Hoch oben vor seinem Schöpfer. Er das endliche Geschöpf, als schöpfendes Geschöpf vor dem Schöpfer, schöpfte dieses Gedicht. Riss es aus dem Geschicht des Gebirges, riss es aus der Erde, wie eine Quelle die er dem Stein entriss, in einer Hoffnung an einen Stein, jene Frau von Stein.
Ich möchte hier nicht auf die zahlreichen wissenschaftlichen Interpretationen eingehen, die Form, Metrum, Jambus, Spondeus usw. dieses oder jenes Gedichtes berücksichtigen. Die vom Reinen Gedicht ablenken mit wissenschaftlichem Wissen. Das Gedicht, den Herrn von Goethe, hochheben oder fallen lassen, indem sie das Sprachphilosophische Können herausarbeiten.

Komme ich zurück zum Gedicht.
Die Natur schweigt. Und warum schweigt die Natur? Diese Frage stellt auch Paul Celan, beim Gang durchs Gebirg. Er hoffte auf eine Antwort, ein Treffen mit einem gewissen Adorno. Der nicht da war, der schwieg, der nicht sprach. Schwieg auch der Stein und es war still, still oben im Gebirg. Schweigt der Stock und schweigt der Stein und das Schweigen ist kein Schweigen. Zu wem redet der Stein, er redet nicht, er spricht und wer spricht, der redet zu niemand. Hörst du sagt er, mit der heruntergebrannten Kerze, auf dem Weg zu mir hier oben. Aber der Stein sprach, der sprach und zu wem sprach der Stein? Dieser Stein zu dem Goethe sprach; der Bergwerkskommissar Goethe der sprach zum Stein, nämlich zu Charlotte von Stein am 6. Sep. 1780. „Es ist keine Ruhe mehr“ sprach er. Der Leser wird gewarnt. Vor dem Einschlummern. Vor dem ewigen Schlaf. Er ist sich bewusst und wird nun nicht wagen vorher einzuschlafen.
Ist dieses Gedicht ein hohes Lied oder zählt es zur Bukolik, der Hirtendichtung? Auch wenn das Gedicht phatos - und gefühlsbeladen ist so zeigt es von einer realistischen Naturdarstellung, einer romantisch verklärten einer niederen Alltagswelt. Der kulturell und literarisch hochgebildete von Goethe blickt aus große Distanz und Höhe auf die ach so einfach gestrickte Welt herab. Er spricht aus, von Oben als Schöpfer. Eine Antwort? Was wollte er für eine Antwort und von wem. Nicht einmal von Frau Stein an die der Text sich wohl richtete, einer Antwort von jeder Seite wusste ein von Goethe immer und zu jeder Zeit präzise auszuweichen. Er war Apollon der Gott der Dichtkunst ( das sich in diesem der Ziegenhirte Lykidas verbarg hätte Goethe sicherlich bestritten).
Da sah er sich doch eher in einer Nachfolge Petrarcas.
Petrarca bestieg den Mont Ventoux, ebenfalls auf der Suche nach neuer Erfahrung. Dazu nahm er ein Buch mit: die Confessiones des Augustinus.
Dort las er (auf dem Berg) „und es gehen die Menschen hin, zu bewundern die Höhen der Berge und die gewaltigen Fluten des Meeres und das Fließen der breitesten Ströme und des Ozeans Umlauf und die Kreisbahnen der Gestirne – und verlassen dabei sich selbst.“
Hat Petrarca sich dort verlassen? Ja. Hat Goethe sich auf dem Gipfel verlassen? Ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können Nein.
Goethe war in der Naturerkennung hin und hergerissen zwischen Glaube und Wissen. Er versuchte diesen Glauben und dieses Wissen zu vermitteln. Er ließ sich von der Mystik seiner Naturerkennung nicht beirren. Am 22. Mai ließ er seinen Werther sagen: Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt!
Zog es ihn vom Gegensatz der Stadt und den Schlössern aufs Land und ins Gebirg, stimmungsatmend den neuen Wert des einfach natürlichen zu erleben oder sich über diesem zu erheben. Der sentimentalen Verklärung des Einfachnatürlichen entgegenzusteuern, sich abzusetzen. In die Höhe zu klimmen um Gott/Teufel ähnlich zu werden.
Hier zu suchen die ideale, die heile Welt.
Er verknüpfte hiermit Erwartungen nur um diese postwendend wieder in Frage zu stellen.
Empfand er dort draußen, dort oben das einfach natürliche Gefühl der Sterblichkeit?
Wanderers Nachtlied beschreibt: Warte nur balde ruhest auch du. Diese Worte trösten. Sie sprechen einen Traum aus von einer Welt in der es anders wäre. Der Text erzählt von einer Realen Welt und enthält gleichzeitig den Bezug zu deren Verneinung.
Dieser Text ist schön. Unheimlich schön. Einem Wohlgefallen das ganz und besonders interesselos ist. Aber dieser Text ist auch nicht zu trennen vom Verschweigen. Er legt zugrunde eine Vorstellung einer Welt die den Frieden verweigert. Diese Einstellung ist nicht jedem flüchtigen Leser klar.
Das Subjekt steht mit aller Unruhe, Verdrossenheit und Müdigkeit auf dem Berg gegenüber unbezweifelter Existenz.
Ich leide, also bin ich.
Dieses symbolhafte Goethes und des lyrischen Textes symbolisch am Berg. Dieser himmelwärts gerichtete Ton
( innengewandte Subjektivität )
Das Leiden des lyrischen Ich. Die Lyrik dieses Gedichtes, ist der Diskurs, seine semantische Dunkelheit rationell zu erhellen. Eine Lichtung zu finden im Abgrund in den der blickt, der auf dem Berg steht.
Die Selbstreflexion des Leidenden mit seiner hypochondrischen Syntaxverdopplung: Ich leide also bin ich. Dies zeigt den Weg, den Goethe machte, im Dichterischen von Herder zu Klopstock. Also doch von der Romantik und wie bei allen Romantikern die eine Verbindung zu diesen strickt ablehnen.
Das Wesen dieser Dichtung ist Phänomen des Parallelismus von Subjekt und Ästhetik.
Der Wanderer erkennt sich selbst. Einschließlich seines Schmerzes und gleichzeitig seiner Empfindung von Lust.

Es ist Ruh über den Gipfeln. Nicht ein Traumloser Schlaf. Nur Ruhe und noch unentdecktes Land. Ruhe ist das Losungswort. Der Inhalt aller großen Religionen, insbesondere der Fernöstlichen, ist der Inhalt von Frieden. Das Leben darüber, über allem. Es geht um das Über-Leben, das überleben, das Über Leben. Das Meer und die Flüsse sind unten. Das Leben ist unten.
Das wichtigste war zu erkennen und Erkennen hatte mit Gott zu tun und wo, war man als Mensch, Gott am nächsten, auf dem Gipfel. Hier würde man neue Erfahrung machen und eine neue Weltsicht haben, wie heute ein Raumfahrer. Aber haben diese wirklich eine NEUE Weltsicht? Haben sie dort nicht lediglich sich selber erkannt, was auf der Erde ohne weiteres möglich gewesen wäre? Zu sich selbst gekommen. Himmelwärts objektiv gerichtet, binnenwärts zur Subjektivität. Der Wanderer erkennt sich selbst. Der Raumfahrer sieht nur den schwarzen Raum und die ästhetisch, schöne Erde, hell. Das Subjekt in Unruhe, Verdrossenheit, Müdigkeit gegenüber unbezweifelter Existenz. Überall ist Dunkelheit und Ruhe und zwischen Subjekt und Ästhetik, zwischen Schmerz und Lust ist das Erhellen. Aus der Höhle zum Licht. Das Lied der Nacht als Feier universeller Ruhe ( Emil Staiger ). Wer betrachtet wen?
Betrachtet Goethe Gott oder fühlt er sich beobachtet? Er findet Welt und reflektiert sich selbst. Die Vöglein schweigen dazu, die Natur spricht also nicht, es ist die Unterlassung der Rede.
Das Sprechen übernimmt der Dichter indem er mitteilt, er spürt nur einen Hauch. Einen Hauch des Traumes, des Apollinischen das ihn umschwebt. Nicht das Dionysische, das hat er durchschritten. Durch sein Sprechen spricht er von Ruhe. Der Übergang von der Natur zum Mensch ist der Verlust der Naturspezifischen Ruhe. Es ist die Unruhe.

Das Gedicht handelt vom Schweigen und was verschweigt ist ganz Schrift. Berge und Schrift: Die Berge sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm. Berge reden nicht. Der Mensch steht zu diesem Berg im Zwielicht. Der Mensch als Subjekt ist Beobachter der Natur die er erfasst und gleichzeitig aus ihr herausfällt. Er erkennt sich als Mensch mit Sprache und Vernunft. Hauch und Atem (Pneuma ) sind Seele sind Tod. Heidegger beschreibt dies als Mensch als lyrisches Subjekt einer Natur nimmt sich selbst vorweg.
Die angekündigte Ruhe ist eine Drohung. Sie bezeichnet eine hier noch vorhandene romantische Todessehnsucht. Die Ruhe des sich selbst ansprechenden. Ein paradoxer Sprechakt. Die Ruhe des apollinischen Schlafs des Traums und dessen Bruder, der Tod, der hier als Drohung sehr wohl gemeint ist. Die Todessehnsucht.
Die Gedichtbücher der Romantiker voller Sonnenuntergänge. Auch Dante blieb auf dem Vulkan um anderen Tags den Sonnenaufgang zu sehen.
Sonnenuntergänge, Heidelandschaften, Alpenlandschaft.
Das war diese Romantik.

Der Romantiker lehnt sich auf gegen die Veränderungen des Lebens, gegen die Macht der Zeitläufe und am Ende unterliegt er.
Der Dichter schreibt sein Gedicht noch einmal. Er erinnert.
Erinnert einer Begegnung von „Einmal“.
Noch einmal romantisch Gedanken nachgehen, geht das?
Trifft er nicht romantisch neue Gedanken längst Vergangenem.
Selbstmitleid. Das Subjekt in Unruhe, Verdrossenheit, Müdigkeit gegenüber unbezweifelter Existenz. Überall ist Dunkelheit und Ruhe und zwischen Subjekt und Ästhetik, zwischen Schmerz und Lust ist das Erhellende.



Aachen, 2006-09-03
© 2006 MANFRED H. FREUDE
www.myblog.de/freude

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Vögelchen im Literaturbetrieb

Vögelchen - Selbst ist der Schriftsteller.
Zunächst hat jeder Autor, wie es ein Recht auf freie Bildung gibt, ein Recht auf Veröffentlichung. Er muss sich bewähren. Ob er sich zuerst einem Knebelvertrag eines Großverlages unterwirft oder eine seriöse Lösung zum Druck gegen gerechte Bezahlung einsteigt, bleibt ihm überlassen. Wir wollen doch wirklich nicht behaupten, der namhafte Verleger achtet auf Qualität. Er glaubt an junge Talente, die er billig erwirbt um sie groß (im wahrsten Sinne) herauszubringen (selber den Markt machen) oder er zählt auf reißerische Namen oder er verlegt den längst Verstorbenen ohne zusätzliche Honorare. In jedem der drei Fälle bestimmt der Verleger den Markt! Aber bittschön, wo bleibt dann der Künstler, wo bleibt der gute Autor der sich aus der Masse verdichtet? Da wartet der Verleger doch lieber bis dieser gestorben ist und mindestens 70 Jahre tot ist. Der Dichter hat überhaupt keine Chance wenn er sich nicht nach dem Vorbild selbst herausbringt und das auf jeder Ebene. Sich selber herausbringen, das ist die Aufgabe des Dichters. Da jammern Verleger, die Lyrik verkauft sich nicht, dabei findet man überall Lyrik und nur wenig in den Lyrikabteilungen, da gibt es nur ein kleines Regal aber die komplette Buchhandlung ist von der Reiseabteilung über Belletristik bis zur Philosophie und Biografien voller Lyrik. Würde man alle Lyrik wegstreichen, wären die Büchereien und Bibliotheken nur halb so groß. Und dann dieses ewige Besserwissen der Germanisten in den Verlagen. Wie man schreibt und wo man seine Jota setzen muss. Welcher anständige Schriftsteller will das schon? Ich kann nur jedem Kreativen empfehlen seine Dinge selber in die Hand zu nehmen. Der Dichter kann sich doch nicht von einem Verleger zeigen lassen wohin er sein Komma und seinen Doppelpunkt zu setzen hat. Wie der Schriftsteller schreibt, so hat er es gewollt. Das ist eine klare Tatsache. Nicht der Dativ ist dem Genitiv Freund, der Dichter ist sich selbst genug. Warum also nicht selber machen. Das haben alle Großen Dichter und Schriftsteller vorgemacht. Nicht nur Selbstverlag, auch selbst das Wort setzen und selbst den Akut, das bringt auch noch Spaß und selber Befriedigung. Die Arroganz der Dichter ist ihre falsche Bescheidenheit. Andere töten, aber nur mit Freundlichkeiten. Bessersein? Ich weiß es nicht! In einer gewissen Qualität gleicht sich die Qualität der Menge an. Man findet keine Unterschiede. Es ist Vage, es ist ein Sorietesproblem. Ab welchem Kriterium beginnt ein Gedicht Lyrik zu sein? Der Interpret wird zum Richter. Das Gedicht ist schuldlos. Der Dichter selber kennt seine Qualität. Der gute Dichter schätzt sich richtig ein. Derjenige der auswählt kann nicht über seine eigene Qualität hinaussteigen. Der Bauer erkennt den guten Apfel nicht. Seine Beurteilung ist eingeschränkt. Er kennt die Produktion eines Apfels aber, welcher Bauer hat schon einen guten Geschmack und welcher Bauer kennt etwas von Urteilen und Argumenten? Der Apfelbauer aber produziert den gewünschten Apfel oder den außergewöhnlichen Apfel. Ein Gedicht ist Ästhetisch oder Philosophisch zu betrachten oder Beides. Diese Lyrikzeitschriftverlage und die Etablierten bleiben unter sich, kein anerkennendes Wort, kein Urteil. Nur nicht die eigene Gruppe stören, etwa durch die Hereinnahme eines der besser sein könnte. Doch dann gibt es noch immer die Möglichkeit zu kontern, das dieser sich überschätzt und das die Neuen immer beleidigt wären. Es müsse ja nach dem Prinzip gehen: Abwarten. Alle mussten sie warten bis sie drankamen; außer natürlich die jungen Spatzen, die da im Frühling zwitschern. Man entdeckt einen Superstar! Die bourgeoisen Kulturbanausen nehmen es enthusiastisch zur Kenntnis. Mitentdecker eines neuen Goethe, soweit reicht der Lyrikhorizont. Qualität? Was ist das? Wo beginnt Qualität, wo hört sie auf? Vage, ein Sorietesproblem, sie wissen schon.
Diese Lyrikszene ist abartig
Die heutige Literaturszene, insbesondere die Lyrikszene ist anormal abnormal. Wie mir ein Verleger im Vertrauen hinter hohler Hand versichert: „ wir suchen nur junge Mädchen als Talente für unsere Zeitschrift, ergänzen mit hochbekannten Preisträgern und mischen darunter unsere Freunde„. Das ist der Lyrikbetrieb, so läuft das Geschäft. Da suchen die „Lecktoren“ in Verlagen, die Herausgeber von Anthologien und Lyrikzeitschriften diese jungen, nackten Vögelchen und hacken mit ihren Spitzen in die jungen Leiber. Sie beschnäbeln das junge Gefieder in abartiger Perversität. In ihren Verlagen und Zeitschriften halten sie eine Brutstätte alternder, veralterter Abnormer Verehrer der Poesie, die ihre Lektorate dazu benützen, sich selber und ihre untalentierten Ergüsse, mit diesem jungen Federvieh, sowie mit Hochbetagten Ordensgeschmückten Pfauen, zu garnieren. Sie sammeln, organisiert von einer Not, die jungen Hungrigen und Dürstenden, und bieten ihnen kulturbeflissen Champagner und Kuchen für zweifelhafte Dienste; um in ihrer Sprache zu bleiben: alles Lyrikspanner.
Die vertrauten gierigen Lyrikverleger
Die netten freundlichen Manuskriptprüfer
Die feisten stillen Rezensenten
Die kleinen Vögelchen zwitschern
Die alten Spanner warten
Und geben gut die Achtern
Ein Loch im System…
Bringen sie groß raus
Pornographische Halbwüchsige
Zur Tarnung : Alte Preisträger
Drüberhermachen aller Sauereien
Hinten und Vorne mit Vergewaltigungen
Unschuldig alle
Wenn kleine Vögelchen zwitschern
Im Frühling
Und krächzen im Herbst
Was veranlasst sie zu diesem Verhalten? Selber talentlos, sind sie frustriert, kommen nicht an im Lyrikbetrieb zwischen Sonntagsdichtung und großer Lyrik. Was liegt näher als selber die Rolle einer Jury anzunehmen. Ihr wahres unbestätigtes und gehasstes Vorbild: und ihre Auffassung, der schöne und geliebte, der kann sie alle haben. Wie in der Gruppe 47, … alle hingen bei der Bachmann im Schoß. Vergleichbar mit denen die sich seitenweise Schund im Internet herunterladen, dort lassen sie ihre Kindlein ebenfalls zu sich kommen. Und anschließend? Da beklagen die alternden Emporgekommenen, dass in den großen Anthologien nur noch Männer vertreten sind. Ja, was war denn vorher? Was war denn mit den Entdeckern? Wir haben die Talente entdeckt und gefördert schreiben Literaturzeitschriftenverleger. Da meinen Verleger, wenn man nur ihre Produkte kauft, würde man Entdeckte finden und manche Entdeckung machen! Ja was glauben die denn? Man erkennt doch gerade an ihren Produkten was sie entdecken und vermarkten. Wo bleibt denn der kaufmännische Verstand? Es bleibt eben kein Geld mehr für den großen Wurf wenn man nur wie Trittbrettfahrer hinter den Anderen herläuft. Das gilt aber für beide Seiten, für den Verleger und für den Schriftsteller. Wer aber erkennt sich schon selbst?

2. Was ist ein Verlag? Ein Verlag will Bücher verlegen. Das heißt nicht dorthin wohin der Autor will. Der Verlag verlegt die Bücher dorthin wo sie niemand findet. Verlegt sie und erwartet Nachfrage, nicht umgekehrt. Deshalb der Name Verlag. Glaubt denn irgendein Schriftsteller er käme bei einem der Drei - oder sagen wir fünf wichtigen Verlage unter? Ehrlich, ob bezahlen oder nicht, insofern stimmt die These, alles andere sind doch keine richtigen Verlage. Verlage sind die moderne Zensur. Wer selber bezahlt, zensiert sich selbst. Wie man einen Verlag wählt, kann man auch eine Partei wählen. Da gibt es die zwei Großen, angeschlossen sind die Kleineren. Alles andere sind Zuschussparteien, so wie es auch Zuschussverlage gibt. Glaubt man denn vielleicht man zahlt bei einem großen Verlag nicht zu? Sicher nicht, wenn man Dieter Bohlen heißt, aber der bezahlt ja auch mit seinem großen Namen. Das heißt die großen Schriftsteller bezahlen mit ihrem großen Namen und die Unbekannten? Die Talente laufen vor verschlossenen Türen. Nur was kommerziell zu vermarkten ist, wird angenommen. Hinter den Sätzen liegt eine andere Vorstellungswelt! Natürlich ist, das, wer Geld für „quasi NICHTS“ gibt, grundsätzlich selber schuld! Aber das hier angeschnittene Problem liegt doch nicht bei den Verlagen!
Es geht doch nicht mehr darum! Wer sein Buch bei einem Unternehmen veröffentlicht, das sich »Verlag« nennt, der sollte dafür kein Geld bezahlen. Ein Verlag trägt das finanzielle Risiko der Buchveröffentlichung allein. Dieser Satz enthält doch eine Doppelmoral. Der erste Teil ist ein gewöhnlicher Hergang, eine normale Sprache; der zweite Teil eine selbstverständliche Konsequenz aber, man muss das nicht erzählen, das Wichtige (die Aufgabe eines Verlages) wird verschleiert. Lesen wir uns nur einmal die Autorenlisten der angepriesenen Verlage an. Der weltberühmte Schriftsteller, den auf jeder Straße niemand kennt. Wer richtig nachliest, der sieht doch, das es hier keinen Zweck hat anzuklopfen (wie bei Kafka vor der verschlossenen Tür) und sich dann wie in München am P1 vom Türsteher einen Korb zu holen (die Gäste sind alle geladen und sind bekannt) das ist das Kriterium. Wer als Schriftsteller erkannt hat, das er ein Niemand ist, ist sicher schon auf dem Richtigen Weg, aber bitte sehr, nicht bei einem Verlag anklopfen, der ebenfalls im Verlagswesen NIEMAND ist, sich aber sehr wohl für weltberühmt hält. Die Zeiten der großen Verlage sind vorbei, das muss man einfach so sehen und sie sehen nun ihre Felle wegschwimmen durch die preiswerten Druckverfahren und Vermarktungen denen sie nicht mehr nachkommen. Das wieder wollen sie wettmachen durch eine elitäre Haltung. Die kann aber nur der große Schriftsteller und Dichter haben. Sie steht keinem anderen, auch keinem Verlag zu. Ob man also zu den Auserwählten, oder Ausgezeichneten gehört, das spielt doch wirklich keine Rolle. Wer wirklich gut ist, weiß es mit Sicherheit selber, und darauf kommt es doch nur an. Also, machen und tun, aber nicht so viel anschreiben und vor allen Dingen kein Geld für noch so wenig Leistung zahlen. Alles andere kommt schon von selber.

3. Glücken
Nur so kann die Lösung eines Schriftstellers und Lyrikers heißen: Glück.
Man muss sich den Schriftsteller und Lyriker (Durs Grünbein) als glücklichen Menschen denken, als einen Menschen, der mit sich und seiner Arbeit im Reinen ist. Das sicher auch, weil er gerade in den Orden „Pour le Mérite“ aufgenommen wurde. Vielmehr aber, weil er von sich sagen kann: „Die Poesie hat mein Leben verändert, ihr verdanke ich alles, und wenn ich es mir recht überlege, sogar meine Frau.“ Nur wer sich mit seiner Arbeit alleine beschäftigt und Glück hat, kommt weiter. Wer mit seinem Erstlingswerk hausieren geht, hat keine Chance. So ist Glück nicht zu verstehen und nicht zu erreichen. Also erst Glück und dann Frau, nicht umgekehrt. Man darf einfach die Welt nicht mehr verstehen. Wer sie versteht hat schon nichts mehr begriffen. Es geht nicht mehr darum! Der vor angeführte Text ist bereits die Majestät des Absurden, die Pervertiertheit der Brillanz. Der Bereich des Natürlichen, des Menschlichen wurde bereits nach der Setzung des Punktes überschritten. Auch wenn wir bereits Schmetterlinge im Bauch haben, wissen wir noch nicht: ist das geschriebene Realität, Einbildung oder bereits Dichtung. Für normalsterbliche Menschen ohne Glück (ein Widerspruch, denn der normale, der sterbliche Mensch hat kein Glück) gilt nur harte Arbeit und am besten: gründen sie selber einen Verlag; damit löst sich die Frage nach einem geeigneten Verlag von selber. Was einige an sogenannte Zuschussverlage zahlen, damit kann man locker einen Verlag gründen und die ersten Autoren veröffentlichen.

Vor lauter Verlagen vergessen wir die Buchhandlungen. Sie, die ärmsten der Armen, haben überhaupt keine Möglichkeit der Wahl. Sie sind sozusagen die Apotheken, nur verkaufen sie statt Medikamenten: Bücher. Aber auch hier verdient man das meiste Geld mit Mitteln gegen Husten und Kopfschmerzen. Eine Lagerhaltung schafft Kosten. Auch hier gilt, der Inhalt ist nicht so wichtig. Wichtig scheint das durch Medien und Fernsehen bekannte Gesicht. Als Fernsehbekannter Mundharmonikaspieler, gerne! Aber mit schwerer Kost, tut es sich eben schwer. Das sehen auch die Verleger so. Also erst mal berühmt werden, dann ist es egal was sie schreiben. Blabla verkauft sich sozusagen über das Gesicht.


4. Die Vögelchen singen wieder. Man schreibt wieder Lieder die zu singen sind in den Gazetten, zu Hause, unter der Dusche. Der weltberühmte Dichter schreibt dem weltberühmten Verlag. Man kennt sich; Geheimgesellschaften. Wer bist du, wer bin ich? Alles im Mittelfeld. Man kommt sich näher. Kontakte und Stiche. Gedichte am Rande eingerückt. Der Eindruck liegt auf mittlerer Ebene des Mittelfeldes. Immer wieder geniales. Vorbeisehen. Du- Ich. Man hat sich selber sehr lieb. Was soll dieser Inhalt? Spezielles am Rande und Dichtung. Tragödie und Komödie auf den ersten Seiten längst verstorbener Versager. Heute Helden. Das Übliche krepieren. Man kommt nicht rum. Darüber stehen unfassbare Ideen. Denken und Nichts. Denken ist dasselbe. Es tönen die Lieder, der Frühling kommt wieder. Das Leichte wirkt gefällig schön. Hartes ist schwere Kost, die zu denken gibt. Alles ist tragisch. Es dauert zu lange. Die Zeit läuft. Immer wieder ist mittelmäßiges zum Füllen. Aber am Ende bleibt nur Frust für Alle. Es fehlt der Mut. Wenn es einer schafft, der hochkommt, begegnet niemand. Fahrstühle führen nach oben aber die Türen bleiben verschlossen. Man bleibt, man schreibt für sich. Kein Interesse für aktuelles. Man träumt, man ist besoffen vom Kaffeerausch. Es liegt was in der Luft, man vergisst zu atmen. Der Weg vom Geld zum Genie ist kurz, kann man sich Entdeckungen nicht leisten. Kolumbus hatte noch Zeit. Schritt für Schritt, ohne auf die Nase zu fallen. Weltbekannt sein ohne aber den Nachbarn zu kennen funktioniert nicht.

Die jungen Vögelchen zwitschern schön.
Man hört sie gern. Der Verlag hat das große Werk verlegt.
Was wir wissen, wissen wir alle von den T-Shirts.
Zeig das Du lebst mit der Sprache
Spreche das Dunkel

5. Dabeisein ist nicht alles
Ganze Drossel- und Nachtigallenschwärme singen ihre lyrischen Lieder. Es pfeift von allen Schulen von allen Gassen. Aber wohin fliegen diese jungen und die alten Vögel? Nein, ihr Ziel ist lange nicht der nächste Ast oder das nächste Dach. Sie fliegen auf diese höchsten Gipfel. Die Besten wetzen ihren Schnabel auf allen Achttausendern im höchsten Gebiet der Welt. Die harten, die Ehrgeizigsten, sie wollen nicht nur dabei sein. Es geht um die Medaillen, die Siegprämien, die Pokale, es geht um die Macht, es geht um Geld.

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Tödlicher Frieden

Tödlicher Frieden Interpretation zu dem Gedicht
Tödlicher Frieden Interpretation und Versuch einer fragmentarischen Erklärung

Das Gedicht tödlicher Frieden (welches auch dem gleichnamigen Buch seinen Titel gab), wird fast ausnahmslos falsch interpretiert (wie die meisten seiner Gedichte). Man schwankt bei der Interpretation zwischen Krieg und Frieden. Dies passiert auch berufsmäßigen und geübten Kritikern, Lesern, Poetologen, Sprachphilosophen. Auch wenn das Gedicht, stellenweise von Landsern, Panzern spricht, so handelt es doch bei genauerem Hinsehen, Hinhören und Betrachten, um die alltägliche Situation, die jedem von uns zu jeder Sekunde zutreffen kann. Auch am ruhigsten Urlaubsort, kann uns eine explodierende Bombe treffen, sowie eine tödliche Monsterwelle. Das Haus in dem wir uns gerade befinden, kann sich selber in ein tiefes Erdloch stürzen. Es kann sich zu jeder Zeit die Erde öffnen von Vulkanen oder Erdbeben. Der Regen kann uns, ganze Häuser und Autos wegspülen. Immer und Überall kann etwas passieren. Immer und Überall kann plötzlich das Friedliche ins Tödliche umschlagen. Die Idylle zur Ruine werden. Das ist der genauere Sinn des Gedichtes Tödlicher Frieden. Der oft falsch verstandenen Meinung zu seinem Lyriktitel: Tödlicher Frieden. Hier wird immer Krieg angenommen. Das der Krieg tödlich ist, ist wohl schwer zu bezweifeln. Aber es geht hier um Frieden. Nur der Frieden kann tödlich sein; der Krieg ist per se tödlich (nur tödlich und niemals untödlich). Der Frieden hat an sich friedlich zu sein, doch dies täuscht. Frieden ist so wenig friedlich wie Krieg tödlich ist. Attentate, Naturkatastrophen, Mitte, Dunkel, Dämmerung, Leere, Innen, unsichtbare Tornados, Wellen, Wüsten, Tsunami, Feuer, Brandung, Vulkane, Erdbeben, Explosionen, Straßenkämpfe, Schüler, Hacker, Terroristen, was noch? Unsere eigenen menschlichen Aggressionen, ob als vermeintliche Friedensstifter oder als Krawallmacher. Das friedliche Nebeneinander, unsere aufgezwungene freundliche Toleranz, schamlos ausgenutzt, wie die Natur, der wir arglos begegnen an Traumstränden von urplötzlichen Wellen, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen überrascht. Begegnen wir unserem Leviathan. Begegnen wir auf der Stille der Friedhöfe nur unseren Toten. Die Sekunden der Stille vor der Atemwende des Todes. Zu dem Gedichtband geht mehrdeutig der Beweggrund hervor. Zunächst zu dem Text, dieser Anlass, das verstärkt berichtet wurde, das die gebräunte Gesellschaft sich nun aufmachte, diesen Tag wieder in ihre Reihen zu bekommen und Aufmerksamkeit zu fordern, die sie auch in jedem Fall wieder erreichte, weil sie ständig zu allen unpassenden Gelegenheiten präsent ist. Solange keine Gegenbewegung erfolgt, bekommt diese haarlose Gesellschaft ihre Plattform, ob negativ oder positiv, sie kommen leider in die Schlagzeilen. Zu seinen Gedichten, die Freude zu diesem Thema geschrieben hat. Da erübrigt sich auch ein Kommentar, was den Dichter hier bewogen hat. Das bewegt gewisse Herren in der Schweiz, in Lichtenstein und am Gardasee sicher nicht. Es gehört aber immer wieder aufgetischt und verstärkt in die Aufmerksamkeit. Das Thema wird leider viel zu sehr, so einfach hingenommen. Zu dem Gedicht Auslandeinsatz ist zu sagen, dass es bei dem ersten Auslandseinsatz, der Abstimmung im Bundestag geschrieben wurde. Wie weit wir heute mit unseren Auslandseinsätzen sind, ist bekannt. Fuß um Fuß bewegen wir uns weiter in die Kriegsgebiete und schaffen es dass wir in fremden Weltmeeren nun mit riesigen Kriegsschiffen kleine aber umso schnellere Piratenboote jagen. Kapitän Hook lässt grüßen und von den Kriegsgebieten kommen die Särge und die Öffentlichkeit nimmt nichts war, oder heißt es wahr? Bei allen Themen von Tod und Frieden, geht es um Berichterstattung und um das Wegsehen. Wir sind doch blind für die Dinge, die geschehen. Selbst bei Amokläufern sehen wir nicht hin, sondern suchen uns Begründungen, die unser Gewissen beruhigen; mit denen wir leben können. Den wahren Grund wollen wir doch nicht sehen. Der ist bei blindwütigen Mördern, Terroristen und Totalitären Personen gleich. Wir aber trennen fein. Beim trennen in grüne, weiße und braune Flaschen, bleiben es doch immer Flaschen. Wir sehen aber nur die Farbe. Dies ist hoffentlich eine kleine Einführung in eine Interpretation, das reicht fürs erste als Erklärung. Weiteres ergibt sich aus seiner kompletten Arbeit. Im Übrigen hat er einen einzelnen Band herausgebracht, mit dem Titel: tödlicher Frieden. Hier geht es darum, dass es im Allgemeinen, keine Sicherheit gibt. Auch nicht in der Natur. Leider werden der Titel und auch einige Gedichte, wie das Gedicht Tödlicher Frieden, oft als einen Text, alleine Wider den Krieg, oder wider das Vergessen, angesehen. Es geht aber darum, dass wir zu keiner Zeit, zu keiner Sekunde sicher sein können, weder vor Krieg, noch vor Erdbeben, noch vor Amokläufern, noch vor Hauseinstürzen. Wir leben einfach gefährlich. Na, wenn das keine neue Botschaft eines Dichters ist. Wir leben in gefährlichen Zeiten; der Lachende hat die furchtbare Nachricht nur noch nicht empfangen… der dort ruhig über die Straße geht ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde die in Not sind?

Tödlicher Frieden ISBN: 3-86703-111-8 D 15,00 €
Beispiel Textauszug Gedicht tödlicher Frieden

TÖDLICHER FRIEDEN

tödlicher Frieden der tauben Panzer
die rollen und rollen
nicht wissend wohin noch woher

und in den Straßen
und auf den Plätzen
spielen die Kinder der Landser
mit Holzpferden und Steinkreuzen

Die Armen und die Doofen sind geblieben
die Anderen zog es zum Meer
wo man den Horizont noch sieht
den Horizont der einem so fehlt

Ihr Lacher lacht noch lächerlicher
glaubt weil ihr im Blut gebadet
ganz getaucht in schwarzem Blut
ihr wäret unverwundbar wunderbar

Hört ihr nicht die Wellen rufen singend
seht ihr nicht die Wälder brennen fressend
warum schweiget ihr noch
die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

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Lüge

Meine Einschätzung und Dankbarkeit hält sich in Grenzen. Nein, man kann mich nicht beschämen, auch wenn ich mich bemühe, bin ich nicht euer Bittsteller. Ich weiß selber, dass meine Gedichte nicht in euren Horizont passen. Es ist eine andere Liga, die für fast alle Menschen unerreichbar bleibt. Darum teile ich nicht meinen Hass mit euren Freundlichkeiten. Auch bekommt ihr mich nicht klein wie ihr es mit Hölderlin, Nietzsche, Celan und vielen anderen gemacht habt, die immer freundlich waren und Freunde suchten. Ich bin weder zu euch freundlich, noch bin ich euer Freund. Da bin ich lieber Franz Villion oder Diogenes, der wie ein Hund euch in die Hütte scheißt. Ihr braucht mir nicht zu sagen wie gut ihr seid ihr Heuchler. Was ihr gelernt habt hilft euch nicht. Ihr sitzt noch immer auf dem Thron auf dem ihr saßet als ihr noch nicht mal laufen konntet. Es ist doch immer gleich diese Gruppe von Möchtegernen. Es tut mir leid, das Studium das ihr getrieben, das könnt ihr in die Haare schmieren, es fehlte euch von Anfang an Talent, das könnt ihr auch euch niemals lernen. Was ihr aus Büchern wisst, es war gelogen.

1 Kommentar 24.7.10 23:33, kommentieren

Ein schönes Gedicht

Text Manfred Freude


Ein „schönes“ Gedicht
Philosophie, Lyrik, Ästhetik und Ethik
Anhand des Gedichtes Todtnauberg von Paul Celan
Werde ich Versuchen mein Verständnis
Von Philosophie, Lyrik, Ästhetik und Ethik zu erklären.

Dies soll keine wissenschaftliche Bearbeitung des Textes werden, noch werde ich eine Interpretation des Textes liefern (dies ist bereits: siehe Reclam Interpretationen Gedichte von Paul Celan durch Professor Gellhaus RWTH Aachen geschehen, auch aus diesem Grund habe ich dieses Gedicht als Beispiel gewählt) ich bin hier an einer Meditation über den Text hinaus interessiert.

Es geht hier um die Wahrnehmung des Gedichtes mit der dieser verbundenen Ethik
Und der Ästhetik dieses Gedichtes.

Die Sprache eines Gedichtes ist auf die Wahrnehmung angewiesen.
Wird ein Gedicht nur als eine Abweichung der Sprachnorm verstanden so verfehlt das spezifische der Dichtung seine Absicht.
Im freien Spiel des Dichters gelingt eine menschliche Selbstüberschreitung.
Ein Spiel kann wie im Kinderspiel heucheln, es kann andererseits aber auch zu lernen führen
Wahrnehmung und Vernunft verändern hierbei ihr Verhältnis bei der Suche nach einer Ethik.
Bereits aus ethischen Gründen verwarf Platon die Künstler, die Dichter.
Kant: Die Natur ist die Grenze, der Ort der Krise. Die Freiheit (Moral) ist das Schöne das Erhabene. Der Mensch aber ist frei dank seiner Vernunft Theorie-Urteilskraft-Praxis. Kant forderte auf selbst zu denken: „Habe den Mut dich des eigenen Verstandes zu bedienen“.
Wie sollte man dies besser beherzigen oder anwenden als bei einem Gedicht?

Ein Gedicht zu lesen (ein Gedichtsurteil) ist ein ästhetisches Urteil.
Die Bildung eines reinen Geschmacksurteils – ob ein Gedicht schön ist oder nicht; das Wohlgefallen (Interesse), das wir an einem Gedicht finden ist ohne alles Interesse.
Wenn ich ein Gedicht herstellte, von dem ich wüsste, das es niemand liest oder wüsste, es gäbe gar keine Menschen, die es lesen könnten, um hier zu sagen, das Gedicht sei schön, oder ich müsste meinen Geschmack beweisen; dies alles wäre nicht logisch.

Dies bedeutet ich habe zunächst kein Interesse ein schönes Gedicht zu schreiben, noch hat mein Erstleser ein Interesse ein Geschmacksurteil zu bestimmen.
Er steht in den meisten Fällen dem Gedicht zunächst gleichgültig gegenüber.
Das Gefühl einer Lust oder Unlust am Gedicht ist rein subjektiv ästhetisch ohne logische Erkenntnis über Sinn und Form und Inhalt.
Es sieht schön aus, es scheint ein schönes Gedicht.

Nirgendwo spricht ein Mensch so konzentriert wie in der Dichtung.
Aller Ballast der allgemeinen Verständigungssprache ist entfernt.
Das Gedicht ist auf seine Zeichen (Ampel) reduziert. Die sofort erkannt oder auch erst durch Nachforschungen.
Hilfen sind hierzu das sprachliche klanghafte Zeichensystem, das über den Rhythmus, Bilder, Metaphern, Bedeutungen bis zu konstanten Mustern reicht.

Unterschiede finden wir im Gedicht, dessen Aussage wir gleich erkennen, wie den verrätselten, hermetischen Gedichten (Benn, Celan) die weitere Lektüren wie Lexiken, Pschyremble, Botanikbücher, etc. verlangen.

Wichtig ist bereits beim Dichten der Anfang: Karl Mickel: „Hier ist der erste Satz so wichtig wie die Startbahn für das Flugzeug: Es erhebt sich dort. Dann aber hat es den Boden verlassen ...“ Es startet in die verschiedenen Welten der Ideen.
Jeder individuelle Leser interpretiert das Gedicht in seiner Welt.

Einbildungskraft führt uns bei einem Gedicht weiter.
Die Einbildungskraft besitzt eine ethisch Verpflichtung gegenüber dem Anderen.
Produktive Einbildungskraft und sittliche Verantwortung sind keine Gegensätze.

Wir erkennen die Form, die schöne Form, nicht beim ersten Mal des Lesen , oder hören auch nicht die Struktur des Gedichtes.
Die Einbildungskraft hilft uns weiter bei wieder erkennen (Mimesis) Sie stellt etwas her. Ein neues Gedicht
Wir kommen den Dingen näher, wenn wir näher und öfter und länger hinsehen
apprehendieren - wie ist der Gedanke des Dichters dargestellt? Durch die Einbildungskraft und einem Sehen von bildhaften Flecken erkennen wir ein Schema.
Dieses ist jedoch ebenso hart zu erarbeiten wie dem Dichter das Gedicht.

Beispiel: Ein Urlaubskatalog, alles schön und schöne Bilder und schöne Beschreibungen sehr wahr, aber wenn ich dieses sehr wahre nicht ganz genau lese, habe ich ein großes Problem.

Dass gleiche gilt, wenn ich Platon oder Kant nicht sehr genau lese, soweit dies überhaupt möglich ist.
Dieses Problem habe ich bei den Dichtern.
Es beginnt damit, wenn ich annehme, der Dichter meint mit diesem „ich“ sich selbst.

Der Dichter ist kreativ und schöpferisch, nicht nach vorgegebenen, sondern durch eigenen Genius schaffend.
Kant: „das Genie, das der Kunst die Regel gibt“.

Die Form eines Gedichtes (als Begriff) vermag nicht der Einbildungskraft, der Sinnlichkeit zu entsprechen, wenn die Sprache nicht dem individuellen entflieht.

Ist ein Gedicht zunächst schön, hässlich oder verwirrend – das ist nur ohne Interesse.
Es verlangt der Reflexion
Der Einbildungskraft
Ich muss zunächst lesen, sortieren – für Benn Gedichte benötige ich einen Pschyremple für andere ein Botaniklexikon usw. und dann vielleicht dann erkenne ich einige Bildflecken die ich zusammenführen kann zu etwas das mir Sinn zu geben erscheint.

Den Zusammenhang von Ethik und Ästhetik verbürgt die „freie“ Tätigkeit der Einbildungskraft.
Hierbei ist der ästhetische Blick auch auf Dinge der äußeren Welt zu richten.
Wechsel von ich und Nicht-Ich, Subjekt und Objekt, Innere und Äußere Welt. Der Mensch, kraft seiner schöpferischen Einbildungskraft erzeugt eine Vielfalt, durch die er zum Genie wird.

Das Schöne an dem / einem Gedicht ist zunächst einmal die Abweichung.
Abweichung, die es von normaler Sprache abhebt – das hört sich gut an. – oder es erzeugt Verwirrung.
Hier muss sich intensiv mit dem Gedicht befasst werden.
Poetisches Sprechen ist unschuldig, frei pragmatisch.
Deshalb kann der Dichter schreiben, wie es seine Kreativität zulässt. Das normale Sprechen verlangt Ethik – ich meine es gibt keine Moral für das poetische Sprechen.
Das Gedicht ist nicht nur Literatur und Unterhaltung, es dient in erster Linie der Erkenntnis.
Das Gedicht unterliegt qualitativen Kriterien wie auch dem Geschmacksurteil.
Es bietet dem Konsumenten eine intersubjektive Erfahrung.

Dichtung als Darstellung kopiert nicht.
Dichtung dient zur Erkenntnis (Bezug) zur Wirklichkeit
Dichtung ist Darstellung von Handlungen

Wenn das Gedicht nur schön ist. Die Worte bannen. Was ist noch verborgen, was ist noch ungeweckt in diesem Bann.
Auch dieses Unverständnis kann Leidenschaft wecken, wenn das Gedicht nur schön genug ist.
Der Anblick des Gedichtes ist ohne Interesse,
Wenn ein Symbol oder ein Weg erkannt ist, beginnt das Arbeitsgedächtnis.
Wenn aber etwas sofort oder über die Interpretation neu erkannt ist beginnt das Feuerwerk im Gehirn.

Ästhetische Gesichtspunkte spielen für die Ethik keine Rolle

Die Lust teilt sich entweder den Sinnen oder den Reflexionsgeschmack.

Die ästhetischen Gesichtspunkte zu dem Gedicht
Todnauburg von Paul Celan:

Wir werden beim Lesen feststellen, das beim Eindringen in diesen Text wir in ein Labyrinth eindringen und uns verfangen.
Erkennen zunächst das Es ein Gedicht, ist, an seinem Verstext.

Es geht um die ästhetischen Aspekte in diesem Gedicht stellvertretend für alle Gedichte.
Bei dem lesen oder bloßen Ansehen der Versform kann es einem ergehen wie beim Anblick einer Informatikformel an der Tafel.
Zunächst empfindet man etwas Schönes ohne einen Sinn zu erkennen.
Um dieser Formel näher zu kommen, muss man sich damit beschäftigen.
Dies ist auch die Aufgabe beim Gedicht.
Manchmal kann ein sinnvolles Erfassen ein komplettes Studium erfordern.
Es ist nicht zu leugnen, das damit das Gedicht der Kunst seine Aufgabe erfüllt hat.

Die Frage lautet weiter handelt es sich hier um ein Gedicht oder um Lyrik?
Die Verskunst besteht aus Vers und Sprache.
Die Bildung eines Gedichtes ist zunächst unabhängig von Regeln.
Die Abgrenzung = "Definition" von Begriffen klärt durch ihre Abgrenzung von den anderen Begriffen.
Hierbei wird sich zeigen ob sich ein/dieses Gedicht gegen eine/die Definition/Abgrenzung, Klärung von Begriffen sträubt.
Dies stellt sich als äußerst schwierig, da sich das Gedicht nicht so ohne Weiteres
Auf den einen Begriff bringen lässt.

Allein die erforderlichen Botanikkenntnisse,: ; erleichtern nicht den Einstieg in die Interpretation.

Es ist wie die Entschlüsselung einer Geheimsprache.
Wie bei der Entschlüsselung von Hieroglyphen steigt man tiefer in die Archäologie, in die Schichten des Gedichtes ein.

Wenn einem ein Gedicht gefällt, dann muss dieses einem Anderen deshalb nicht automatisch auch gefallen.
Interesse wird das Wir dem Gedicht nun entgegenbringen wird Wohlgefallen genannt. Wir erkennen es mit der Vorstellung den wir einem Gedicht zumessen.

Angenehm ist, was den Sinnen in der Empfindung an diesem Gedicht gefällt. Auch angenehm ist jedem dieses Gedicht, wenn es uns vergnügt

Gut ist das, was über die Vernunft, durch den bloßen Begriff, gefällt. Das Gedicht empfinden wir als das Nützliche, sobald es nur als Quelle gefällt; empfinden es aber an sich gut, weil für sich selbst gefällt. Gut ist das Gedicht ebenfalls wenn es vom Leser geschätzt, angenommen, gutgeheißen wird.

Schön ist das Gedicht, wenn es bloß gefällt.
Geschmack ist subjektiv und oft eine Frage der jeweiligen Stimmung.
Wenn wir ein Wohlgefallen oder Missfallen an diesem Gedicht finden, ohne alles Interesse und dieses Gedicht so beurteilen, nennen wir dies Geschmack.

Für Kant gibt es wie er betont keine Geschmacksregel, die durch Begriffe bestimmen würde, was schön wäre.
Wenn uns das Gedicht ohne Begriff gefällt und erkannt wird, als Gedicht, so nennen wir es schön.


Literatur: Ethik der Ästhetik Akademie Verlag Christoph Wulf,
Kant: Kritik der Urteilskraft Analytik des Schönen




TODTNAUBERG

Arnika, Augentrost, der
Trunk aus dem Brunnen mit dem
Sternwürfel drauf,

in der
Hütte,

die in das Buch
- wessen Namen nahms auf
vor dem meinen? -,
die in dies Buch
geschriebene Zeile von
einer Hoffnung, heute,
auf eines Denkenden
kommendes
Wort
im Herzen,

Waldwasen, uneingeebnet,
Orchis und Orchis, einzeln,

Krudes, später, im Fahren,
deutlich,

der uns fährt, der Mensch,
der's mit anhört,

die halb-
beschrittenen Knüppel-
pfade im Hochmoor,

Feuchtes,
viel.

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Ästhetik in der Dichtung

GESCHMACK macht glücklich

Ästhetische Theorie – Poetisches Programm
Ästhetik in der Dichtung
Das Schöne und das Erhabene Gedicht

Von Manfred H. Freude

Montag, 8. August 2005


De gustibus non est disputandum =
Über Geschmack soll man nicht streiten
Der Dichter dichtet nicht aus einem ästhetischen Interesse.
Der Dichter ist völlig ohne jedes Interesse bei seiner Dichtung.

Sein eigenes Empfinden, seine eigene Krankheit oder sein Genie ist völlig unabhängig von seiner Dichtung.
Er benutzt seine Wörter nicht durch das ihm anschließend eine Erklärung vorgelegt wird oder er sie selber erklären müsste.
Seine Worte sind rein mystisch.

Ein Gedicht ist eben keine Sache der Ästhetik.

Philosophische Anfänge und Beweise in der Aufklärung zur Zeit der Kantischen Kritik der Urteilskraft sind die Anfänge für eine logische und methodische Schöpfung von „schöner“ Poetik.
Anfänge von Beweisen und Argumenten.

Offensichtlich ist diese Gedichtliteratur Teil der Aufklärung und kein Begriff oder eine Bezeichnung für die subjektive Ästhetische Kunstaufklärung.

Die Modernisierung in einer eigentlich deutschen Dichtkunst entstand unter regelmäßigen Organisierten Zusammenkünften in denen allseitige philosophische Arbeiten grundlegend sind.
Aufgrund dieser differenzierten Schulen und Richtungen entstehen jedoch die vielfältigen Sinnesrichtungen die keine grundsätzliche Übersicht am Ende der Aufklärung erlauben.


Dichten will aufklären! Nicht nur gefallen.
Dichtung will belehren.
Bei heutiger Vielfalt der Dichtung und der Dichtungstheorien, dichtet jeder drauflos und theoretisiert jeder was das Zeug hält.

Vom Gedicht in der Metzgerzeitung bis hin zu einem anspruchsvollen, hermetischen, eskapistischen, Gedicht.
Fragen entstehen wer das Gedicht eigentlich beurteilt, die Masse, der geneigte Leser, der individualistische Meisterkritiker? Ein gutes Gedicht ist eine andere Frage.
Auch die Kritiken beziehen sich aufeinander oder grenzen sich gegeneinander ab. Sind das Interessenskonflikte, wie wir sie auch beim Gedicht kennen, wer weiß?
Hat es sich doch für einige lustige Gelegenheits-Dichter positiv entwickelt, das sie sich ein verständnisvolles, liebendes Publikum erworben haben, was die
hermetischen Dichter erst nach jahrelangen Interpretationen und Zerstückelungen ihrer Gedichte hoffen dürfen. Vielleicht Jahrzehnte, Jahrhunderte nach ihrem Tod.

War bei Gottsched noch die unbeirrte Nachahmung der Natur der Erfolg zu schöner Dichtung das Ziel, gab Baumgarten die sinnlich, dunkle, verworrene Vernunft bereits vor und bereitete damit schon den Weg zu moderner Lyrik.

Die Wirkungsästhetik richtet sich an das Gemüt, die Interessen des Publikums und dessen Erregung durch Affekte.

Geschmack und Impression des Schönen sind von naturgegebenen Begabungen (Intuition) abhängig zu denken.
Dies bildet sich seit dem Sturm und Drang aus der Genieästhetik als Grundlage für die Erklärung Schönheit sinnlich wahrzunehmen, bei einer Aufklärungsästhetik von dieser natürlichen Begabung hervorgebracht.

In der Aufklärung dichtet man in Anlehnung an theoretisch hergeleitete Grundsätze und Methoden. Öffentlich diskutiert man über bestehende Texte,
auf der anderen Seite stellt man philosophische Aufsätze vor, nach deren Fundamenten man nun zu dichten hat.

Man diskutiert öffentlich und in Briefen ob und wie Dramen zu schreiben sind in Prosa oder in Versen.

So diskutierte auch Schiller mit Goethe, dem er mitteilte: „ich habe nun den Wilhelm Tell in Verse umgeschrieben. Prosa ist etwas fürs Volk und Lyrik-Verse sind doch Einbildungskraft...“

Wir befinden uns im Umbruch der Belletristik, der schönen Literatur, der schönen Verse, der schönen Lyrik.

Die Dichtung ist schon seit der Antike Schön.
Unterhaltsam, angenehm, sprachlich formvollendet und unverwechselbar.
Schön, aber wie Kant sagt: schön ohne alles Interesse.
Dieses Schöne ist aber bereits seit der Poetik und der Rhetorik der Antike gegeben.

Es ist aber auch ein Merkmal der Aufklärung, das wie in der Antike die Dichtung auch belehren soll.

›Belehren und Unterhalten‹
( Horaz ›prodesse et delectare‹)
wie auch ›Nutzen‹ und ›Vergnügen‹

Schönheit durch erlebbare Impressionen die sinnlich, körperlich und hörbar auf das Gemüt wirken und nicht nur durch
Urteilskraft auf den Verstand (hierin findet sich die Begründung einer Ästhetik)

Es entwickeln sich neue Kategorien und Gattungstheorien
die sich ebenfalls von der Antike herleiten. Die alten Einflusse der
antiken Götter, Helden und Musen werden übernommen aber es bildet sich auch durch die theoretische, philosophische Diskussion eine moderneres Engagement.


Ein Hochziel in der modernen Dichtung des 18.
Jahrhunderts gilt auch noch für den ›Poeten‹.
Gottsched warnt in der Critischen Dichtkunst die Dichter,
sich nicht durch fehlende
Kenntnisse lächerlich zu machen.
Viele Autoren, die als Verfasser Schöner- Lyrik bekannt sind, haben als philosophische
Universalgelehrte zu unterschiedlichsten Themen
akademisch bedeutsame Sachliteratur niedergeschrieben.

Das wichtige Wissen ist das Philosophische Wissen, welches auch die Geometrie einschließt und das historische Wissen.

Die Erkenntnis ist eine Sache des Geistes, sie findet
deshalb in der Seele statt.

Dies ist eine der wichtigen Erkenntnisse des 18. Jdts. und um diese Erkenntnisse ging es schließlich.
Klarheit, das ›Licht der Seele‹ so Wolff, ist gegeben,
wenn Unterschiede in den Gedanken festgestellt werden können.

Und diese Klarheit bedeutete die Aufklärung.



Erhaben
erhoben – entflohen
sublime – escape

Eskapistenlyrik in der Dichtung und der ästhetischen Theorie

Die Rhetorik benennt hergeleitet von Aristoteles die Stilarten ( genus dicendi )
vom schlichten Stil ( genus subtile ) über den mittleren Stil (genus medium )
zum erhabenen Stil ( genus sublime )
Was erhebt nun den hohen Stil: nach Aristoteles ist dies Prunk, sublimitas, Würde, Erhabenheit, Redeschmuck (ornatus) wie pathos.

Karl der Große nannte sich nach der Kaiserkrönung im Jahr 800 Imperator et Augustus.
Dieses Augustus stand im Lateinischen für der Erhabene.

In seine Abhandlung über die ästhetische Erziehung des Menschen schreibt Schiller vom Erhabenen Flug der Dichtkunst.

Erich Heckel erhebt sich über die Berge der Alpen: ..denn was soll man sagen zu dieser überaus herrlichen Natur, die noch weit, weit schöner und erhabener ist, als ich sie mir gedacht....

Gottfried Benn im Gedicht der Dunkle : das ist für viele ein erhabener Traum.
und im Gedicht Olympisch: Erhebe dich nun ... Erhebe dich aus Stamm und Zeiten

Über allen Zweifeln erhaben ist, das die Frage des Einstiegs, über das Erhabene, bei Kant beginnt.

Sind wir nun erhaben über den Dingen oder erheben wir uns erst in die Höhe und Überhöhe und die Ausschweifung der Leidenschaft, wie Nietzsche schreibt: ein wirkliches tiefes Verlangen also, über die Hässlichkeit und Ungeschicktheit hinauszukommen, mindestens hinauszublicken – hin nach einer besseren, leichteren, südlicheren, sonnenhafteren Welt. „

Dies passte zu der Eskapade des fliegenden Roland H.M. Enzensberger und aus Struwwelpeter. Einem erhobenen entfliehen.

Erhabenheit ist nach Nietzsche das Ziel menschlichen Strebens.
Im § 369. in manchen Fällen nur durch Erbärmlichkeit zu erreichen.
Durch anherrschen und Vergewaltigen. Mancher braucht dazu einen Hund, eine Frau, eine Partei oder ein Zeitalter.


Gottfried Benn mit seinen
Gedichten: Ach das Erhabene
Das Gedicht: Olympisch : Erhebe dich....
Der Dunkel für viele ein erhabener Traum...

DAS ERHABENE
erhoben – entflohen
sublime – escape

Pseudolonginus schreibt über das Erhabene zwischen hypsos (Erhabenheit) und kallos (Schönheit)
Kant teilt in der Kritik der Urteilskraft das Endliche vom Unendliche, das Bedingte vom Unbedingten und den Verstand von der Vernunft.

Wir gehen aus von beherrschbaren Dingen die wir zeigen können (Aussagen) und Dingen die wir nicht beherrschen, nur benennen können (Platonischen Ideen)
Dieser Aufstieg steigt zum höchsten Gipfel, vom Schönen zum Erhabenen.

Bewundern wir einen Scharfsinn des Sokrates
oder belächeln wir, haben Spaß an seinen Mythen: von göttlicher Raserei, dämonischer Besessenheit oder erotischer Leidenschaft?
Dieser Aufstieg vergleichbar dem Kantischen Übergang vom Verstand (Bedingten) zur Vernunft: (Mannigfaltigen Vorstellungen) Vernunft ohne jede weitere Vorstellung. Nur Vorzustellen wo nichts mehr Vorzustellen.

Wir reden uns am Ende in die dionysische Ekstase.
Für Sokrates ist nur das Vernünftige schön.


Eskapistenlyrik in der Dichtung und der ästhetischen Theorie

Die Rhetorik benennt hergeleitet von Aristoteles die Stilarten
( genus dicendi )
vom schlichten Stil ( genus subtile )
über den mittleren Stil
(genus medium )
zum erhabenen Stil ( genus sublime )

Was erhebt nun den hohen Stil: nach Aristoteles ist dies Prunk, sublimitas, Würde, Erhabenheit, Redeschmuck (ornatus ) wie Pathos.

Karl der Große nannte sich nach der Kaiserkrönung im Jahr 800 Imperator et Augustus.
Dieses Augustus stand im Lateinischen für der Erhabene.
In seine Abhandlung über die ästhetische Erziehung des Menschen schreibt Schiller vom Erhabenen Flug der Dichtkunst.

Erich Heckel erhebt sich über die Berge der Alpen: ..denn was soll man sagen zu dieser überaus herrlichen Natur, die noch weit, weit schöner und erhabener ist, als ich sie mir gedacht....

Gottfried Benn im Gedicht der Dunkle :
das ist für viele ein erhabener Traum.
und im Gedicht Olympisch: Erhebe dich nun ... Erhebe dich aus Stamm und Zeiten....

Über allen Zweifeln erhaben ist: das die Frage des Einstiegs über das Erhabene, bei Kant beginnt.
Sind wir nun erhaben über den Dingen oder erheben wir uns erst in die Höhe und Überhöhe und die Ausschweifung der Leidenschaft, wie Nietzsche schreibt: ein wirkliches tiefes Verlangen also, über die Hässlichkeit und Ungeschicktheit hinauszukommen, mindestens hinauszublicken – hin nach einer besseren, leichteren, südlicheren, sonnenhafteren Welt. „

Dies passte zu der Eskapade des fliegenden Roland
H.M. Enzensberger und aus Struwwelpeter.
Einem erhobenen entfliehen.

Erhabenheit ist nach Nietzsche das Ziel menschlichen Strebens.
Im § 369. in manchen Fällen nur durch Erbärmlichkeit zu erreichen.
Durch anherrschen und Vergewaltigen. Mancher braucht dazu einen Hund, eine Frau, eine Partei oder ein Zeitalter.

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Denken und Vergessen

Denken und Vergessen

Die Dichter um 1800 als Erzieher lehrten uns nicht nur das Wissen und denken, sondern das des Vergessenkönnen. Für Goethe hatten die Romantiker noch ein zu kurzes Gedächtnis und selbst suizidgefährdet glaubte er, wer das Erinnern nicht fälscht, kann nicht überleben, wer handeln will muss vergessen können. Sein Faust war geradezu eine Orgie des Vergessens. Eine besondere Fähigkeit unseres Denkens ist eben nicht zu denken. Eine Zwangshemmung des Denkens. Nicht zu denken, dass wir denken. Das Denkbare ist bereits geschehen und gleichzeitig verstanden. Es ist nicht unbedingt sofort durch einfaches Nachdenken abrufbar. Die Formulierung lautet: dass wir beim Sprechen Vernünftiges voraussetzen. Demgegenüber steht die Frage nach den Absichten der Kommunikation. Es gilt den herauszufinden (Versuch) was der andere gemeint hat. Dies scheint scheinbar ein Widerspruch. Man kann nicht gleichzeitig etwas vernünftig sagen aber andererseits auch nur daraufhin urteilen, was gemeint wurde. Dies ist aber beim Sprechen alltäglich. Scheint nur als ein Widerspruch. Es entsteht nicht der kleinste Ansatz, dass man nicht sprechen kann. Wer schweigt, staunt. So kann es doch passieren, das in zwei völlig unterschiedlichen Zeiten, an völlig verschiedenen Orten, zwei Dichter, ohne voneinander zu kennen, oder voneinander zu wissen, ein völlig identisches Gedicht dichten. So steht doch der Widerspruch der Behauptung, dass beide das gleiche Gedicht geschrieben hätten. Worin besteht nun der Unterschied zwischen beiden Gedichten? Das Gedicht scheint nur ein Gleiches. Wenn wir ein Gedicht haben, so haben wir vor uns Wörter. Eine Ansammlung von Worten. Diese Worte sind eine Reihe von Artefakten. Sie sind Fakten und als künstlich hergestellte Fakten, sind sie somit Artefakte. Mit dem Sprechen klettert man eine Leiter hinauf (sic). Das Problem dabei ist, wenn einer bereits sehr hoch auf der Leiter ist, und muss nun entweder von oben sprechen, was verständlich Probleme macht, oder er steigt herunter, was eine Verständigung erschwert. Es gibt Sprache diesseits der Rede oder jenseits, anders ist Sprache nicht, also Nonsens. Das der Hörende „etwas anderes denkt als der Redende“ ist in einer wissenschaftliche Anforderung ausgeschlossen. Meine Theorie Schwaigen sagt aber, das der Hörende etwas anderes denkt, als er hört und der Redende redet, als müsste er das was er denkt, übersetzen. Der Redende denkt etwas anderes, als er redet. (Wenn der Redende während der Rede aus dem Fenster sieht, redet er weiter, obwohl er etwas anderes denkt) der Hörende denkt etwas anderes, als er hört. So klar und deutlich wie nur möglich ausdrücken. Diese Klarheit lässt eine größere Verständigung zum Redenden zu. Anderseits lässt dies weniger Spielraum für den Hörenden zu. Es ist so als würde das Essen vorher gequetscht. Es lässt sich leichter schlucken, aber man erkennt weniger, was vorgesetzt wurde, man schmeckt kaum noch Unterschiede und man hat nichts mehr zu kauen. Im Übrigen wäre eine wissenschaftliche Klarheit in der Quantenphysik wie auch in der Gettokanack möglich.
Aristoteles ' Diktum heißt, dass nicht jeder Gegenstand ein gleiches Maß an theoretischer Präzision eröffnet. Der Philosophie der Sprache muss die Idee gegenübergestellt werden, dass bei der Verfolgung philosophischer Fragen, wir mit der Sprache beginnen und unseren Weg eröffnen. Meine Überzeugung ist, dass diese Haltung verantwortlich ist für die unfruchtbare Natur vieler zeitgenössischer analytischer Philosophie. Wenn wir mit Sprache beginnen und versuchen, ihren Weg nach außen zu arbeiten (uns zu äußern), werden wir nie außerhalb der Sprache treten. Was wir uns nicht denken könnten (Einhorn), das können wir uns real denken. Was wir uns real und klar denken können (Pferd), können wir uns nicht anders denken. Wir können uns also Marsmenschen in jeder Form vorstellen, wir können uns aber ein Dreieck oder einen Kreis nicht anders vorstellen.
Zukunft ohne Gedächtnis. Wozu noch Gedanken frag ich, wozu? Sprechen von Malen des Denkens. Erinnern? Woran frag ich, wozu? Immer dieses Nachdenken gegen alles Vergessen und Verinnern. Zukunft ohne Gedächtnis. Behalten wir aus unserer Kindheit. Die Türme stehen in Glut, die Kirche ist umgekehrt. Wozu noch Gedenken frag ich, wozu?
C Manfred H. Freude

1 Kommentar 6.7.10 18:25, kommentieren

Dichterhybris

Warum Dichter lernen?

Die Überheblichkeit des Dichters, zu wissen, scheint mir nicht diese Frage nach Hybris. Nennen wir doch heute einen Dichter von Wissen, der die Schiene Abitur bis Promotion durchlaufen hat. Aber was heißt, Wissen? Was heißt Denken? Der gelehrte Dichter versucht seine Gedichte möglichst intelligent wirken zu lassen. Aber sind diese feinen Bonmot Gedichte schon „Reife“ Gedichte. Will man den Dichter nicht wie „Goethe“? Ist das bereits Hybris? Überheblichkeit ist mir doch, wenn ein Priester meint: „Beten sie für die Toten einige Gebete“. Nicht dieses Beten scheint mir Hybris, vielmehr diese Forderung des Priesters. Von einem besonderen Dichter verlangt man schon ein besonderes Wissen. Ein Wissen, das alles Wissen im Volke übersteigt. Dies hieße auch das der Dichter, Kanzler, Präsident, ja König sein könnte, aber selten ein Kanzler, Präsident oder König ein Dichter.

1 Kommentar 5.7.10 17:44, kommentieren

World Cup

World Cup

Tomorrow is the time to make.
Roll the ball as a light load.

In the stadiums the Full
New balls will roll.

If you are not on grass.
Will we see a lot of goals.

Always will be pulled again.
This is the championship.

You can be friends, eleven.
But shooting into the net!

Bring us not by all the senses.
Because we have to win here.

Even the old football hare
See today on the lawn.

Do not keep it still at home.
Draw up to the interval

But the whole football game
For many is too much.

A scream is heard by all.
When the first drop gates.

And the keeper is then silent.
rum to the first post

And it is a top priority.
That one comes into the last game.

Who makes the final goal.
If, prior to the winner.

And in the end a lot of applause
If one looks like a winner.

Much of the glory there will be.
The trophy, which is for life.

And ever heard any.
speak only of these games.

Aachen,

© MANFRED H. FREUDE

1 Kommentar 10.6.10 18:11, kommentieren

Fußball I

Fußball I

Dieses Spiel zwischen 4 Ecken
Innerhalb der Reklame
Ballspiel zwischen Toren
Vom Mittelpunkt aus
Immer den Kasten freihalten
Räume und Punkte von
Torwarttitanen und
Spielerlegenden
Ballverliebte Dribbelkünstler
Pässe auf grünem Teppich
Tanzen nach einer Pfeife
Zu singenden Fans
Immer den Ball halten
Über zwei Spielhälften
Und folgen der Dusche

1 Kommentar 10.6.10 18:00, kommentieren

Fußball

Fußball


Lass uns in die Stadien gehen
Und den grünen Rasen sehen.

Sehen wir von der Empore
Rechts und links zwei leere Tore

Ach was ist die Fußballwelt,
So klein
Sind zwei leere Tore so allein.

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Fußballweltmeisterschaft

Fußballweltmeisterschaft

Morgen ist die Welt zu Gast.
Rollt der Ball als leichte Last.

In den Stadien den Vollen
Werden neue Bälle rollen.

Wird man nicht auf Rasen stehen.
Will man viele Tore sehen.

Stets wird sich neu aufgerafft.
Dieses ist die Meisterschaft.

Ihr dürft auch elf Freunde sein.
Aber schießt ins Netz hinein!

Bringt uns nicht von allen Sinnen.
Denn wir müssen hier gewinnen.

Selbst die alten Fußballhasen
Sehen heute auf den Rasen.

Keinen hält es noch zu Hause.
Unentschieden bis zur Pause

Doch das ganze Fußballspiel
Ist für viele doch zu viel.

Einen Schrei hört man von Allen.
Wenn die ersten Tore fallen.

Und der Torwart steht dann stumm.
An dem ersten Pfosten rum

Und es ist ein höchstes Ziel.
Dass man kommt ins letzte Spiel.

Wer im Endspiel trifft das Tor.
Kommt sich schon als Sieger vor.

Und am Ende viel Applaus
Sieht man wie ein Sieger aus.

Viel der Ehre wird es geben.
Der Pokal, der ist fürs Leben.

Und noch ewig hört man jeden.
Nur von diesen Spielen reden.



Aachen,
© MANFRED H. FREUDE

1 Kommentar 10.6.10 17:49, kommentieren

Ballak oder Schweigen

Nicht reden schweigen.

Es gibt wirklich Dinge über, die man nicht reden sollte, sondern lieber schweigen sollte. Einfach Alltägliches. Ein junger Literaturwissenschaftler (ich weiß nicht welches hierbei, dass intelligentere Attribut ist) schreibt ein dilettantisches Gedicht von seltener Naivität. Es wird dem Publikum zur Abstimmung vorgelegt. Das Publikum (hier als Masse) liebt natürlich den Witz, das harmlose, das verständliche, das was scheinbar naiv scheint. Jubel kommt auf und der erste Preis ist klar. Warum sollte die demokratische Masse anders entscheiden. Bei einer Wahl trifft jeder seine Empörtes persönliche Entscheidung. Hier spielt Intelligenz oder Nicht-Intelligenz keine Rolle. Menge entscheidet demokratisch nach, sagen wir Gefühl. Ein Aufschreien, bei Rassenübergriffen. Da wird ein dunkelhäutiger von hellhäutigen Jugendlichen im Bahnhofsgebäude zusammengeschlagen. Man ist verständlich empört über dieses Verhalten. Nun wird unser lieber Teamchef auf dem Platz von einem dunkelhäutigen zusammengetreten. Wir schweigen nicht. Wir schweigen nie. Es ist nicht unsere Art zu schweigen. Wir haben keine Ahnung, wissen aber über alles Bescheid. Wir reden besonders gerne, wenn wir nicht gefragt sind, wenn unsere Meinung nicht erwünscht ist. Ärgern wir uns, weil wir im ersten Fall so vieles verschwiegen haben? Weil wir nicht sagen durften, dass es im ersteren Fall auch anders sein konnte und uns nun der Beweis geliefert wird. Wenn wir tolerant sein wollen, dann dürfen wir auch niemals schwarz und weiß denken. Es sind Menschen, die aufeinandertreffen. Dieses Parteiergreifen ist bereits Rassismus. Und wie ist das beim Gedicht, das entweder naiv oder intelligent ist. Wir verstehen einfach nicht, was intelligent ist? Bei der Wahl hieß es auch lediglich, das Gedicht zu wählen, welches am besten gefällt. Interessenlos gefällt? Der Preisträger freut sich. Warum sollte er sich schämen? Für die Entscheidung des Publikums? Worüber wir nicht reden können, sollten wir lieber schweigen.

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